Amtsgericht:Mit der Faust zugeschlagen

Amtsgericht: Das Starnberger Amtsgericht hat einen 63-jährigen Mann zu einer Geldstrafe verurteilt.

Das Starnberger Amtsgericht hat einen 63-jährigen Mann zu einer Geldstrafe verurteilt.

(Foto: Georgine Treybal)

Streit mit Ex-Partnerin und deren Söhnen: 63-jähriger Starnberger wegen Körperverletzung und Nachstellung zu Geldstrafe verurteilt.

Von Christian Deussing, Starnberg

Bis zuletzt hatte auch am zweiten Prozesstag der Angeklagte bestritten, den jüngeren Sohn seiner damaligen Partnerin in der Küche ins Gesicht geschlagen und ihn zu Boden gestoßen zu haben. Er habe auch nicht die Familie mit Anrufen und Handy-Nachrichten nach dem Ende seiner Beziehung belästigt und die Frau und deren zwei Söhne der Straftaten bezichtigt. Doch die Staatsanwältin und die Starnberger Amtsrichterin glaubten dem 63-Jährigen nicht, der gegen einen Strafbefehl Einspruch erhoben hatte. Er wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Nachstellung und Verleumdung zu einer Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu 30 Euro, also 4200 Euro, verurteilt.

Im Prozess hatte auch der jüngere Sohn ausgesagt, der an dem Abend der ersten Attacke erst 17 Jahre alt und damit noch minderjährig gewesen war. "Ich hatte mir ein Brot geschmiert, als er mich angetrunken in die Ecke drängte und mir mit der flachen Hand an meine linke Wange schlug", berichtete der heute 23-jährige Lagerarbeiter. In einer ähnlichen Situation habe der Mann ihm sogar mit der Faust aufs Auge geschlagen, "weil ich angeblich sein Handy kaputt gemacht habe".

Zudem warf der 23-Jährige dem Angeklagten vor, ständig bei seiner damaligen Arbeitsstätte angerufen zu haben, manchmal bis zu zehnmal am Tag. "Ich fühlte mich unwohl, und er wusste genau, wann ich arbeite." Der Verteidiger wies die Anschuldigungen aber zurück. Er betonte, dass sein Mandant nur den älteren Bruder erreichen wollte, damit der wie vereinbart die Raten für ein Auto bezahlt. Auch den Vorwurf zur Attacke in der Küche ließ der Anwalt so nicht gelten: Der Sohn habe versucht zu treten, wobei er im Gerangel gestürzt sei.

Der Verteidiger verwies auch darauf, dass der Angeklagte über Jahre hinweg provoziert worden, "ins finanzielle Unglück gestürzt" und im innerfamiliären Streit aus der gemeinsamen Wohnung hinausgeworfen worden sei. Die Aussagen der ehemaligen Partnerin und ihrer Söhne seien nicht glaubwürdig und von "erheblichem Belastungseifer" geprägt. Daher sei ein Freispruch erforderlich, argumentierte der Anwalt. Der angeklagte Starnberger behauptete zudem in seinem Schlusswort, dass der Vater seinen jüngeren Sohn aufgehetzt und zur Strafanzeige aufgefordert habe.

Doch das Gericht blieb von diesen Einwürfen unbeeindruckt. Es hielt den Mann weiterhin für schuldig, weil die Schilderungen der Söhne und ihrer Mutter stimmig und nachvollziehbar gewesen seien.

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