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Stand-up-Paddling:"Ein Rennen gewinnt man nur gegen sich selbst"

Sechsmal hat Sonni Hönscheid die Welttour und dreimal die WM auf dem offenen Meer gewonnen. Die 38-Jährige paddelt seit 2008.

(Foto: Andy Klotz/Fotobyklotzi/oh)

Sonni Hönscheid ist Profi-Stehpaddlerin. Normalerweise fährt sie durch meterhohe Wellen zwischen Haien übers offene Meer, aber auch auf dem Starnberger See paddelt sie gern.

Majestätisch liegt der See da, das Wasser ruhig und nicht vom Wind zerzaust, im Dunst die Benediktenwand und die schneebedeckte Alpspitze. Das einzige Geräusch hier, mitten im See, ist das Plätschern des Wassers, wenn der Bug des Stehpaddelbretts das Wasser zerteilt. "Es ist wirklich einmalig schön hier am Starnberger See, total idyllisch", sagt Sonja Hönscheid, die aber von allen nur Sonni genannt wird. Die athletische Frau paddelt mit ruhigen, aber kraftvollen Schlägen dem Buchheim Museum am Westufer des Sees entgegen, gestartet war Sonni eine halbe Stunde zuvor auf dem gegenüberliegenden Ufer bei Seeheim.

Für Hönscheid muss die gut drei Kilometer lange Tour über den See wie ein Spaziergang gewesen sein, denn normalerweise paddelt sie in ganz anderen Revieren. Die 38-Jährige ist mehrfache Weltmeisterin im Stand-Up-Paddling (SUP), beim "Molokai to Oahu"-Rennen etwa hat sie die 51 Kilometer übers offene Meer von einer hawaiianischen Insel zu einer anderen in knapp fünf Stunden zurückgelegt. "Nicht die Haie, die uns begleitet haben, waren das gefährlichste, sondern die meterhohen Wellen und die starke Strömung", sagt Sonni, die - wenn sie nicht irgendwo auf der Welt eine Regatta fährt - zwischen Sylt, ihrer Heimatinsel, und Fuerteventura pendelt.

Luftbilder des Fünfseenlands

Die Karibik am Starnberger See

Heute ist sie mit Carsten Kurmis für ihren Board-Hersteller auf Tour, organisiert hat das Event Eliane Droemer aus Tutzing, die im Starnberger Seebad die Stehpaddelschule betreibt. Beide gehören zu den Pionieren dieses Sports im Fünfseenland und weit darüber hinaus. Kurmis wohnt in Leutstetten nahe der Würm und kann mit seinem Board von zu Hause aus zu einer Tour starten - aber erst nach dem 1. Juli, wenn das Befahrungsverbot auf der Würm endet. "Ich war aber auch im Winter hier unterwegs, von Leutstetten bis zur Rambeck-Werft. Es war herrlich, die verschneiten Bäume am Ufer zu sehen, und dann diese wundervolle Ruhe", schwärmt Kurmis, der auch zu den Eisbach-Surfern der ersten Stunde in München zählt. Darüber hinaus ist er Pionier des Wildwasser-SUP, er paddelt mit dem Board also nicht nur auf stehenden Gewässern, sondern mit Vorliebe im Wildwasser, wo sich sonst nur Kanuten und Kajakfahrer hineintrauen. Auch er hat einen Titel vorzuweisen: Deutscher Meister in der Disziplin Sprint.

Sonni Hönscheid hat indes noch mehr Titel gesammelt: Sie holte sich im vergangenen Jahr den sechsten Weltmeistertitel als Gesamtsiegerin der SUP-Rennserie "Paddle League World Tour 2018". "Das ist die Formel 1 des SUP-Sports", erklärt Eliane Droemer. Außerdem ist Sonni dreifache Weltmeisterin im Open Ocean Crossing. Das Spiel mit Wasser, Wind und Wellen ist ihr quasi in die Wiege gelegt worden. Ihr Vater war der erste deutsche Windsurfprofi, sie selbst hat mit elf Jahren das Windsurfen angefangen, mit 16 das Wellenreiten. 2008 war es, als sie auf Fuerteventura erstmals Stehpaddler sah. "Mein Vater hat uns dann selbst gleich zwei Boards gebaut", erinnert sie sich. "Wir dachten zuerst, dass SUP etwas für die Welle ist, haben dann aber schnell gemerkt, dass es im flachen Wasser viel mehr Spaß macht." Warum das? "Weil man nicht wie beim Wellenreiten von einer Jury bewertet wird, sondern mit eigener Kraft und eigenem Geschick ein Rennen gewinnen muss. Ein Rennen gewinnt man nur gegen sich selbst."

