Verkehr in Starnberg130 000 Euro für eine Ampel, die kaum genutzt wird

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Wer auf schnellstem Weg von Starnberg auf den Heiligen Berg, zur Justizvollzugsanstalt Rothenfeld oder nach Herrsching möchte, kommt in Landstetten vorbei. Die Dorfbewohner wünschen sich anstelle des Provisoriums eine fest installierte Ampelanlage.
Wer auf schnellstem Weg von Starnberg auf den Heiligen Berg, zur Justizvollzugsanstalt Rothenfeld oder nach Herrsching möchte, kommt in Landstetten vorbei. Die Dorfbewohner wünschen sich anstelle des Provisoriums eine fest installierte Ampelanlage. (Foto: Franz Xaver Fuchs)
  • Starnberg plant eine 130.000 Euro teure Ampelanlage im Ortsteil Landstetten, die im Testbetrieb nur durchschnittlich sieben Mal täglich genutzt wurde.
  • Polizei und Landratsamt bezweifeln den Nutzen der Ampel, da seit 2010 kein einziger Fußgängerunfall im nur 150 Einwohner zählenden Landstetten passierte.
  • Der Stadtrat beschloss einstimmig die Ampel-Installation für 2026, obwohl das Landratsamt eine finanzielle Beteiligung verweigert.
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Am Rande des nur 150 Einwohner zählenden Ortsteils Landstetten soll eine Ampel gebaut werden, die im Durchschnitt nur sieben Mal am Tag gedrückt wird. Polizei und Landratsamt bezweifeln ihren Nutzen. Der Stadtrat will das Geld dennoch ausgeben.

Von Peter Haacke, Starnberg

Zwischen der Stadt Starnberg und dem Landratsamt Starnberg knirscht es wieder einmal. Und dabei geht es, wie so oft, ums Geld, das beide nicht haben. Anlass für den jüngsten Disput ist die Neuauflage der Debatte um eine Verkehrsampel im Starnberger Ortsteil Landstetten, die zwar nicht allzu oft benötigt wird, gleichwohl aber auch nicht vollkommen nutzlos erscheint. Es ist nicht das erste Mal, dass die Kreisstadt in Hader liegt mit der Kreisbehörde. Insbesondere bei Verkehrsangelegenheiten geraten Stadt und Kreis in schöner Regelmäßigkeit aneinander, wenn es einerseits um Sicherheitsbedürfnisse der schwächsten Verkehrsteilnehmer geht, andererseits um amtliche Vorgaben der Straßenverkehrsordnung.

Der Konflikt in Landstetten, dem letzten Außenposten der Stadt, schwelt nun schon zehn Jahre. Das Dorf liegt abseits der Kreisstraße STA 3, der schnellsten Verbindung zwischen Starnberg und Andechs. In grauer Vorzeit verband die Landstraße einst die beiden wichtigsten Heer- und Handelsstraßen der römischen Kaiserzeit im süddeutschen Raum, die Via Claudia Augusta und die Via Julia. Später zogen dort Heerscharen von Pilgern entlang, um auf dem Heiligen Berg in Andechs Buße zu tun. In frühesten Urkunden wird Landstetten als „Antissteti“ bezeichnet, was so viel wie „Wohnstätte eines Mannes namens Anto“ bedeutet. Später wurde „Anstetten“ daraus. 1790 lebten in Landstetten, so dokumentieren es historische Quellen, in neun Haushalten neun Männer, neun Frauen, 16 Kinder, zehn Knechte und elf Mägde.

Heute sind es knapp 150 Einwohner – und die tun sich zuweilen schwer mit dem Verkehr. Insbesondere Schulkinder müssen zu den verkehrsstarken Zeiten die Kreisstraße queren, um den Bus nach Starnberg zu erreichen. Zwar ist bislang noch nichts Ernsthaftes passiert, der Polizei jedenfalls ist seit Jahren kein einziger Unfall mit Fußgängern in Landstetten bekannt. Doch sicher ist sicher: Bei der letzten Bürgerversammlung wurde wieder einmal der Wunsch nach einer fest installierten Lichtsignalanlage geäußert, die den Verkehr bei Bedarf stoppen soll.

Vor allem Eva Pfister, einst Starnbergs Bürgermeisterin, echauffierte sich erneut über die Haltung des Landratsamtes. Überall in der Stadt entstanden in ihrer Amtszeit Rad- und Zebrastreifen, Aufstellflächen, Fahrbahnverengungen und Wildblumenbeete mit teils fragwürdigem Nutzen. 2015 ließ sie mitten auf der Fahrbahn der Kreisstraße eine Querungsinsel installieren, über die sich die Autofahrer ärgerten. Im Juli 2024 wurde die Schikane wieder abgebaut, stattdessen eine provisorische Ampel hingestellt.

