„Das war überfällig“, sagt Isabell Bauch, „und ein guter Anfang“. Damit meint die Projektleiterin nicht Landrat Stefan Frey, der Kinder und Erwachsene im Wasserpark am Starnberger See mit kostenlosem Veilchen-Eis beglückt. Nein, es geht um eine PR-Aktion, die nicht in eigener Sache wirbt, sondern Badegäste zu rücksichtsvollem und umsichtigen Verhalten animieren will.
„Sicherheit am und auf dem See“ heißt der Flyer, der in Zusammenarbeit zwischen Landratsamt und Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (GWT) entstand. Die Erstauflage mit 10 000 Exemplaren ist nahezu vergriffen. „Wir haben sehr positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Bauch.
Der Landkreis Starnberg mit seinen fünf Seen ist im Hochsommer ein touristischer Hotspot. Tausende Besucher aus der ganzen Region und der Landeshauptstadt strömen an heißen Tagen an Starnberger See, Ammersee, Wörthsee, Pilsensee und Weßlinger See. Doch nur die wenigsten wissen, was am und im Wasser erlaubt oder verboten ist, welche Bedeutung etwa die Blinkleuchten am Ufer haben oder wo sich die Stationen der Wasserrettung befinden.
Immer wieder haben sich in vielen Jahren Unfälle ereignet, manche davon tödlich beim Tauchen, Segeln, Schwimmen, Rudern. Und die meisten wären vermeidbar gewesen – da ist sich Isabell Bauch, bei der GWT zuständig für Marketing und Projektleiterin der Aktion, sicher. Erst im Juni ertranken zwei Menschen im Starnberger See, ein 23-jähriger Student aus Indien und ein 32-jähriger Münchner.
Landrat Frey ist derweil in seinem Element. „Ihr wollt ein Eis?“, fragt er die Kinder, die sehr schnell spitzbekommen haben, dass es heute etwas kostenlos gibt. „Kennt ihr denn auch die Baderegeln? Warum soll man zum Beispiel nicht mit vollem Bauch ins Wasser springen?“ Ein Dreikäsehoch weiß es: „Man ist zu schwer und könnte untergehen!“ Der Landrat ist zufrieden und rückt das Eis raus. Und wer war Sisi, die angeblich auch immer Veilchen verspeiste? „Die Prinzessin“, sagt ein anderer Bub. Auch das ist ein Eis wert – natürlich nur mit Flyer.

Lange haben sie bei der GWT und im Landratsamt an diesem DIN-A3-Bogen herumgetüftelt, der zusammengefaltet die wichtigsten Verhaltens-, Verkehrs- und Baderegeln am und auf dem Wasser zusammenfasst. Dazu gibt es Karten mit den fünf Seen, auf denen Sperr- und Ruhezonen, Naturschutzgebiete und Fischschonbezirke ebenso eingezeichnet sind wie Schiffsanlegestellen, Slipanlagen oder Badeplätze. Ein hilfreiches Papier mit vielen Informationen für Schwimmer, Segler und Stand-up-Paddler, von denen es immer mehr gibt.
Eliane Droemer betreibt schon seit elf Jahren den SUP-Club im Starnberger Wasserpark. Immer wieder erlebt sie Erwachsene, die Kinder, die nicht schwimmen können, auf dem Board mitnehmen wollen. Doch das gibt’s nicht bei ihr. Auch die Kleinsten müssen schwimmen können und eine Rettungsweste tragen. Vereinzelt gibt es immer wieder Ärger mit Paddlern, die etwa in Schilfgebiete fahren, Schwimmern, Booten und Schiffen zu nahe kommen oder nachts unbeleuchtet unterwegs sind.

Oder Schwimmer, die weit draußen ohne Bojen oder farbig-leuchtende Badekappen unterwegs sind. Oder jene, die an Schiffsanlegestellen ins Wasser springen und die Kapitäne der Ausflugsdampfer nerven. Oder alkoholisierte Besucher, die sich danebenbenehmen, herumpöbeln und ihren Müll liegen lassen. Oder Menschen, die Seevögel mit Steinen bewerfen. Oft genug sind es vor allem Auswärtige, die negativ am See auffallen.
Der Landrat ist mit dem Speiseeis zu großzügig
Am jährlichen „Seengespräch“ nehmen Vertreter verschiedener Organisationen teil, die auf dem See etwas zu sagen haben. Hier kommen alle Probleme zur Sprache, die eine Nutzung der Gewässer so mit sich bringt. Polizei, DLRG, Wasserwacht, Seenschifffahrt, Segel- und Ruderklubs, Landratsamt, Fischer und Naturschützer – sie alle berichten und beraten, was man besser machen könnte. Der Flyer, den es auch in englischer Sprache gibt, ist nur ein erster Schritt. Die zweite Auflage ist schon geplant, im nächsten Jahr sollen auch Schilder mit Geboten und Gefahrenhinweisen an markanten Stellen aufgestellt werden.

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GWT-Chef Christoph Winklkötter, Landrat Frey und Isabell Bauch haben die drei Wannen mit dem Veilcheneis längst verteilt. Keine Stunde hat es gedauert, der Landrat war zu großzügig: Er hat jeweils zwei Kugeln in die Becher gepresst, eigentlich hätte es nur eine sein sollen. Das Interesse der Badenden am Flyer hält sich ohne Eis in Grenzen. Zum Abschluss gibt es noch ein launiges Reel, eine kurze Videobotschaft für die Social-Media-Kanäle von GWT, Landratsamt und Frey. Die Botschaft: Haltet euch an die Regeln, bringt euch und andere nicht in Gefahr – und lest diesen Flyer. Den gibt’s im Landratsamt, bei der GWT, an den Tourist-Informationen, bei Bootsverleihern und den Stationen der Wasserwacht.

