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Staatsanwaltschaft:Anklage nach Dreifachmord

Aus dieser Walther, Kaliber 6,35, soll am Tatort geschossen worden sein.

(Foto: Kripo)

20-Jähriger soll eine Starnberger Familie getötet und mit einem Komplizen aus dem Haus Waffen gestohlen haben

Von Christian Deussing

Erst sah alles so aus, als habe der Sohn seine Eltern und dann sich selbst getötet. Jetzt erhebt die Staatsanwaltschaft Mordanklage gegen zwei Freunde des jungen Starnbergers. Fast 14 Monate nach dem Verbrechen in einem Starnberger Einfamilienhaus sollen sich ein 20-jähriger Olchinger und ein 19 Jahre alter Starnberger vor der Jugendkammer des Landgerichts München II verantworten. Die Staatsanwaltschaft München II wirft beiden Mord, besonders schweren Raub sowie Verstöße gegen das Kriegswaffenkontroll- und das Waffengesetz vor. Die jungen Männer waren am 23. Januar 2020 in der Wohnung des Olchingers verhaftet worden.

Dem 20-Jährigen wird vorgeworfen, in der Nacht zum 11. Januar 2020 seinen 21-jährigen Freund und dann dessen Eltern erschossen zu haben. Danach soll er den Tatort so verändert haben, dass es den Anschein hatte, dass der Sohn seine 60-jährige Mutter und den 64 Jahre alten Vater erschossen und dann Suizid begangen habe. Dem 19-Jährigen wird zur Last gelegt, den Mord mitgeplant, in der Nähe des Tatorts gewartet und dort den Komplizen abgeholt zu haben. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Angeschuldigten gemeinsam aus dem Anwesen auch mehrere voll- und halbautomatische Schuss- sowie Kriegswaffen entwendet und zur Wohnung des Olchingers gebracht haben.

Knapp zwei Wochen nach der Tat war es zur überraschenden Wende gekommen, der die Region abermals erschütterte. Denn nach Hinweisen aus dem Umfeld des Lehrbetriebs des toten Sohnes, der Büchsenmacher werden wollte, geriet dessen Olchinger Freund unter Verdacht, illegale Waffen und Munition aufzubewahren. Bei einer Durchsuchung entdeckte die Kripo in dessen Dachgeschosswohnung ein Arsenal von Waffen und Stoffen, mit denen man Sprengstoff herstellen könnte. Den Ermittlern soll er damals gestanden haben, den dreifachen Mord in Starnberg begangen und vom Tatort ein Handy-Video gedreht zu haben. Die rekonstruierten Bilder und detaillierte Schilderungen hätten dieses Eingeständnis belegt, erklärte die Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz im Januar 2020.

Der Anklage zufolge sollen die jungen Männer einen Tag vor ihrer Festnahme einen bewaffneten Raubüberfall auf einen Supermarkt in Emmering ausgeübt und 1640 Euro erbeutet haben. Zudem soll der Olchinger bereits am 26. November 2019 einen Discounter in seinem Wohnort mit 4500 Euro Beute überfallen haben. Der Prozess wird vermutlich im Herbst beginnen. Bislang schwiegen die Inhaftierten, heißt es.

© SZ vom 27.02.2021
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