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150 Starter erwartet:Wettkampf und Party am Gudiberg

Der Skiclub Starnberg richtet kurzfristig die Internationale Deutsche Meisterschaft im Slalom aus. Die Rennen finden am 23. und 24. März in Garmisch-Partenkirchen statt. Für den Vorsitzenden Helge von Hirschhausen Herausforderung und Ehre zugleich.

Eine Internationale Deutsche Meisterschaft innerhalb von fünf Wochen auf die Beine zu stellen - "das ist eine Herausforderung, aber auch eine Ehre", sagt Helge von Hirschhausen, Vorsitzender des Skiclubs Starnberg. Sein Verein hat vor drei Wochen zugesagt, als der Deutsche Skiverband (DSV) kurzfristig mit eben diesem Anliegen angefragt hat. Eigentlich hätten die Rennen im Dezember beim SC Kreuth stattfinden sollen, mussten aber wetterbedingt ausfallen. Zum Saisonabschluss soll der Wettkampf nun am 23. und 24. März nachgeholt werden. Dass der Starnberger Club "keinen eigenen Berg hat", wie von Hirschhausen anmerkt, macht die Sache nicht leichter. In Kooperation mit dem DSV werden die Slalom- und Teamwettbewerbe deshalb am Gudiberg in Garmisch-Partenkirchen ausgetragen, direkt am Olympia-Stützpunkt.

FIS Super-G, Damen, NJC AC, Götschen 2019

Leonie Flötgen gehört zu den Nachwuchstalenten des SC Starnberg, der jetzt ein Rennen am Gudiberg organisiert.

(Foto: Cornelia und Paul Schmidt)

Insgesamt etwa 150 Starter erwartet der Skiclub, wohlgemerkt allein in der Slalom- und Teamdisziplin. Parallel richtet der Olympia-Stützpunkt Bayern die Riesenslalom-Wettbewerbe auf der Kandahar aus. Dort werden die Tage zuvor bereits die Titel in den Speed-Disziplinen ausgefahren. Für den Starnberger Skiclub ist die Situation des Gastgebers nicht neu: 2014 hat der Club die Deutsche Schülermeisterschaft ausgerichtet, ein Jahr darauf die Deutsche Meisterschaft der Erwachsenen. Damals freilich mit mehr zeitlichem Vorlauf. Doch der Club-Präsident ist zuversichtlich: "Wir haben eine gewisse Expertise", sagt von Hirschhausen. Ein fünfköpfiges Organisations-Komitee kümmert sich aktuell um Tribünen, Podeste, Shuttle-Busse und Verpflegung. Vor allem aber um Sponsoren, die letztlich das Drumherum finanzieren sollen, wie von Hirschhausen betont. Vorgesehen ist eine VIP-Hütte, eine Bühne mit Moderation und Entertainment, Band und DJ für den Abend. "Momentan sieht es so aus, als gäbe es die nötige finanzielle Unterstützung." Denn der Skiclub kommt allein mit der sportlichen Ausrichtung an seine Budgetgrenze. So muss unter anderem ein technischer Direktor bezahlt werden, Pokale, Technik und vieles mehr. "Unser Hauptaugenmerk ist eine sportlich attraktive Meisterschaft", sagt von Hirschhausen. Wenn es obendrein gelingt, möglichst viele Zuschauer an den Gudiberg zu holen - umso besser. 200 bis 500 jubelnde Menschen im Zielraum wären sein Wunsch.

In Kooperation mit dem DSV werden die Slalom- und Teamwettbewerbe am Gudiberg in Garmisch-Partenkirchen ausgetragen, direkt am Olympia-Stützpunkt.

