Süddeutsche Zeitung

Mitten in Starnberg:Suche nach einem Joint blockiert Bahnverkehr

Ein "Drogenaufgriff" in Starnberg und seine Auswirkungen.

Von Armin Greune, Starnberg

Die Bahn hat ja gerade an vielen Fronten zu kämpfen. Gefühlt jeder zweite Bekannte weiß nach Schienenreisen von Zugausfällen und Verspätungen zu klagen, die Gründe hierfür sind vielfältig: Baustellen, vernachlässigte Infrastruktur, Material- und Personalmangel. Hinzu kommt derzeit im Münchner Nahverkehrsbereich, dass Wiesn-Besucher das ohnehin an der Grenze der Belastbarkeit stehende Transportsystem weiter strapazieren.

Ganz neu ist dagegen ein Umstand, der am Mittwoch zur Hauptberufsverkehrszeit im Bahnhof Starnberger See zu einer dreiviertelstündigen Blockade des Schienenverkehrs geführt hat: Zwei junge Männer, die auf dem Fußweg neben den Bahngleisen mit einem Joint in Richtung Percha unterwegs waren. Laut Polizeibericht wurden zwei Streifenbeamte gegen 15.45 Uhr auf den Hanfkonsum aufmerksam - und griffen ein. Doch während der 20-jährige Münchner die inkriminierte Tüte offenbar bereitwillig an die Polizei weiterreichte, warf sein 19-jähriger Begleiter aus Herrsching eine kleine Kräutermühle "sowie eine Tüte mit unbekanntem Inhalt" in Richtung Bahngleise, berichtet die Polizei.

Um diese Beweisstücke in diesem Kriminalfall sicherzustellen, ließen die Ermittler die Bahngleise von 16.57 Uhr an gleich komplett sperren. Wären die in Starnberg wartenden Fahrgäste von der Suchaktion informiert gewesen, hätten sich einige davon gewiss gerne daran beteiligt, um die Weiterfahrt möglichst rasch fortsetzen zu können. Das wäre sicher auch im Sinne der Bahnkunden gewesen, die entlang der Fernverbindung München-Hauptbahnhof und Garmisch-Partenkirchen vergeblich auf Beförderung hofften.

Die Bahn reagierte mit einem Bus-Notverkehr und meldete schließlich um 17.49 Uhr: "Die Streckensperrung zwischen Gauting und Starnberg wurde soeben aufgehoben und der Polizeieinsatz ist beendet". Eine Stunde später hieß es, auch im Fernverkehr gebe es nun "keine nennenswerte Beeinträchtigungen mehr". Wie die Polizei berichtet, "konnten die beiden Gegenstände letztlich nicht mehr aufgefunden werden". Sichergestellt bei diesem als "Drogenaufgriff" betitelten Einsatz wurden hingegen ein Smartphone und der mitgeführte Joint.

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