Stadtentwicklung in StarnbergEine Frage der Prioritäten

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Das knapp 34 800 Quadratmeter große Areal an der Leutstettener Straße in Starnberg zwischen Bahnhof Nord (li.) und Gautinger Straße könnte neu bebaut werden. Die Planungen sehen den Neubau mehrerer Gebäude vor, der Edeka-Markt soll bleiben.
Das knapp 34 800 Quadratmeter große Areal an der Leutstettener Straße in Starnberg zwischen Bahnhof Nord (li.) und Gautinger Straße könnte neu bebaut werden. Die Planungen sehen den Neubau mehrerer Gebäude vor, der Edeka-Markt soll bleiben. (Foto: nema GmbH)

Das städtische Bauamt konzentriert sich derzeit auf das Großprojekt „Moosaik“ im Norden der Kreisstadt. Der seit zehn Jahren geplante Umbau des Areals am Bahnhof Nord scheint dem Stadtrat dagegen weniger wichtig zu sein.

Von Peter Haacke, Starnberg

Die Kreisstadt Starnberg ist berühmt und berüchtigt – insbesondere für ihre vielen Großbauvorhaben und unzähligen Planungen, die nie verwirklicht wurden. Gute Ideen gab es schon viele, nur mit der Umsetzung haperte es oft. Sieht man einmal vom Bau des B2-Tunnels ab, der zwar erheblich langsamer als gewünscht, doch immerhin stückchenweise voranschreitet, harren viele Dinge ihrer Erledigung.

Doch die Kassen sind leer, und das städtische Personal im Bauamt, das all diese Vorhaben bearbeiten soll, ist knapp. Im Bauausschuss ergab sich darüber jüngst ein kurzer, aber heftiger Disput. Anlass für die Auseinandersetzung zwischen Bürgermeister Patrick Janik (UWG, CSU, SPD, BLS) und seinem einstigen Mentor Otto Gaßner (UWG): der seit zehn Jahren angepeilte Umbau des Busbahnhofs Starnberg Nord und die Umgestaltung des benachbarten Supermarktes.

Seeanbindung, Gewerbegebiet Schorn, Hotel Bayerischer Hof, Museumsquartier, Sozialwohnungsbau am Wiesengrund, Wärmeversorgung und Wind- und Solarkraft sind nur einige Beispiele. Priorität genießt derzeit das „Moosaik“, der futuristische Umbau des Gewerbegebiets Nord, der Starnberg am Ortseingang ein neues Gesicht geben soll. Mit Hochdruck arbeitet eine Heerschar von Planern an der Umsetzung des Projekts, das einen Abriss der bestehenden Gebäude und mehrstöckige Neubauten nach modernsten Erkenntnissen vorsieht. So viel steht fest: Starnberg wird einen neuen Stadtteil bekommen. Und die Investoren machen Druck, Zeit ist Geld. Baukosten und Kredite werden immer teurer, die Interessenten an diesem Vorhaben der Starnberger Superlative müssen bei Laune gehalten werden.

Der Bauausschuss befasste sich am Donnerstag ein weiteres Mal mit dem „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ für das Projekt „Moosaik“: Mobilitätskonzept, Gestaltungsleitfaden und Freiflächengestaltungsplan. Es geht um Stellplätze für Autos und Fahrräder, Car- und Bikesharing-Points, ÖPNV-Haltestellen, Feuerwehrflächen, Anfahr-, Hol-und Bringzonen, Paketstationen, Barrierefreiheit, Begrünungen, Tiefgaragenein- und -ausfahrten, Lärmwerte und eine „Toilette für alle“. Kurzum: Ein komplexes Unterfangen, das vertraglich in einem Durchführungsvertrag festgezurrt werden muss. Einhellig segnete der Ausschuss das Paket ab, das Projekt hat eine weitere Hürde genommen.