Knapp eine halbe Stunde braucht die Gruppe um Weltmeisterin Sonni Hönscheid für die drei Kilometer von Münsing nach Bernried.

(Foto: Andy Klotz/Fotobyklotzi)

Ab 800 Euro gibt es ein SUP

So ambitioniert sind die meisten SUP-Fahrer nicht, die sich zuhauf bei schönem Wetter auf dem Starnberger und Ammersee tummeln. Ihnen geht es um das Freizeitvergnügen, Stehpaddeln war bis vor fünf, sechs Jahren ein Hobby, das einer Minderheit vorbehalten war. Jetzt scheint es sich zu einer Massensportart entwickelt zu haben. "Und der Höhepunkt ist noch nicht erreicht", ist Florian Brunner vom Hersteller Starboard überzeugt. Etwa 80 000 SUP-Boards seien im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft worden, schätzt er, genauere Zahlen gibt es nicht. 90 Prozent davon waren sogenannte Inflatables, also aufblasbare Boards. "Jetzt geht der Trend aber zu Hardboards", erklärt er, deren Vorteil Stabilität und Schnelligkeit sind, während aufblasbare Boards leicht zu transportieren und aufzubewahren sind. Gute, harte Boards, die einen Kern aus einer Art Styropor haben, gibt es ab 1200 Euro, die aufblasbaren Varianten kosten, wenn man von Angeboten von Discountern und Baumärkten absieht, rund 800 Euro.

Mittlerweile sind Kurmis und Hönscheid am Ufer vor Bernried angelangt. "Eine Wahnsinnsstimmung", schwärmt Hönscheid. "Heute ist ein richtiger Erholungstag für mich." Sie war schon einmal am Starnberger See, im Januar, bei Wind und Kälte, bei einem Fotoshooting. "Auch das war eine tolle Stimmung", erinnert sich Sonni. Lokalmatador Kurmis denkt indes schon weiter. Er wird heuer bei diversen Rennserien starten, wie kürzlich über 17 Kilometer Open Ocean Race vor Alicante. "Da war es superheiß und es hatte Gegenwind, das war schon anspruchsvoll", sagt der Starnberger. Und er trainiert natürlich für die Deutsche Meisterschaft, die im September in Frankreich ausgetragen wird. Sein Ziel: "Mindestens der zweite Platz, denn das ist das Ticket zur Weltmeisterschaft." An drei WMs hat Kurmis bereits teilgenommen. Dem Blondschopf sieht man seine 51 Jahre wirklich nicht an.

Und was macht ein SUP-Profi eigentlich im Winter? Wird das Board im Keller verstaut? Kurmis lacht und sagt: "Damit bin ich auch schon die Skipiste am Brauneck hinuntergefahren. Man muss nur die Finne abmontieren, sich bäuchlings drauflegen - und wissen, wie man das Ding dann steuert. Das ist nicht ganz einfach."

Breites Board, wenig Wind

Sonni Hönscheid weiß, worauf es beim Stehpaddeln ankommt. Das Wichtigste ist das richtige Board. Es sollte eher groß und eher breit sein, denn es gilt die Regel: Je schmäler, desto schneller, aber auch desto kippeliger ist ein SUP-Board. Dann sollte man als Novize unbedingt auf gute Bedingungen achten, also kein starker Wellengang oder gar starker Wind, gegen den man dann meist auf dem Rückweg anpaddeln muss. "Man sollte gleich von Anfang an die richtige Technik lernen", sagt die Weltmeisterin. Und am besten zu zweit aufs Wasser gehen. All dies lerne man in Kursen bei ausgebildeten SUP-Instruktoren. Dazu kommen Hinweise auf Besonderheiten wie Schutzgebiete und Areale, für die aus anderen Gründen ein Befahrungsverbot gilt. Am Starnberger See etwa ist Wassersport von November bis März in vielen Bereichen tabu. Stehpaddeln sei ein Sport, den man sowohl als Kind, aber auch bis ins hohe Alter ausüben könne, erklärt Hönscheid. Die älteste Trainerin im Team von Eliane Droemer ist der lebende Beweis dafür. Die Dame ist über 80. of