Meteorologisch gesehen war 2022 ein Frühjahr der Extreme: Der März fiel im Alpenvorland so trocken aus, wie schon lange nicht mehr; auch der April brachte relativ wenig Wasser. Doch dann folgte ein Mai mit heftigen Unwettern und Starkregen, der um 22 Prozent mehr Niederschläge brachte als im langjährigen Monatsmittel. Den Daten des meteorologischen Observatoriums Hohenpeißenberg zufolge blieb unter dem Strich dennoch ein Wasserdefizit: Mit 245 Litern pro Quadratmeter (rechnerisch also Millimeter) fielen nur 85 Prozent des für die Monate März bis Mai statistisch zu erwartenden Niederschlags.
Für die Vegetation kommt erschwerend hinzu, dass sie bei schlagartigen Regenfällen kaum im Stande ist, den vorhergehenden Trockenstress zu kompensieren. Wenn Böden ausgetrocknet sind, fließen die Wassermassen vor allem oberflächlich ab, lassen Bäche und Flüsse anschwellen und ausufern. So war es auch am 5. Mai, als sich 25 Kilometer südwestlich des Fünfseenlandes die Wolken in Sturzfluten entluden: In Saulgrub und Bad Bayersoien fielen in nur zwei Stunden 108 Millimeter Niederschlag, mehr als in einem durchschnittlichen Monat. Auf dem Hohen Peißenberg belief sich die Tagessumme am 5. Mai auf 43 Millimeter, in Rothenfeld waren es vom 4. bis 6. Mai immerhin noch 50 Millimeter.
Der letzte Frühlingsmonat war nicht nur nässer als üblich, sondern auch viel zu warm: Die Durchschnittstemperatur auf dem Hohen Peißenberg lag mit 13,2 um 3,6 Grad über dem langjährigen Mittel. Am 20. Mai wurden am Observatorium 29 Grad gemessen, der höchste Wert, der seit Beginn der Aufzeichnungen 1781 jemals im Mai auf dem Berg registriert wurde. In Rothenfeld stieg das Quecksilber sogar auf 30,5 Grad - ein Hitzetag im meteorologischen Sinn, der im Mai im Alpenvorland höchst selten auftritt.
Für den gesamten Frühling ermittelte der Deutsche Wetterdienst auf dem Hohen Peißenberg eine Durchschnittstemperatur von 7,9 Grad, 2,5 Grad mehr als im Mittel der Jahre 1961 bis 1990. Das überwiegend freundliche Wetter der vergangenen drei Monate lässt sich auch an der Sonnenscheinbilanz ablesen: Mit 682 Stunden wurde die zu erwartenden Dauer um 42 Prozent übertroffen.