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Sportangebot in Tutzing:Neunkampf aus dem Reich der Mitte

Thomas und Andrea Braungart unterrichten seit zehn Jahren Pa-Kua. Neun verschiedene Disziplinen gehören zu dieser alten chinesischen Ausbildung.

Es sind geschmeidige Bewegungen, mit denen sich Thomas Braungart über die Matte bewegt. Sie vermitteln aber auch, dass er durchaus über Kraft, Koordination und vermutlich auch über eine gesunde Portion Härte verfügt, wenn es denn einmal nötig sein sollte. Sein weißes Trainingsgewand wird von einem schwarzen Gürtel zusammengehalten, was Braungart als "Meister" ausweist. Auf dem Gürtel sind neun Aufnäher zu finden, die symbolisieren, in welchen Disziplinen der Tutzinger nach jahrelanger Ausbildung und hartem Training den schwarzen Gürtel - und diesen sogar im sogenannten dritten Grad - erreicht hat. Pa-Kua heißt dieser - wenn man das so sagen darf - chinesische Mehrkampf, wobei es sich laut Braungart um "chinesisches Wissen" handelt, das 5000 Jahre alt ist. Er führt mit seiner Frau Andrea eine Pa-Kua-Schule in Tutzing, die vor kurzem in die viel größeren Räume des früheren Haushaltswarengeschäfts Himmel an der Hauptstraße 59 umgezogen ist.

Tutzing: Kampfsportschule Pakua

Konzentration ist wichtig im Kampf.

(Foto: Nila Thiel)

Zu den Disziplinen gehören Bogenschießen, Schwertkunst, Kampfkunst, aber auch eine Art Tai-Chi , Yoga, Kosmodynamik, eine Meditation in Bewegung, oder das Training von rhythmischen Bewegungsabläufen. "Pa-Kua bildet die Gesetzmäßigkeiten des Lebens ab, das ja häufig in Kreisen oder Ellipsen verläuft", sagt Thomas Braungart dazu. Außerdem fuße Pa-Kua auf dem Konzept von Yin und Yang, auch die fünf Elemente der traditionellen chinesischen Medizin gehörten dazu. Neun Disziplinen also gehören unter das Dach von Pa-Kua. "Bei den Kampfkünsten kommt es überhaupt nicht auf Aggressivität oder Gewinnenwollen an", erklärt Braungart. Vielmehr fördere etwa die Schwertkunst die Konzentration, Koordination und die Überwindung von Ängsten. Um Spaß, Fitness und Muskelaufbau geht es in der Akrobatik, während Entspannung, Beweglichkeit und Flexibilität beim Tai-Chi, dem Yoga und der Reflexologie, einer Massagetechnik, im Fokus stehen.

Tutzing: Kampfsportschule Pakua

Wer jahrelang trainiert, kann es bis zum schwarzen Gürtel bringen. Die Aufnäher zeigen, in welchen Disziplinen die Meisterschaft erreicht worden ist.

(Foto: Nila Thiel)

In Berührung mit Pa-Kua gekommen ist Thomas Braungart über einen Bekannten, der ihn mal mitnahm zum Training. "Das lief dann anfangs so nebenbei", erinnert sich Braungart, irgendwann stand die Entscheidung an, richtig zu trainieren oder gar nicht. Braungart blieb dran und verbesserte sich in immer mehr Disziplinen, seine Frau Andrea entschloss sich trotz anfänglicher Bedenken, mit ihrem Mann gemeinsam zum Training zu gehen. "Wenn man schon zusammen einen Betrieb führt, dann auch noch einen gemeinsamen Sport - aber es hat gut funktioniert", sagt Andrea Braungart. Und im Jahr 2010 fiel der Entschluss, selbst Kurse zu geben, neben der eigenen Schreinerei, die von den beiden weitergeführt wurde. "Wir mussten uns dann 2013 aber entscheiden, was wir machen wollen, weil beides richtig und engagiert zu betreiben, einfach nicht mehr möglich war", erinnert sich Braungart. Sie gingen das Risiko ein und verkauften die Schreinerei - die es inzwischen nicht mehr gibt. 2012 gründeten die Braungarts ihre Pa-Kua-Schule, an der Hauptstraße 35 in Tutzing. "Mit 18 Schülern haben wir angefangen", sagt Thomas Braungart, doch deren Zahl wuchs Jahr für Jahr stetig. Es kamen nicht nur Kinder - "sinnvoll ist Pa-Kua so ab ungefähr fünf Jahren", so Andrea Braungart -, sondern auch Erwachsene, die einen Ausgleich zum stressigen Berufsleben suchten, und Senioren, die einfach fit bleiben wollen. Der älteste Schüler ist 84 Jahre alt.

Tutzing: Kampfsportschule Pakua

Auf der Suche nach Balance: Pa-Kua soll Konzentration und Koordination fördern.

(Foto: Nila Thiel)

"Wir drücken niemandem ein Schwert in die Hand und sagen: Auf geht's", sagt Thomas Braungart. Bevor jemand auf die Matte im nunmehr 300 Quadratmeter großen Studio darf, erfolgt ein ausführliches Beratungsgespräch, was die Motivation des jeweiligen Neulings ist. Erst dann klärt sich, von welchem "Fenster" aus, wie Andrea Braungart sagt, sich der Novize dem Pa-Kua nähert: "Es muss ja nicht gleich Akrobatik mit einem Handstand sein." Zwei Mal in der Woche sollte man sich dem Pa-Kua widmen. Ein Kurs pro Woche kostet im Monat für Erwachsene 60 Euro, jede weitere Disziplin noch mal 30 Euro.

Tutzing: Kampfsportschule Pakua

Vom Schreiner zum Pa-Kua-Lehrer: Thomas Braungart.

(Foto: Nila Thiel)

Am Wochenende 12. und 13. Oktober geben sich die Meister und Großmeister aus Westeuropa im Tutzinger Studio ein Stelldichein. Auch Sangri und Moyano, die beiden Großmeister aus Südamerika, sind da und unterweisen etwa 30 Pa-Kua-Ausbilder in den verschiedensten Disziplinen. Wer will, kann dann am Samstagabend von 18 Uhr an in der Pa-Kua-Schule vorbeikommen, "zum Kennenlernen und Feiern", wie Thomas Braungart sagt. Ein Wochenende später, von Freitag, 18. Oktober, bis Sonntag, 20. Oktober, bieten die Braungarts einen Kurs in "Urbaner Selbstverteidigung" an. "Es geht um ein selbstbewusstes Auftreten auf der Straße", sagt Andrea Braungart, der man ihre 58 Jahre nicht ansieht, aber auch darum, wie man im Ernstfall verhindert, dass man oder frau zu Boden gebracht oder sexuell attackiert wird. Kosten: 150 Euro.