(Foto: Cornelia und Paul Schmidt)

Der Starnberger Skiclub, 1974 gegründet, hat aktuell knapp 750 Mitglieder und betreibt mit 52 Kindern in den Jahrgängen U8 bis U16 eine der größten Rennmannschaften im Verband. In nahezu jeder Nachwuchsklasse gehören Starnberger Skirennläufer zu den Besten in Bayern. Manche gehören gar zu den besten Deutschen. Leonie Flötgen, 19, aus Breitbrunn etwa, die in dieser Saison beim Europacup-Rennen in Andalo Paganella einen sehr guten 14. Platz erreichte. Der Europacup ist quasi die zweite Liga im Skisport. Auch Lucy Margreiter, und Nora Brand, beide 18 Jahre alt und FIS-Fahrerinnen, wollen bei den heimischen Meisterschaften antreten. Ob auch Ole Schmetzer, der aktuell eine Hüftproblem auskuriert, starten wird, ist noch ungewiss. Sie alle trainieren seit Jahren in Starnberg, immer auf dem Sprung von einem Auswahl-Kader in den nächsten.

Starnberger Skiclub

Lucy Margreiter will bei den heimischen Meisterschaften antreten.

(Foto: OH)

So hat es auch Kira Weidle als Jugendliche in die Nationalmannschaft und schließlich an die Weltspitze geschafft. Der 23-jährigen Starnbergerin gelangen heuer im Weltcup zwei dritte Plätze. Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang wurde sie Elfte in der Abfahrt. "Das hat natürlich eine mega Zugwirkung", sagt Helge von Hirschhausen, "vor allem in der Außenwahrnehmung". Er hofft, dass Weidle im Anschluss an die Speed-Woche als Zuschauerin den Slalom verfolgen wird.

Starnberger Skiclub

Nora Brand

(Foto: OH)

Auf der Piste selbst soll neben den eigenen Athleten Linus Straßer vom TSV 1860 München die Zuschauer begeistern. Der 26-jährige Weltcup-Fahrer konnte 2017 seinen ersten Slalomsieg in der Königsklasse feiern. Ob auch Lena Dürr aus Germering oder Felix Neureuther starten werden, ist noch ungewiss. Helge von Hirschhausen zieht den Hut vor der Leistungsbereitschaft aller Teilnehmer, die nicht nur viel Zeit auf den Pisten, sondern mitunter auch auf den Straßen verbringen. Nahezu jedes Wochenende starten vor dem Landratsamt in Starnberg die fünf Vereinsbusse mit Athleten in Richtung Tirol. Acht angestellte Trainer leistet sich der Club, das hat seinen Preis. Pro Kind und Monat in der Rennmannschaft werden laut von Hirschhausen etwa 200 Euro fällig. "Das ist teurer als Golfen."

Doch so stolz der Vorsitzende auch auf die Medaillen und Pokale ist, die die Rennfahrer mit nach Hause bringen. Für ihn ist das Angebot des Clubs im Breitensportbereich ebenso wichtig. Bis zu 150 Kinder und Jugendliche belegen die Kurse an den Wochenenden und lernen von den SC-Skilehrern - viele sind ehemalige Rennfahrer - grundlegende Techniken. "Diese beiden Sparten befruchten sich gegenseitig", sagt von Hirschhausen. Zuletzt hätten sich viele Späteinsteiger entschieden, auch Rennen fahren zu wollen. Also hat man heuer erstmals eine "Booster"-Mannschaft für 14- und 15-Jährige gemeldet. Gewöhnlich starten die Kinder schon mit acht oder neun Jahren in den Rennteams. "Doch die Älteren entwickeln sich auch unheimlich gut", sagt von Hirschhausen.

Vielleicht liegt seine Freude darüber auch darin begründet, dass er selbst ein spätberufener Skifahrer ist. Der 47 Jahre alte Patentanwalt war einst niedersächsischer Schülermeister im Skispringen. Erst mit dem Umzug 2002 nach München begann er, regelmäßig "Ski zu laufen", wie er sagt. Seine Club-Kollegen verziehen jedes Mal das Gesicht, wenn er davon erzählt. Denn in Bayern läuft man - oder man fährt Ski.

© SZ vom 11.03.2019

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