Krailling Seniorenbeirat wieder abgelehnt

Gemeinderat will auch im vierten Anlauf keine Interessensvertretung etablieren. Das Gremium selbst sei "ja fast schon ein Seniorenbeirat", hieß es in der Sitzung.

Von Carolin Fries

Braucht Krailling einen Seniorenbeirat? 2014, 2016 und 2017 hat sich der Gemeinderat mit dieser Frage beschäftigt, jedes Mal wurde der entsprechende Antrag abgelehnt. Am Dienstagabend gab es die vierte Auflage der Diskussion. Wie zuletzt hatte die ehemalige Seniorenbeauftragte Dietlind Freyer-Zacherl (FBK) den Antrag formuliert, unterstützt wurde sie von FDP, Grünen und SPD. Doch auch diesmal scheiterte sie mit einem Stimmenpatt an CSU und UWG. Sie versicherte: "Ich werde den Antrag wieder stellen, solange wie es ich eben kann."

Die Argumente liegen beiderseits seit Jahren auf dem Tisch: Während die CSU-Fraktion sowie die Zweite Bürgermeisterin Karin Wolf (UWG) die Interessen der älteren Bürger in der Gemeinde ausreichend vertreten sieht, beklagen die Befürworter eines Beirats, dass das kommunale Angebot für Senioren insbesondere Versorgung und Bespaßung beinhalte. Von einem demokratisch gewählten Seniorenbeirat erhoffe man sich Vorschläge zur Verbesserung in der Gemeinde. "Erst neulich hat man mir mitgeteilt, dass es offenbar zu wenig Briefkästen im Ort gibt", so Freyer-Zacherl.

Sieben Wochen vor der Bürgermeisterwahl nutzten nun alle Gruppierungen die Gelegenheit, ihre Positionen noch einmal ausführlich darzulegen. Es geht schließlich um eine große Wählergruppe: Böse Zungen bezeichnen die Gemeinde Krailling als das Altenheim des Landkreises Starnberg. Und das dürfte so bleiben: Nach einer demografischen Studie der Bertelsmann-Stiftung werden dort im Jahr 2030 mehr als 30 Prozent der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein, davon rund 13 Prozent älter als 80; im Landkreis Starnberg soll der Anteil der sogenannten Hochaltrigen zum Vergleich mit 9,2 Prozent deutlich niedriger liegen.

Sie habe sich "schon ein bisserl gewundert", sagte die Zweite Bürgermeisterin und stellvertretende Seniorenbeauftragte Karin Wolf zu dem Antrag. Die Situation in Krailling ohne Ersten Bürgermeister und mit Haushaltssperre sei momentan "sehr schwierig". Sie bat darum, eine Entscheidung auf das kommende Jahr zu verschieben, denn: "Das ist mit Kosten und Arbeit verbunden, unsere Verwaltung ist bereits überlastet." Zudem gebe es mit Eleonore Zwißler (CSU) noch bis 2019 eine vom Gemeinderat bestimmte Seniorenbeauftragte. Diese sprach sich ebenfalls gegen einen zusätzlichen Beirat aus. "Brauchen wir nicht", sagte Zwißler nur. In puncto Senioren sei die Gemeinde "super aufgestellt". Und zwar nicht nur, was die Unterhaltung betrifft. Jüngste Neuerung sei die Einrichtung eines Fahrdienstes, allein im Februar habe es 62 Einsätze gegeben. Ihr Fraktionskollege Mathias Walterspiel sagte mit Blick auf das Alter vieler Gemeinderatsmitglieder, dass das Gremium selbst "ja fast schon ein Seniorenbeirat" sei. Und Ute Richter argumentierte, dass es keine "außerparlamentarische Opposition" brauche. "Das hat Deutschland noch nie gut getan."

Andrea Schulte-Krauss (Grüne) war indes der Ansicht, dass den älteren Bürgern eine Interessensvertretung zusteht. "Die Bayerische Sozialministerin hat erst kürzlich den Ausbau von Seniorenvertretungen gefordert." Stephan Bock (SPD) versuchte, Bedenken zu zerstreuen, dass die in Krailling ohnehin schon aktiven Senioren zu viel Macht erhalten könnten. "Ich bin zuversichtlich, dass sich neue Gesichter ins Spiel bringen." Und FDP-Gemeinderat Sebastian Sefzig sprach von einem "niederschwelligen Angebot", das gewiss keine Unsummen an Geld schlucken würde. "Von heute auf morgen wird es ohnehin nicht gehen", versuchte Freyer-Zacherl den Druck zu nehmen.

Doch vergeblich: Nach ausführlicher und mitunter emotionaler Debatte war der Wahlkampf schließlich vorbei und der Antrag zum vierten Mal in fünf Jahren abgelehnt. Damit bleibt es bei lediglich fünf Seniorenbeiräten im Landkreis: in Gauting, Gilching, Herrsching, Seefeld sowie Starnberg.