Doch die wurde nur selten genutzt: „Die aktuelle Bedarfsampel weist kaum Nutzerzahlen auf“, teilte das Landratsamt mit. Im zehnmonatigen Testbetrieb wurde die Ampel exakt 2033 Mal betätigt, durchschnittlich also sechs bis sieben Mal pro Tag. Und selbst an diesen Zahlen bestehen Zweifel: Eine Anwohnerin habe sich bei der Polizei beschwert, weil Kinder die Drücker sinnfrei betätigten, berichtet Oliver Jauch, Verkehrsexperte der Starnberger Polizei. Kurzum: Die meiste Zeit ist die stundenlang auf „Grün“ gestellte Signalanlage ziemlich nutzlos.

Die Querungsinsel ist verschwunden, stattdessen regelt am Rand von Landstetten ein Provisorium den Verkehr auf der Kreisstraße 3 .
Die Querungsinsel ist verschwunden, stattdessen regelt am Rand von Landstetten ein Provisorium den Verkehr auf der Kreisstraße 3 . (Foto: Franz Xaver Fuchs)

Gleichwohl steht eine dauerhaft installierte Ampel weiterhin ganz oben auf dem Wunschzettel der Landstettener. Und die hat ihren Preis: Gemäß Schätzung der Stadtverwaltung kostet allein die Anlage 55 000 Euro, 10 000 Euro wären für Planung und Ausschreibung fällig, weitere 10 000 für Planung und Bau sowie 55 000 Euro „Ablösekosten für die dauerhafte Unterhaltung der Anlage durch den Landkreis“. Macht insgesamt 130 000 Euro. Bis dahin müsste das Provisorium bestehen bleiben – für rund 24 000 Euro pro Jahr. Alternative wäre eine Querungshilfe, die stolze 60 000 Euro kosten würde.

Die Polizei indes hält wenig bis gar nichts von den Plänen. Seit 2010 hat sich kein einziger Unfall mit Fußgängerbeteiligung in Landstetten ergeben, berichtet Jauch, ältere Daten liegen nicht vor. In 24 Stunden befahren durchschnittlich 4150 Fahrzeuge die STA 3, knapp 400 in Hauptverkehrszeiten. Für eine Bedarfsampel müssten mindestens 50 Fußgängerquerungen in den Spitzenstunden nachgewiesen werden, doch „diese Zahlen sind bei Weitem nicht erreicht“, sagt Jauch. Wie viele Kinder die Straße queren, ist unbekannt. Auch von Zebrastreifen („Scheinsicherheit“), Tempo 30 („keine Begründung“) oder Blitzer („Abzocke“) hält Jauch nichts. Die meiste Sicherheit biete bestenfalls eine Querungsinsel, allerdings hätten Fußgänger damit keinen Vorrang.

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Aus gutem Grund verweigert daher das Landratsamt bislang standhaft eine finanzielle Beteiligung, stellt es der Stadt aber frei, auf eigene Kosten Querungsinsel oder Ampel zu installieren. „Das war so im Vorfeld besprochen“, teilt Behördensprecher Stefan Diebl mit. Aus Sicht der Verkehrsbehörden wäre eine Querungshilfe völlig ausreichend, der Durchfahrtsverkehr werde verlangsamt. Starnbergs Stadträte sehen das anders, am Ende fiel einstimmig der Beschluss: Der Bauausschuss hält allein eine dauerhafte Lichtsignalanlage in Landstetten für sinnvoll, bis dahin bleibt das Provisorium im Einsatz.

Die Kosten dafür sollen in den Haushalt 2026 aufgenommen werden, die Stadtverwaltung soll alle weiteren Vereinbarungen treffen. Im Idealfall soll auf den wenigen hundert Metern entlang der Ortschaft – so ein weiterer Vorschlag – sogar Tempo 30 gelten, weil die Querung der Straße als „amtlicher Schulweg“ gilt. Das Landratsamt aber hat schon vorab klargestellt: Die Straßenverkehrsordnung ermöglicht Tempo 30 nur in eng begrenzten Ausnahmefällen, etwa bei Unfallschwerpunkten. Und fraglich ist auch, ob die Ampel die anstehenden Haushaltsberatungen überstehen wird.

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