Serie: Genuss Erleben:Das Wohnzimmer der Fischerfamilie

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Berg: Restaurant Kramerfeicht

Koch und Restaurantbesitzer in einem: Manuel Liebtrau bei der Arbeit.

(Foto: Nila Thiel)

Im "Kramerfeicht" in Berg am Starnberger See fühlt sich der Gast nicht wie ein Gast, eher wie ein Freund oder ein Verwandter.

Von Astrid Becker

Ein funktionierendes Handynetz gibt es in diesem Hause nicht, dafür aber vermutlich jede Menge Fischernetze. Auch wenn man sie nicht sieht. Denn der "Kramerfeicht" in Berg gehört zwar einer Fischerfamilie, hat aber auf wohltuende Weise auf jegliche Anspielung darauf in seinem Interieur verzichtet.

Dieses Lokal ist kein normales Restaurant. Es ist etwas Besonderes. Ein Ort, an dem man den Alltagsstress beiseite schiebt und sich ganz dem Genuss widmet - auch wenn die Sache mit dem schlecht funktionierenden Mobilfunknetz wohl kaum zum Konzept gehört. Vielmehr ist diese Tatsache wohl eher dem 1796 erbauten Bauernhof und seinen dicken Wänden geschuldet.

Das ist schon mal wunderbar. Hier sitzen keine Gäste, die wild auf ihren Smartphones herumtippen statt sich miteinander zu unterhalten. Sondern Menschen, die das kulinarische Können von den Betreibern, Steffi und Manuel Liebtrau, zu schätzen wissen - und vielleicht auch die Tatsache, dass deren Kunst nicht jederzeit verfügbar ist. Denn das "Kramerfeicht" wird meist für Veranstaltungen genutzt, als Restaurant gibt es das Ganze nur zweimal im Monat. Deshalb sollte man unbedingt drei Wochen vorher reservieren. Vermutlich wird bei dieser Gelegenheit Steffi Liebtrau am Telefon sein, die das Gespräch auf einer Bank vor dem Haus entgegennimmt. Dort ist der Empfang besser.

"Kramerfeicht" - das ist der Hausname des Bauernhofes, der der Familie Andrä gehört. Steffi Liebtrau ist eine geborene Andrä, ihr Bruder Peter betreibt die Fischerei. Eine spezielle Zunft, denn das Fischrecht ist nicht käuflich. Es ist ans Haus gebunden, in diesem Fall an die Grafstraße 6, und wird von Generation zu Generation weitervererbt, früher sogar nur vom Vater an den Sohn, wie von Steffi Liebtrau zu erfahren ist. Gibt es diesen Nachfolger nicht, muss sich die Familie etwas einfallen lassen, will sie das Recht nicht verlieren.

Der kinderlose Onkel von Steffi und Peter Andrä adoptierte daher deren Vater Siegfried. Er war es, der den Hof in den Achtzigern zum ersten Mal umbaute, damit unter anderem auch ein Fischgeschäft Platz finden konnte. Noch heute steht er selbst in diesem Laden und unterstützt seinen Sohn beim Fischen, der den Betrieb vor acht Jahren übernommen hat. Tochter Steffis Lebensweg führte zunächst in eine andere Richtung: Sie studierte Wirtschaftsgeografie in München, lernte dann ihren Mann Manuel kennen, einen Koch, der sein Handwerk im Gasthof Limm in Münsing gelernt hatte.

Gemeinsam beschlossen sie vor 15 Jahren, einen Partyservice zu eröffnen. Die Idee sei entstanden, weil ihr Bruder noch zusätzlich in einer Werft arbeitete, die oft als Kulisse für Hochzeiten diente, erzählt Steffi Liebtrau: "Da dachten wir, dass wir ja das Catering übernehmen könnten." Daraus entstand nur ein Jahr später, 2002, die Idee mit dem besonderen Restaurant. Als zweites Standbein quasi.

Serie: Genuss Erleben: Quelle: SZ-Grafik

Quelle: SZ-Grafik

Das Anwesen an der Grafstraße 6 gestalten sie dafür um: In die "gute Stube" wird ein neuer Boden verlegt, Tische und Stühle zusammengetragen, antike Lüster erstanden. Echte Hinkucker sind die kleinen Holzschränkchen, die ins Mauerwerk eingelassen sind, und aus denen Steffi Liebtrau Schnapsgläser zieht, wenn einem Gast nach einem Digestif zumute ist.

Die heute 48-Jährige weiß genau, was sie als solchen empfiehlt: 2002 ließ sie sich an der Weinakdemie UIW München zur Sommelière ausbilden. Und so kommt der Gast in den Genuss, zum Essen stets die optimale Weinempfehlung zu erhalten. Auf der Karte stehen durchwegs qualitativ gute Tropfen ausgesuchter Winzer aus Deutschland, Italien oder sogar Mallorca, was für Liebhaber autochthoner Rebsorten etwas recht Besonderes sein dürfte.

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