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Starnberg:270 Euro mehr - ein entscheidender Unterschied

Kitas in MV

Gerade in Kindergärten ist es schwierig, Fachpersonal zu finden. Wer eine Zusatz-Prämie bezahlen kann ist hier im Vorteil.

(Foto: Danny Gohlke/dpa)

Ob Behörden und Sozialverbände ihren Mitarbeitern die München-Zulage zahlen, ist unterschiedlich geregelt. Der Landkreis überlegt nun eine Kostenübernahme

Von Michael Berzl, Starnberg

Die Franziskus-Schule und die Fünfseen-Schule in Starnberg befinden sich direkt nebeneinander in einem Gebäudekomplex. Zwei Hausmeister sind dort beschäftigt, die fast die gleiche Arbeit haben und sich gelegentlich gegenseitig vertreten. Aber bezahlt werden sie unterschiedlich: Der eine bekommt die sogenannte München-Zulage und damit 270 Euro mehr. Einer ist bei der Lebenshilfe angestellt, der andere beim Landkreis. Dieses Beispiel für die finanzielle Schieflage schilderte Edith Dieterle, die Geschäftsführerin der Lebenshilfe dem Jugendhilfeausschuss. Die Stadt Starnberg, Gemeinden und das Landratsamt zum Beispiel bezahlen diese Zulage schon an ihre Mitarbeiter, die Lebenshilfe bislang aber noch nicht. Diese Schieflage macht sich nicht nur auf dem Konto von Angestellten bemerkbar, sondern verschafft dem einen Arbeitgeber Vorteile und dem anderen eben Nachteile bei der Suche nach Personal. Bewerber erkundigten sich schon am Telefon, ob die Zulage bezahlt wird oder nicht, erzählte Dieterle. "Ich brauche die 270 Euro als Türöffner." In Bereichen wie Kindergärten, wo es ohnehin schon schwierig ist, Personal zu finden, macht sich das besonders stark bemerkbar. "Hier herrscht schlicht eine Konkurrenzsituation am Markt", sagte Landrat Stefan Frey (CSU) in der Ausschusssitzung am Dienstag. Und Martina Schweiger, pädagogische Fachberaterin beim Roten Kreuz in Starnberg, warnte: "Es wird noch schlimmer werden. Wenn wir keine Fachkräfte bekommen, werden wir irgendwann unsere Einrichtungen nicht mehr offen halten können." Nun erwägt der Landkreis, hier einen Ausgleich zu schaffen und Trägern der freien Wohlfahrtspflege per Zuschuss die Ausgaben für die Großraumzulage zu erstatten. Das Procedere muss erst noch geklärt werden, eine Pauschallösung wird es wohl nicht geben. "Wir werden uns in Einzelverhandlungen mit den Trägern begeben müssen", sagte Frey.

Mit angestoßen hatte die Debatte die Lebenshilfe, die die Zulage vom Dezember an bezahlen will und dafür eine Refinanzierung aus öffentlichen Mitteln bräuchte. Der Betreiber von Kindergärten, Schulen und Wohnheimen ist als gemeinnützige GmbH organisiert, hat nach eigenen Angaben 300 Mitarbeiter und betreut etwa 900 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in 17 Einrichtungen im Landkreis Starnberg. Auch der Suchthilfe-Verein Condrobs hofft auf Unterstützung. Das Landratsamt rechnet damit, dass noch weitere Träger entsprechende Anträge stellen werden.

Im Jugendhilfeausschuss hat die Debatte erst begonnen, im Oktober befassen sich der Kreisausschuss und der gesamte Kreistag mit dem Thema, um schließlich zu einer Grundsatzentscheidung zu kommen. Welche Kosten auf den Kreistag zukommen, sollte er die Zulagen refinanzieren, lässt sich nicht genau beziffern. Es gibt lediglich eine Schätzung, wonach sich die Mehraufwendungen auf bis zu 150 000 Euro pro Jahr belaufen könnten. Leicht fallen werden dem Kreiskämmerer solche zusätzlichen Ausgaben nicht. So heißt es in den Erläuterungen für die Kreisräte, es handle sich um eine rein freiwillige Leistung, und die "aktuell schwierige Finanzlage" des Landkreises sei zu bedenken. Außerdem könnten sich Auswirkungen auf die Gemeinden ergeben, die beispielsweise an der Finanzierung der Kosten von Kindergartenträgern beteiligt sind. Wenn sich der Landkreis dazu entscheide, die Umlage zu erstatten, könne das Kommunen in "Zugzwang" bringen.

© SZ vom 01.10.2020

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