Bohrungen in StarnbergBrücke mit Tücke

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Mit Bohrungen im Bereich der Fahrbahn untersucht eine Spezialfirma den Untergrund bei der Brücke über die Würm.
Mit Bohrungen im Bereich der Fahrbahn untersucht eine Spezialfirma den Untergrund bei der Brücke über die Würm.
Nila Thiel

Das Bauwerk über der Würm soll erneuert werden, weil es immer wieder absackt. Wegen des weichen Bodens bohren Fachleute nun 50 Meter in die Tiefe.

Von Michael Berzl, Starnberg

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Der Starnberger Untergrund hat seine Tücken. Wer hier baut, muss besonders großen Aufwand treiben, um Halt zu finden für seine Fundamente. So geht es auch dem Staatlichen Bauamt, das in zwei Jahren die Brücke über den Würmabfluss im Norden des Starnberger Sees erneuern will. "Wir haben dort einen sehr schlechten Baugrund, sehr unangenehm", erklärt German Abenthum, der im Bauamt in Weilheim für das Projekt bei Percha zuständig ist. Auf der einen Seite befindet sich dort Kies, nur ein Stück entfernt, auf der anderen der bei Bauleuten berühmt-berüchtigte Seeton mit einer weichen, breiigen Konsistenz. Das ist von einer vier Jahre alten Untersuchung her bekannt. Seit dieser Woche wird wieder gebohrt, um genauer herauszufinden, welches Material wo anzutreffen ist.

Wenige hundert Meter nach dem Stadtrand von Starnberg steht auf dem Autobahnzubringer mitten auf der linken Fahrbahn in Richtung München ein Bohrgerät einer Spezialfirma aus der Nähe von Memmingen. Ein Lastwagen und Anhänger sind dort abgestellt. Eine Fahrspur ist daher abgesperrt, eine ist noch frei. Zu Staus kommt es am Dienstagnachmittag dennoch nicht. In dem Fall hat die Corona-Krise einen Vorteil, denn das Verkehrsaufkommen ist derzeit viel geringer als sonst. Daher nutzt das Staatliche Bauamt in Weilheim ganz bewusst diese Zeit für umfangreiche Voruntersuchungen. Leuchtanzeigen im Stadtgebiet weisen auf die Baustelle hin.

Die "Baugrundaufschlussbohrungen", wie das in der Fachsprache heißt, haben an diesem Montag begonnen, bis zum Mittwoch, 6. Mai, werden die Arbeiten voraussichtlich dauern, hat das Bauamt angekündigt. Die Fahrbahn von der Garmischer Autobahn in Richtung Starnberg ist demnach nicht betroffen.

Etwa 50 Meter tief wird diesmal gebohrt; das sind noch einmal 20 Meter mehr als vor vier Jahren. Wegen des inhomogenen Untergrunds seien die Erkenntnisse aus der früheren Bohrung "für die Planung einer langfristig setzungsarmen Gründung des Brückenneubaus nicht aussagekräftig genug", erläutert das Staatliche Bauamt. Nun wollen es die Straßenbauer daher genauer wissen.

Ein Neubau ist deshalb notwendig, weil die alte Brücke immer weiter absackt. Das alte Bauwerk mit vier großen, halbrunden Durchlässen aus Wellstahl für das Wasser der Würm, das dort aus dem Starnberger See in Richtung Norden fließt, wurde 1967 errichtet. Mittlerweile sind die Stahlrohre zum Teil schon bis zu einem halben Meter eingesunken; der verbleibende Querschnitt für das Wasser wird immer kleiner. Die bananenförmige Biegung ist bei einem Blick durch eine der Röhren deutlich zu erkennen. Zudem weist das Metall schon einige stark verrostete Stellen auf. Um das Absacken auszugleichen, musste immer wieder auf der stark frequentierten Fahrbahn nachgebessert werden, so dass die Deckschicht immer dicker und auch schwerer geworden ist.

Daher soll die Brücke neu gebaut werden. Anders als bisher gibt es dann nicht mehr vier einzelne Durchlässe für die Würm; bisher bestand stets die Gefahr, dass sich Äste und Zweige in den Rohren verkeilen, so dass sich das Wasser zurückstaut, was wiederum zu Überschwemmungen führen konnte. Künftig überspannen gut 20 Meter breite Betonplatten den Fluss, so dass darunter ein einziger großer Freiraum bleibt. Die bisher kalkulierten Kosten liegen in einer Größenordnung von 5,5 Millionen Euro brutto. Dabei ist die aufwendige Pfahlgründung teurer als das eigentliche Bauwerk. Etwa 40 Pfähle mit einer Länge von bis zu 45 Metern müssen dazu an beiden Ufern in den Boden gerammt werden. Nur so lässt sich gewährleisten, dass die neue Brücke stabiler ist und sich auch über einen langen Zeitraum hinweg kaum absetzt.

© SZ vom 22.04.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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