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Sozialer Wohnungsbau:Andechs sorgt vor

Noch gibt es unbebaute Wiesen in Andechs, wie diese hinter der Erlinger Kirche. Aber Bauherren und Architekten geben sich im Rathaus die Klinke in die Hand. Und die Gemeinde braucht günstigen Wohnraum.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der Gemeinderat will kommenden Dienstag einen Grundsatzbeschluss fassen, der es der Gemeinde künftig ermöglichen soll, etwa ein Drittel neu ausgewiesenen Baulands für sozialen Wohnungsbau einzufordern

Von Ute Pröttel, Andechs

Es ist jedes Mal ein zähes Ringen zwischen der Notwendigkeit, neuen Wohnraum zu schaffen, und dem Willen, die dörfliche Identität zu erhalten. Seit Monaten geben sich Bauherren und Architekten in Andechs die Klinke in die Hand. Kaum eine Sitzung des Bauausschusses ohne Anfrage für große Bauvorhaben. Nicht selten überschreiten sie die Vorgaben des örtlichen Rahmenplans. Auch in der ersten Sitzung des Bauausschusses nach den Sommerferien stand ein Ensemble von drei Wohngebäuden direkt hinter der Erlinger Kirche auf der Tagesordnung. 15 neue Wohneinheiten sollen dort entstehen. Zwölf wären laut Andechser Rahmenplan möglich. Doch vom Landratsamt wurden die 15 Wohneinheiten bereits genehmigt.

Mit dem Hinweis auf den großen Bedarf an Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen stimmte der Bauausschuss mit fünf zu vier Stimmen dem Antrag zu, nicht ohne vorher ausgiebig über das mehr an Verkehr und Autos, die Notwendigkeit von Kindergarten- und Schulplätzen sowie die örtliche Versorgung mit Lebensmitteln und Pflege zu diskutieren. Alles Aufgaben, die der Gemeinde obliegen. Der finanzielle Mehrwert hingegen bleibt allein beim Bauherrn. Immerhin planen die Architekten die Anlage barrierefrei. Die benötigten Stellplätze sollen in einer Tiefgarage untergebracht werden, was jedoch die Kosten in die Höhe treibt. Wer soll das in Zukunft noch bezahlen können? Das Karussell um Grundstücke und Baurecht dreht sich in Andechs besonders schnell. Damit auch Einheimische und die öffentliche Hand bei diesem Geschäft noch Chancen auf den Erwerb von Grund oder Wohnungen haben, liegt den Gemeinderäten in der Sitzung am kommenden Dienstag ein "Grundsatzbeschluss zur Beschaffung bezahlbaren Wohnraums" vor.

Bereits im Mai hatte sich das Gremium mit dem Thema befasst. Gleich nach der Sommerpause setzte Bürgermeisterin Anna Neppel das Thema erneut auf die Tagesordnung. Der politische Grundsatzbeschluss verschafft der Gemeinde die Möglichkeit, für einen Teil der von ihr mit Baurecht ausgestatteten und damit aufgewerteten Grundstücke eine soziale Nutzung einzufordern. Diese kann in Form eines vergünstigten Vorkaufsrechts für Einheimische sein oder den Bauherrn verpflichten, sozial gebundenen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Ein diffiziles Unterfangen, denn niemand greift gern in den freien Markt ein. Doch wo sich Preise in schwindelerregende Höhen schrauben, müssen Gemeinden den Trend stoppen.

Der Grundsatzbeschluss sieht eine Bindung für Sozialwohnungen von 25 Jahren sowie ein Ankaufsrecht für die Gemeinde vor. Der Grundstücksbesitzer wird verpflichtet, zeitnah zu bauen. Ziel des Beschlusses ist es, in der Gemeinde eine gesunde Durchmischung der Bevölkerung zu erhalten. Dass dies durchaus funktionieren kann, zeigt ein Blick auf den Rahmenplan, den sich die Gemeinde 2004 gegeben hat. Dadurch, so attestiert es der Städteplaner Christian Schwander vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München, habe sich die Gemeinde in den vergangenen Jahren durchaus in die von ihr gewünschte Richtung entwickelt. Die Vorgabe von zwei Stellplätzen pro Wohnung und die Festlegung auf Häuser mit nur zwei Geschossen müsse jedoch neu überdacht werden.

© SZ vom 22.09.2017

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