Behördenverlagerung:Söder zieht Beamten-Hochschule aus Herrsching ab

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Beamtenfachhochschule Herrsching; Beamtenfachhochschule Herrsching

Die Kongresshalle der Beamtenhochschule in Herrsching ist das Hauptgebäude auf dem etwa zehn Hektar großen Areal in der Rauscher Straße. Sie stammt, architektonisch unverkennbar, aus der Nazizeit, und steht unter Denkmalschutz.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Ministerpräsident überrascht mit der geplanten Verlagerung nach Franken sogar seinen Parteifreund, Landrat Karl Roth. Das betrifft 50 Angestellte und 800 Studenten.

Von Astrid Becker

Betroffen wirkt Wernher Braun dann doch. Wenn man ihn auf die Pläne des Ministerpräsidenten Markus Söder anspricht, die Beamten-Hochschule für Finanzwesen von Herrsching nach Kronach zu verlagern, erntet man erst einmal längeres Schweigen. Dann sagt der Mann, der die Hochschule in Herrsching seit 2003 leitet, nur einen Satz: "Damit muss man umgehen." Weitaus deutlichere Worte finden der Starnberger Landrat Karl Roth (CSU) und der parteifreie Herrschinger Bürgermeister Christian Schiller. "Mir ist die Spucke weggeblieben", sagt Roth. Und Schiller nennt Söders Pläne eine "Hopplahopp-Aktion", für die es keinerlei vernünftige Begründung gebe.

Am Mittwochmittag hatte Söder bei der Winterklausurtagung der CSU-Landtagsfraktion im Kloster Seeon seine Pläne für die Behördenverlagerungen vorgestellt. Demnach sollen insgesamt 3000 Arbeitsplätze umgeschichtet werden - aus München, aber auch aus Herrsching. 50 Menschen arbeiten derzeit laut Braun in der Hochschule für Finanzwesen in Herrsching und in deren Außenstelle in Kaufbeuren. Da seien auch Bürger dabei, die in seiner Gemeinde lebten, sagt Schiller: "Was wird denn nun aus ihnen?" fragt er sich. Und was werde mit dem Grundstück geschehen, auf dem die Hochschule stehe und das dem Freistaat gehöre? Vom Ministerium gibt es dazu am Mittwoch trotz Anfrage der SZ keine Antwort.

Einweihungsfeier an der Fachhochschule

15,3 Millionen Euro hat der Freistaat für den Erweiterungsbau der Herrschinger Hochschule für den öffentlichen Dienst ausgegeben. Nun will Markus Söder, hier noch als Finanzminister bei der Einweihung 2013 mit Schulleiter Wernher Braun (links) und Peter Aumann vom Bauamt Weilheim, den Standort aufgeben.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Eine Tatsache, die bei Landrat Karl Roth nur Kopfschütteln hervorruft: "Ich verstehe das Ganze überhaupt nicht. Da hat man in Herrsching einen funktionierenden Campus, hat 2013 erst einen Neubau eingeweiht - und jetzt das." Roth spielt auf das Wohnheim für die Studierenden mit 120 Einzelzimmern an, das vor sechseinhalb Jahren fertiggestellt worden war und dessen Eröffnung Markus Söder gefeiert hatte, damals noch als bayerischer Finanzminister. Zwei Jahre später kündigte Söder an, die zweite Fachhochschule im Landkreis, die für Rechtspflege in Starnberg, aufzulösen und diese mit ihren Studierenden und allen Beschäftigten nach Pegnitz zu verlagern. Im Zuge dessen war auch die Rede davon, Herrsching zu verkleinern und einen Teil der Kapazitäten ins fränkische Kronach umzuziehen.

Bis heute, so sagt auch Landrat Karl Roth, sei aber nichts davon realisiert worden: Mit Pegnitz sei gar nichts "weiter gegangen", sagt er, und in Kronach gebe es seines Wissens nach noch nicht einmal ein Grundstück, auf dem ein Neubau erstellt werden könne, in dem dann die Herrschinger Platz finden könnten. "Nicht nachvollziehbar" nennt er daher die Entscheidung des Ministerpräsidenten. Zumal auch die Starnberger Einrichtung großen Zulauf verzeichnet: Seit der Ankündigung, die Ausbildungsstätte nach Pegnitz zu verlagern, hat sich die Zahl der Studierenden verdoppelt: von 175 auf 350. Wie es nun mit diesem Standort weitergeht, ist noch völlig unklar. Man habe dazu keinerlei Informationen, ist aus der Hochschule zu erfahren.

800 Studierende

Sie ist eine der größten im ganzen Land: die Beamten-Hochschule für das Finanzwesen in Herrsching. Und sie hat eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich, die bis in die NS-Zeit zurückreicht. 1935 wurde eine erste Reichssteuerschule in der Ammerseegemeinde im eigens dafür renovierten Saal des Gasthauses "Andechser Hof" eröffnet. In dieser Zeit wurde auch der Standort für einen Neubau dieser Schule unterhalb des Weilers Rausch bestimmt. Fertiggestellt war sie 1937. Während des Zweiten Weltkriegs diente die Schule als Lazarett, von 1947 an als Heilstätte für Tuberkulosepatienten. Von 1955 an wurde das Areal wieder als Ausbildungsstätte genutzt und in der Folge immer wieder baulich erweitert, zuletzt 2013. Mittlerweile studieren dort 800 junge Menschen, verteilt auf zwei Jahrgänge. Weitere 300 werden in der Außenstelle Kaufbeuren ausgebildet, die es seit zehn Jahren gibt und die wohl auch fortbestehen soll. Abec

Eine ähnliche Hängepartie erwartet der Landrat auch im Fall von Herrsching: "Wie es sich in Starnberg hinzieht, wird es wohl auch in Herrsching werden: Das kann noch dauern." Roth könnte recht behalten: Söder hatte im Kloster Seeon einen Zeitrahmen für die Realisierung seiner Pläne von 2020 bis 2030 vorgegeben.

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