Amtsgericht Starnberg:Schafe ohne Schatten

Amtsgericht Starnberg: Vor dem Amtsgericht in Starnberg muss sich ein Landwirt verantworten, weil er seine Schafe nicht artgerecht halten soll. Der Angeklagte bestreitet jedoch die Vorwürfe.

Vor dem Amtsgericht in Starnberg muss sich ein Landwirt verantworten, weil er seine Schafe nicht artgerecht halten soll. Der Angeklagte bestreitet jedoch die Vorwürfe.

(Foto: Georgine Treybal)

Ein Landwirt soll seine Herden der prallen Sonne ausgesetzt und damit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben. Ein Amtstierarzt wirft dem 44-jährigen Halter auch die zu hohe Sterbequote unter den Schafen vor.

Von Christian Deussing, Starnberg

Hechelnd, apathisch und ohne Schatten: Etwa hundert ungeschorene Schafe sollen unter der Hitze an einem Julitag im vergangenen Jahr auf den Weiden eines Landwirts im Fünfseenland erheblich gelitten haben. Bei einer zweiten Kontrolle fand der zuständige Starnberger Amtstierarzt nur drei Tage später auf einer anderen Koppel des Bauers 25 Schafe vor, die ebenso über keinen ausreichenden Witterungsschutz verfügten. Wegen nicht artgerechter Haltung und Verstößen gegen das Tierschutzgesetz erhielt der Landwirt daraufhin einen Strafbefehl von einigen Tausend Euro. Doch der beschuldigte Halter der Tiere akzeptierte dies nicht und bestritt die Vorwürfe vor dem Amtsgericht in Starnberg.

Dem 44-Jährigen wurde seitens eines Amtsveterinärs überdies eine auffällig hohe Sterbequote unter den Schafen auf dem Hof vorgehalten. Zudem hätten die Tiere damals mindestens zehn Stunden unter der Hitze gelitten. Gemüsekisten und ein Wasserfass-Wagen seien als spärliche Schattenspender unzureichend gewesen, zumal sich die Schafe laut Anklage unter einem Anhänger an scharfkantigen Metallteilen hätten verletzen können.

Um sich vor der Hitze zu schützen, habe sich ein ausgewachsenes Schaf auf ein anderes gelegt, berichtete der 58-jährige Amtstierarzt im Prozess. So ein Verhalten habe er in seiner gesamten Dienstzeit noch nicht erlebt. Auf den betreffenden Weiden fehle ein notwendiger Witterungsschutz für die Schafe, aber der Landwirt sei leider unbelehrbar. Der Veterinär erwähnte auch, dass die Tiere im April und Juni dieses Jahres erneut schutzlos der Witterung ausgesetzt gewesen seien - das eine Mal bei Nässe und Kälte, das andere Mal erneut bei großer Hitze. Wegen dieser weiteren Vorfälle ermittelt erneut die Staatsanwaltschaft.

"Mit einer Geldstrafe ist den Tieren nicht geholfen", sagt der Amtsveterinär

Der Amtstierarzt berichtete auch von 317 toten Schafen, die seit Februar 2021 in diesem Betrieb registriert worden seien. "An einem Tag sind es sogar 45 Tiere gewesen." In knapp zweieinhalb Jahren habe 76 Mal ein Transporter der Tierkörperbeseitigungsanstalt tote Schafe von dem Hof abgeholt. Bei Herden von insgesamt 800 Schafen - wie in diesem Fall - wären laut des Zeugen für den genannten Zeitraum aber nur etwa 40 verendete Tiere eine normale Quote. Er vermute, dass vor allem der fehlende Wetterschutz mit dieser ungewöhnlich hohen Sterberate zu tun habe. Der Amtsveterinär hat mittlerweile gegen den Landwirt ein unbefristetes Schafhalteverbot beantragt: "Denn mit einer Geldstrafe ist den Tieren nicht geholfen."

Der Landwirt sieht sich hingegen ungerecht behandelt. Seine Schafe hätten nur zwei Stunden auf der Weide keinen Schatten gehabt und überdies einen natürlichen Schutz im nahen Wald und in einem Schilfgürtel gefunden. Das sei für die Herde effizienter und besser als ein Stall auf der Weide, erklärte der Angeklagte. Außerdem hätten der Anhänger und Gemüsekisten den Kamerunschafen zusätzlichen Schatten geboten. Diese Rasse habe auch eine höhere Atemfrequenz, stamme aus Westafrika und sei Hitze gewohnt.

Amtsgericht Starnberg: Kamerunschafe gelten als anspruchslos und widerstandsfähig. Die Rasse stammt aus Westafrika.

Kamerunschafe gelten als anspruchslos und widerstandsfähig. Die Rasse stammt aus Westafrika.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Verteidiger Christian Halm unterstrich diese Einschätzung. Denn Kamerunschafe würden auch bei Temperaturen von bis zu 35 Grad ohne Schatten nicht leiden, betonte der Fachanwalt für Agrarrecht. Er will in dem Verfahren die Vorwürfe entkräften und beantragte, dass ein schafspezifisches veterinärmedizinisches Gutachten einzuholen sei und der Vorgesetzte des Amtstierarztes, der Leiter des Starnberger Veterinäramts, zum Prozess geladen werden solle. Das Gericht und die Staatsanwaltschaft stimmten dem Antrag des Verteidigers zu.

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