Mitmach-Reiseführer Aus der Kinderperspektive

Rosemarie Zacher und Susanna Partsch haben ihren Mitmach-Reiseführer "Komm mit um den Starnberger See" aktualisiert und neu gestaltet

Von Barbara Hordych, Starnberg

Die Münchner Kunsthistorikerin Susanna Partsch und die Gautinger Künstlerin Rosemarie Zacher sind ein eingespieltes Team. Gemeinsam haben sie bereits mehrere erfolgreiche Kunstbücher für Kinder gestaltet - "Der Traum vom Fliegen" zu Leonardo da Vincis berühmten Flugmodellen wurde 2009 sogar für den Deutschen Jugendliteraturpreis und als "Das beste Wissenschaftsbuch des Jahres" (Österreich) nominiert. Gemeinsam erzählen sie im schattigen Hof des Münchner Stadtcafés von ihrem Mitmach-Reiseführer "Komm mit um den Starnberger See". Der erschien vor zehn Jahren im Berger Siegfried Genz Verlag und ist jetzt neu gestaltet im Volk-Verlag herausgekommen. Mit Fotos, Geschichten und Illustrationen zu Ausflügen zum und um den Starnberger See sowie Bastelanleitungen für "Regenwettertage".

SZ: Wie kam es nach zehn Jahren zu der Neugestaltung des Reiseführers?

Rosemarie Zacher: Zunächst einmal ist die damals im Verlag des Berger Unternehmers Siegfried Genz erschienene Auflage längst vergriffen - der Unternehmer hat sich nach Österreich zurückgezogen und den Verlag aufgelöst. Dabei fielen die Rechte zurück an uns.

Susanna Partsch: Weshalb wir uns schon länger dachten, dass es gut wäre, einen neuen Verlag für das Projekt zu finden.

In dem Reiseführer gehen alte Hasen segeln und das Schwein baden.

(Foto: Volk-Verlag)

Zacher: Den hast dann du für uns gefunden, sei nicht so bescheiden! Erzähl ruhig, wie es dazu kam . . .

Partsch: Ich war im vergangenen Dezember bei der Ausstellung unabhängiger Verlage im Literaturhaus. Dort begegnete mir der Verleger Michael Volk, der vor allem Sachbücher zur bayerischen Kultur und Geschichte publiziert. Der interessierte sich sofort für unser Projekt, und dann ging alles ganz untypisch schnell - schon in diesem Juni lag das Buch gedruckt vor.

Zacher: (lacht) Und verkauft sich seitdem "wie geschnitten Brot", wie mir eine Buchhändlerin erzählte.

Wie recherchierten Sie für die Aktualisierung des Erlebnisreiseführers?

Zacher: Indem wir uns einen Tag lang auf unsere Räder setzten und den Starnberger See umrundeten. Mein Mann hat das übrigens partout nicht verstehen wollen, weil er für die Tour doch nur zweieinhalb Stunden braucht.

Partsch: Wir haben halt so lange gebraucht, weil wir an jeder Milchkanne halt gemacht, fotografiert und mit den Leuten geredet haben. Schließlich ist die Bebilderung des Buchs komplett neu. Aber auch die Texte haben sich weiterentwickelt. Beispielsweise ist aus dem etwas verschnarchten Starnberger Heimatmuseum längst das sehr attraktive Museum Starnberger See mit neuem Anbau geworden. Auch das Buchheim-Museum hat sich verändert.

Und der Fisch? Beschwert sich bei seinem Schöpfer, dem Bildhauer Max Wagner, weil er Füße bekommen hat.

(Foto: Ernst Walter)

Nach welchen Kriterien wählten Sie Ihre Motive aus?

Partsch: Wir haben uns bemüht, bei allen Geschichten und Fotos die Kinderperspektive einzunehmen: Was interessiert sie besonders? So kommt es, dass wir von den vielen tollen Villen, die es am Starnberger See gibt, nicht viel erzählen. Denn die beeindrucken eher Erwachsene als Kinder. Stattdessen zeigen wir Bilder von dem historischen, noch erhaltenen Pferdestall aus den Jugendjahren der Kaiserin Elisabeth, in dem Sisi früher tatsächlich ihre Pferde eingestellt hat, der Pächter ließ uns dort netterweise fotografieren.

Zacher: Wir sind beispielsweise auch der Frage nachgegangen, warum die Teiche beim Deixlfurter See Namen tragen wie Johanna, Klemenz, Resi oder Rüdiger. Wir haben ganz schön viele Leute interviewen müssen, um das herauszufinden. Die Antwort steht jetzt in unserem Buch.

Sie haben inzwischen schon mehrere Projekte zusammen realisiert. Wie ergänzen Sie sich bei Ihrer Zusammenarbeit?

Zacher: Susanna kann wunderbar historische Zusammenhänge in ihrem Medium, der Sprache, verständlich machen. Und ich zeige den Kindern, wie man das, was man historisch vorfindet, in meinem Medium begreifen kann - mit den Händen, durch eigenes Tun. Eine Methode, die noch aus meiner eigenen Kindheit kommt. Da besichtigten wir die Residenz. Besonders beeindruckt hat mich damals ein riesiger Leuchter, der von der Decke hing. Kaum war ich Zuhause, habe ich mir einen Leuchter aus Silberpapier gedreht, in den ich eine Kerze hineingesteckt habe. Diesen kreativen Funken will ich mit meinen Regenwetter-Anleitungen zum Selbermachen entzünden.

Partsch: Wir korrigieren uns aber auch gegenseitig. "Das versteht man nicht" sage ich beispielsweise, wenn mir Rosemaries fantasievolle Bastel-Anleitungen für Klappkartenschiffe, Fahrradgalionsfiguren oder Unterwasserlupen zu kompliziert erscheinen. Aber das sagt sie natürlich auch zu mir, wenn sie meine Erklärungen zu historischen Zusammenhängen zu umständlich findet. Dann hilft nur eines: Wir schreiben so lange um, bis die jeweils andere es versteht.

Was gefällt Ihnen an der Neuausgabe besonders?

Partsch: Das Layout ist viel einfallsreicher und ansprechender gestaltet als früher. Die Ausflüge in die Geschichte beispielsweise sind immer mit einer "Schlüsseltapete" unterlegt. Oder es gibt ein Gemälde, das sogar auf einer Doppelseite abgebildet ist. Das zeigt eine Hirschjagd, bei der die Tiere in den See getrieben wurden, damit der Kurfürst sie schießen konnte.

Zacher: Auch die wunderschönen historischen Postkarten vom Starnberger See sind neu, die durften jetzt erstmals veröffentlicht werden.