Wie geht es weiter mit dem Starnberger B2-Tunnel? Welche Hindernisse gilt es zu beseitigen, bis sich die Bohrmaschine ihren Weg durch Starnbergs Untergrund bahnt? Wann könnte das insgesamt 3,2 Kilometer lange Bauwerk, das die ungebremste Durchfahrt von bis zu 18 000 Fahrzeugen täglich gewährleisten soll, fertiggestellt sein? Antworten auf diese und andere Fragen erhofften sich diese Woche rund 70 Interessierte – überwiegend betagtes Publikum – aus erster Hand: Der Verein „Umweltbewusste Verkehrsentlastung Starnberg“ hatte die Spitzenkräfte des Bauamts Weilheim zur Infoveranstaltung eingeladen. Der Erkenntnisgewinn blieb allerdings überschaubar.
Jürgen Busse, Vorsitzender des 2012 gegründeten Vereins und Gastgeber des Abends in der beengten Räumlichkeit der Gaststätte „Tutzinger Hof“, skizzierte eingangs zunächst die Entwicklung des Tunnelprojekts seit 1989. „Starnberg braucht den Tunnel zur Entlastung“, stellte Busse abschließend fest, was bei den Zuhörern – darunter die Tunnelgegner Ralf Breitenfeld (WPS) und BI-Chef Klaus Huber – naturgemäß nicht auf ungeteilte Zustimmung traf.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag von Marco Pulci, Leiter der Projektgruppe „Tunnel Starnberg“. Erst im vergangenen Juni hatte die Regierung von Oberbayern in monatelanger, akribischer Arbeit die Prüfung der geänderten Baupläne und Einwendungen abgeschlossen. Das auf 345 Seiten fixierte Ergebnis war eindeutig, der Bau des in Details wesentlich verbesserten Tunnels wurde als „vernünftig“ eingestuft. Gegen den genehmigten Planänderungsbescheid wurden fünf Klagen eingereicht, drei davon sind bisher nicht entschieden: Sie betreffen Logistikrouten für Lastwagen während der Bauzeit in der Augustenstraße und am Almeidaweg, ein Kläger befürchtet Schäden an seiner Immobilie durch Erschütterungen am Schlossberg.
Das Bauamt ließ dazu ein Gutachten erstellen. Pulci ist optimistisch, mit den Klägern bis zum Herbst eine Einigung erzielen zu können. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte er, „aber es wird noch ein bisschen dauern.“ Grund: Der Planänderungsbeschluss ist erst dann rechtskräftig, wenn die Klageverfahren abgeschlossen sind. Zur Vermeidung weiterer Zeitverluste strebt die Behörde in Weilheim daher außergerichtliche Einigungen an.

Spannender ist die Frage, ob auch die zuständigen Bundesministerien in Berlin dem Vorhaben zur Starnberger Verkehrsentlastung zustimmen werden. Bislang hat der Bund 320 Millionen Euro genehmigt, mittlerweile kostet der Tunnel voraussichtlich aber mindestens 660 Millionen (ohne Planungskosten und Preissteigerungen). Zunächst muss das Bundesverkehrsministerium die Kostenfortschreibung genehmigen, die letzte Entscheidung fällt dann im Bundesfinanzministerium.
Allen Unwägbarkeiten im Zeitplan zum Trotz sind die Verantwortlichen im Bauamt optimistisch, dieses Jahr weitere Aufgaben erledigen zu können. Für 2026 sind unter anderem die Fertigstellung der Mittelspannungsleitung für die Tunnelbohrmaschine und der Bau einer Ersatzwasserversorgung am Institut für Fischerei geplant. Großes Gerät kommt dann beim Bau der insgesamt fünf Düker zum Einsatz, die vor dem eigentlichen Tunnelbau fertiggestellt sein müssen. Düker gewährleisten, dass Grundwasserströme um die Tunnelröhre herumgeleitet werden. Der Düker 3 am Almeidaweg ist mit neun Metern Durchmesser und 40 Metern Tiefe das größte Bauwerk. Die Planung sei reif für die Ausschreibung, hieß es, die Bauzeit betrage drei Jahre. Allerdings müssten zuvor die Klageverfahren abgeschlossen sein.

In der Debatte ergaben sich kritische Nachfragen zum Nutzen-Kosten-Verhältnis des Tunnels, das nach Angaben des Bauamts derzeit mit dem Faktor 1,7 bewertet werde. „Unser Projekt ist wirtschaftlich“, betonte Stefan Scheckinger, Leiter der Behörde in Weilheim. Der Bund erkenne ein Vorhaben bei einem Wert über 1,5 als wirtschaftlich an. Der Berechnung liege ein kompliziertes Verfahren zugrunde, das durch die Regierung von Oberbayern sowie Staats- und Bundesregierung überprüft werde. Angeregt wurde auch eine Wiederbelegung des Info-Centers. Tunnel-Projektleiter Dominik Spitzenberger zeigte sich davon nur wenig begeistert: Oft habe er stundenlang allein im blauen Container beim Landratsamt verbracht. „Rufen Sie uns bei Fragen einfach an“, empfahl er den Interessierten.
Eine Frage indes wurde an diesem Abend nicht gestellt: Wann denn der als alternativlos geltende B2-Tunnel unter idealen Voraussetzungen frühestens für den Verkehr freigegeben werden könnte. Tatsächlich dürfte die Realisierung des Vorhabens in seiner Gesamtheit vom jetzigen Zeitpunkt an rund zehn Jahre erfordern. Dann wäre es 2036 oder 2037 – also 30 Jahre nach dem Planfeststellungsbescheid der Regierung von Oberbayern und 20 Jahre nach dem Bau einer Zisterne am Schlossgarten.

