Süddeutsche Zeitung

Kinder:Die Spielewerkstatt am Wörthsee

Ursprünglich haben Manuela und Michael Bothe nur für die eigene Tochter Lernspiele entwickelt. Doch daraus ist mittlerweile ein ganzer Online-Shop entstanden.

Von Patrizia Steipe, Wörthsee

"Loose Parts", also einzelne Teile - das ist das Thema der aktuellen Ideenpost aus der Wunderwerkstatt von Manuela und Michael Bothe. 18 000 Abonnenten lassen sich jeden Monat die kostenlosen Spielimpulse für Kinder per E-Mail aus Wörthsee schicken. Ein sanft-pädagogischer Hintergrund gepaart mit vielen einfach und schnell umsetzbaren Ideen und Do-it-yourself-Anleitungen, angelehnt an die Montessori-Pädagogik - quasi "Montessori für Zuhause", so Manuela Bothe.

"Versteckt einen Schatz und legt aus Loose Parts eine Schatzkarte?", heißt es auf einer Karte. Und auf einer anderen: "Versucht so viele Dinge aufeinander zu stapeln, dass der Turm nicht umfällt." Die Spielideen können ausgeschnitten und zu kleinen Heften zusammengefügt werden. Der Schmetterling ist zum Ausdrucken. In die Umrisse können dann die Teilchen gelegt werden.

Das Spiel rege mit seinen schier unendlichen Kombiniermöglichkeiten die Kreativität und Fantasie der Kinder an, erzählt Psychologe und Grafiker Michael Bothe. Und Legematerial findet sich daheim in jeder Spielzeugkiste oder in der Natur. Kleine bunte Kreise, Kugeln, Quadrate, Würfel und andere geometrische Formen können aber auch im Online-Shop gekauft und zu Mustern und Formen gelegt werden. "Ich habe sie aus Holzrohlingen selbst eingefärbt", erklärt Spielzeugmacherin Manuela Bothe, die eigentlich gelernte Restauratorin ist.

In ihrer Werkstatt im Erdgeschoss des Familienhauses bringt sie ihre Ideen zu Papier. Ein großer Arbeitstisch fehlt. "Meistens sitze ich auf dem Boden", erklärt sie. Mit dabei ist oft Hund Leto, ein peruanischer Nackthund ohne Fell, denn Hundehaare kann sie in ihrem Lager, in dem die kleinen Lesehefte mit den kurzen Texten, die Legekarten und Spieleboxen in raumhohen Schränken sortiert sind, nicht gebrauchen. Ehemann Michael, ein ehemaliger Waldorf-Schüler, ist für die strategische Planung und Realisierung ihrer Ideen zuständig.

Zu den Spielmaterialien ist Manuela Bothe durch ihre Tochter gekommen. Für das Kind habe sie immer schon gerne Spiele gebastelt, welche die kindliche Neugierde, die Lust am Lernen und das aktuelle Interesse der Kleinen aufgegriffen hätten, die "sensiblen Phasen" wie es bei Montessori heißt. Zeitabschnitte, in denen Kinder sich für eine bestimmte Sache besonders begeistern wie beispielsweise Zahlen, ein Sachthema (Planeten, Dinosaurier) oder kreative Fertigkeiten.

Die anderen Mamas und Papas aus ihrer Spielgruppe hätten bald Interesse an dem selbst gebastelten Spielmaterial gehabt, auch in der Kita hätten die Erzieherinnen sie darum gebeten, erinnert sich Bothe. Sie selbst hat sich vom Montessori-Homeschooling-Material aus Amerika inspirieren lassen und schließlich die Wunderwerkstatt-Homepage erstellt. Die Ideen stammen aus den Bereichen Biologie, Geografie, Mathematik, Deutsch sowie Fremdsprachen. "Viele Abonnenten warten Monat für Monat sehnlichst auf die neue Ideenpost", freut sich Manuela Bothe.

Das Konzept der Wunderwerkstatt besteht aus drei Bereichen. Zum einen sind das die Spielideen mit Dingen, die Kinder zu Hause haben, also die Karten mit Figuren, die aus Lego nachgebaut werden können, Spiele mit Knete oder Basteltipps aus Alltagsgegenständen. Dann gibt es die kostenlosen Downloads zum Ausschneiden, Ausmalen und Anleitungen zum Lernen oder Basteln. Die Hefte und Spielkarten können aus stabilem Material und bereits fertig gebunden auch im Online-Shop gekauft werden. Der dritte Bereich sind die Themenboxen. Zum Beispiel über Südamerika. Hier finden sich die unterschiedlichsten Wissens-, Spaß- und Kreativideen. Sogar einen kleinen Beutel mit Briefmarken hat Bothe beigesteuert. "Sie werden gerne auch von Kitas und Grundschulen gekauft", weiß Manuela Bothe.

Anfangs haben sie und ihr Mann die Karten noch selbst ausgeschnitten und laminiert. Mittlerweile haben sie eine Druckerei damit beauftragt. Trotzdem kommen regelmäßig Bögen mit ausgestanzten Kärtchen, die ausgedrückt und sortiert werden müssen. Dabei hilft die mittlerweile zwölfjährige Tochter, "unsere strengste Kritikerin", sagt Bothe und lacht. Etwa in der Größe von einem oder zwei Pixibüchern sind die Hefte, die Anregungen zu Alltagsthemen geben.

Dass die Ideen einmal ausgehen könnten, diese Angst braucht übrigens keiner zu haben. Aus Manuela Bothe sprudelt es nur so heraus, wenn sie von ihren Plänen berichtet. Nur einen Bruchteil davon hat sie bisher umgesetzt.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.6299124
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/bad
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.