Das Gewerbegebiet "Moosaik" - hier eine Visualisierung - genießt absoluten Vorrang in der Bauabteilung der Stadt Starnberg.
Das Gewerbegebiet "Moosaik" - hier eine Visualisierung - genießt absoluten Vorrang in der Bauabteilung der Stadt Starnberg. (Foto: Kehrbaum-Architekten)

Die Starnberger Prioritätenliste hat aber noch weitaus mehr zu bieten. Hinter dem Spitzenreiter „Moosaik“ finden sich auf den Top-12-Plätzen: „Rummelsberger Stift“, Gewerbegebiet Schorn, Bauvorhaben am „Spatzenhof“ und am Almeidaberg, Freiflächenfotovoltaik, das ehemalige Schuhhaus Linse, das zwischenzeitlich zur kulturellen Veranstaltungshalle wird oder der Ausbau der Kindertagesstätte am Tannenweg. Dahinter erst tauchen auf: Wohnbau in der Weilheimer Straße, Erweiterung eines Supermarkts an der Gautinger Straße, der mittlerweile vom Kreistag auf Eis gelegte FOS-Neubau oder die Ansiedlung des Starnberger Brauhauses in Schorn. Und erst hinter dem „Museumsquartier“ (Nr. 17) ist auf Position 19 die „Entwicklung des Edeka-Grundstücks am Bahnhof-Nord“ gelistet: Ein Klassiker, der das Gremium schon vor zehn Jahren beschäftigte.

Hans Beigel, Eigentümer des Areals, möchte den Gebäudekomplex modernisieren und erweitern. Einher ginge damit das Angebot, den Busbahnhof an künftige Bedürfnisse anzupassen; auch Musikschule und VHS könnten eine neue Heimat bekommen. Dem Stadtrat sind die Pläne bekannt, zuletzt hatte sich das Gremium im Januar 2023 und September 2024 damit befasst. „Aus städtebaulicher Sicht ist das Vorhaben äußerst bedeutend“, heißt es auch in der aktuellen Beschlussvorlage. Dafür wäre ein Bauleitverfahren erforderlich. Doch im gleichen Atemzug teilt die Verwaltung auch mit: „Es stehen keine personellen Ressourcen zur Verfügung.“

Eine Verschiebung der Prioritäten findet im Bauausschuss keine Mehrheit

Empört argumentierte Gaßner, der sich ohnehin an der Prioritätenliste und der „Liste der unzulänglichen Ressourcen des Stadtbauamtes“ stört, man könne Beigel trotz fortgeschrittener Planung nicht länger hinhalten: „Wir können ihm ja nicht mal einen Zeitraum nennen.“ Unterstützung kam von den Grünen Franz Sengl und Ursula Lauer. Allesamt plädierten die drei Stadträte dafür, das Vorhaben auf einem „Filetgrundstück der Stadt“ weiter nach vorn zu schieben.

Bei Bürgermeister Janik und der Mehrheit im Gremium kam das Ansinnen nicht so gut an: Janik verwahrte sich sichtlich erbost gegen Vorwürfe an seine Mitarbeiter und verteidigte die Rangfolge der Prioritätenliste. Der Busbahnhof habe zwar „hohe Bedeutung“, sei aber auch nicht wichtiger als andere Vorhaben. In der Abstimmung fielen zwei Anträge auf eine Verschiebung innerhalb der Reihenfolge durch. Das Projekt „Busbahnhof 3.0“ bleibt also auf Rang 19 – und wird damit auf unabsehbare Zeit nicht weiter bearbeitet.

Überrascht zeigte sich am Freitag Grundstückseigentümer Beigel. Er sei sehr erstaunt über das Ergebnis, sagte er, zumal er der Stadt mehrfach verschiedene Möglichkeiten zur öffentlichen Nutzung angeboten hat. Er will sein Grundstück nun innerhalb der Vorgaben des bestehenden Bebauungsplans neu bebauen: „Wir können ja nicht ewig warten.“

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