bedeckt München 17°
vgwortpixel

Stadtführung:So klingt Starnberg

VHS-Kursleiterin Alexandra Hessler (links) spielt an der Starnberger Seepromenade ein Hörstück ab.

(Foto: Arlet Ulfers)

Armleuchteralgen im See, Eisenbahn und Wellenbad: Schulklassen und Laien erarbeiten in Kursen der Volkshochschule Audio-Beiträg über Starnberg

Als "Armleuchter" wird ein einfältiger, geistig unterbelichteter Mensch bezeichnet. Doch die sogenannte Armleuchteralge im Starnberger See ist ganz und gar nicht unterbelichtet. Das filigrane, etwa 40 Zentimeter hohe Gewächs ist ein wichtiger Laichplatz für Fische. Der unter der Leitung von Nicola Gorkenant verfasste Bericht zur Armleuchteralge ist einer von derzeit sieben Beiträgen über Starnberg und den Starnberger See, die im Volkshochschulkurs "Hörpfad Starnberg" erarbeitet worden sind. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Volkshochschulen in Bayern am Freitag wurden während eines Rundgangs durch die Kreisstadt erste Hörstücke vorgestellt. Weitere Themen sollen laut VHS-Leiterin Christine Loibl folgen. Auch ein inklusiver Lehrpfad ist in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Benediktbeuern und der Lebenshilfe Starnberg geplant.

Wie Kursleiterin Alexandra Hessler betonte, ist das Besondere an den Hörpfaden, dass sie von Laien produziert wurden. Das Projekt wird vor Ort von der Stadt Starnberg und bayernweit vom Bayerischen Rundfunk sowie der Stiftung "Zuhören" unterstützt. Journalisten des Bayerischen Rundfunks schulen die Kursleiter darin, wie man beispielsweise Reportagen produziert, Bauwerke beschreibt oder Naturgeräusche aufnimmt. In den Kursen lernen die Teilnehmer den Umgang mit dem Mikrofon, wie man kurzweilige Texte spricht oder wie man Audiodateien am Laptop bearbeitet. Es gehe um die Frage, wie man einen Beitrag aufziehen soll, damit er spannend und unterhaltend werde, erklärt Hessler.

Bei Bilderbuchwetter mit Blick über den Starnberger See und die Segelschiffe bis hin zu den Alpen stehen die Rundgang-Teilnehmer an der Seepromenade. Hessler hat die Hörpfade auf ihr Handy heruntergeladen und spielt sie über Lautsprecher ab. Einige Starnberger hatten bis dahin noch nichts von der Armleuchteralge gehört. Auch die Villa Hackländer in Berg, von der ein Beitrag handelt, ist vielen unbekannt. Spannend erzählt sind die Informationen zum Bahnhof See. Unter dem Motto "Endstation Starnberg" haben die Viertklässler der Grundschule Percha zusammen mit ihrer Lehrerin die Geschichte zur Gründung der Starnberger Eisenbahn durch Johann Ulrich Himbsel kindgerecht aufbereitet. Auch den Beitrag zum Wellenbad "Undosa" hat die Klasse 4a erarbeitet. "Ein tolles Projekt, das man mit Kindern machen kann", erklärt dazu Hessler. Eine Kursteilnehmerin bedauert, dass die Arbeit manchmal mühsam sei, weil man sich immer wieder neu in das jeweilige Thema hineinfinden müsse. Andere indes sind mit den Aufgaben gewachsen und haben so viel Spaß an dem Projekt gefunden, dass sie mehrere Kurse hintereinander gebucht haben.

Die Kurse mit fünf bis sechs Teilnehmern werden seit 2017 in der VHS Starnberger See angeboten. Der Starnberger Seniorentreff hat sich ebenfalls beteiligt. Leiter Helmut Kilian ist auf die VHS zugekommen und hatte einen Beitrag zum Ilse-Kubaschewski-Haus vorgeschlagen. Kurzweilig und untermalt von Filmmusik berichten die Senioren unter der Leitung von Ulrike Roder und Patricia Rex über die Filmproduzentin Ilse Kubaschewski, die 50 Jahre in Starnberg lebte, und wie es zum Bau des Gebäudes kam, in dem sich heute fröhliche Seniorengruppen und Menschen mit Demenz einträchtig unter einem Dach treffen. Sie lassen Zeitzeugen berichten, wie etwa den ehemaligen Chefarzt des Starnberger Klinikums, Professor Helmut Lydtin, der der Hausarzt der Heimatfilm-Produzentin war. Der Hörpfadbeitrag zum Ilse-Kubaschewski-Haus ist der längste im Programm, normalerweise dauern die Informationen zu den einzelnen Stationen etwa drei Minuten.

Die Themen des Starnberger Hörpfades können ab sofort als Audioguide unter www.klingende-landkarte.de abgerufen werden.