Standortdebatte Kritik an Seefelder Bürgermeister

Bürgerinitiative wirft Wolfram Gum "Horrorszenario" in Sachen Klinik-Neubau vor

Von Christine Setzwein, Seefeld

Sie können einfach nicht miteinander, der Seefelder Bürgermeister Wolfram Gum und die Bürgerinitiative Eichenallee (BI). Anlass für neuen Streit ist die Ankündigung Gums auf der Seefelder Bürgerversammlung, dass nach dem Neubau der Klinik in der Ortsmitte der Altbau abgerissen werde. Das hat die Zuhörer überrascht und die BI auf den Plan gerufen.

Gum habe ein "wahres Horrorszenario für die Bauphase" entworfen, heißt es in einer Pressemitteilung der BI. Die Anlieger der Baustelle würden drei Jahre lang mit "Lärm und Dreck von tausenden Lkw" belästigt. Sowohl in der Jahreshauptversammlung des "Freundeskreises Krankenhaus Seefeld" wie auch in der Bürgerversammlung hatte Gum anklingen lassen, wer dafür verantwortlich sei: die BI, die den Klinikstandort gegenüber dem Technologiepark verhindert habe. Den Gum immer noch für den besten hält.

Die BI will sich den Schwarzen Peter nicht zuschieben lassen und erinnert daran, dass es der Regionale Planungsverband war, der den Standort im regionalen Grünzug nicht genehmigen wollte und die Gemeinde daraufhin ihren Antrag auf Herausnahme zurückzog. Gum wiegle die Bürger auf, sagte BI-Sprecher Ortwin Gentz am Donnerstag. "Im Interesse eines friedlichen Ortsklimas hätten wir uns gewünscht, bei den Bürgern um Verständnis für die zeitlich begrenzten Bauarbeiten zu werben und die Vorzüge eines modernen Krankenhauses im Ort hervorzuheben." Der Bürgermeister habe mit seinem Vorpreschen ohne konkrete Pläne einen Schatten auf den kommenden Bürgerbeteiligungsprozess geworfen.

Was die BI vor allem enttäusche, sei, dass die Kommune der Starnberger Klinikholding das gemeindeeigene Grundstück neben der Klinik nur für die Baustelleneinrichtung angeboten habe, nicht für den Bau selbst. Dann müsste, so Gentz, der Neubau nicht so nah an den Altbau rücken. Das mehr als 140 Jahre alte, ortsbildprägende Gebäude könnte so gerettet werden. "Die Seefelder identifizieren sich damit", sagt Gentz. "Ich sehe ein, dass das alte Gebäude für einen modernen Klinikbetrieb nicht geeignet ist." Aber für bezahlbare Wohnungen für Pflegepersonal. Sogar als Rathaus könnte die BI sich das historische Anwesen vorstellen. "Angesichts knapper Kassen sicher eine ökonomische Lösung." Im hinteren Teil des Klinik-Grundstücks soll, soweit bekannt ist, ein Neubau errichtet werden. Anschließend soll der komplette Bestandsbau abgerissen werden und dort eine Tiefgarage und darüber ein Besucherparkplatz entstehen.

Die Leute scheu zu machen, ohne dass jemand die Pläne genau kenne, hält die BI für die schlechteste Lösung. Nötig sei eine transparente Planung und Ideensammlung mit breiter Bürgerbeteiligung sowie eine kreativere Herangehensweise bei der Planung unter Einbeziehung des neben der Klinik befindlichen Gemeindegrundstücks. Bevor der Bauantrag für den Klinikneubau eingereicht wird, müsse auf alle Fälle die breite Öffentlichkeit informiert werden, fordert Ortwin Gentz. Dazu sei Gum offensichtlich bereit, wie ein Gespräch am Montag im Rathaus ergeben habe.