Leinen los und sail away – die Segler starten in die neue Saison: Seit Anfang April dürfen Wassersportler wieder aufs Wasser. Zwar gilt der Freistaat nicht unbedingt als Mekka der Szene. Doch in den rund 210 bayerischen Segelklubs mit seinen 31 000 Mitgliedern ist die Vorfreude groß. Insbesondere in den Klubs an den größten Gewässern – Starnberger See, Ammersee und Chiemsee – freuen sich die Aktiven wieder auf Wind, Wetter und ein reges Klubleben.
Zumal sportlich ambitionierte Segler wieder ein üppiges Angebot erwartet: Der Regatta-Kalender des Bayerischen Seglerverbands (BSV) listet mehr als 220 Wettbewerbe im Freistaat für verschiedene Bootsklassen auf. Hinzu kommen vereinsinterne Regatta-Serien, doch auch nationale und internationale Top-Segler kommen immer wieder gern nach Bayern. Hier ausgewählte Höhepunkte der Saison.
Das zahlenmäßig am stärksten genutzte Segelrevier Bayerns ist der Starnberger See mit insgesamt 92 Regatten. Dahinter folgen Ammersee und Chiemsee mit jeweils 61 Wettbewerben. Einige Regatten haben fantasievolle Namen, andere wiederum sind hochoffizielle Meisterschaften. Sportliche Höhepunkte dieser Saison aber dürften die ersten beiden „Spieltage“ der ersten und zweiten Deutschen Segel-Bundesliga am Starnberger See sein.
Den Auftakt organisiert der Münchner Ruder- und Seglerverein „Bayern“ gemeinsam mit dem Deutschen Touring Yacht-Club Tutzing (17. bis 19. April) in Starnberg. Am ersten Maiwochenende gastiert der Bundesliga-Zirkus dann mit insgesamt 36 Teams aus dem gesamten Bundesgebiet erneut in Starnberg beim Bayerischen YC. Gesegelt wird einheitlich auf J/70-Kielbooten, die bei Regatten in der Regel mit einer vierköpfigen Crew gesegelt werden. Zuschauer können die Rennen vom Ufer aus verfolgen, die Seepromenade wird zur Eventfläche. Weitere Läufe folgen auf der Kieler Förde (10. bis 12. Juli), in Hamburg auf der Alster (31. Juli bis 2. August) sowie zweimal in Berlin auf dem Wannsee (18. bis 20. September; 15. bis 17. Oktober).

Zur Riege der ältesten und renommiertesten Segelvereine Deutschlands zählt der Bayerische Yacht-Club, der diese Saison rund 20 Regatten organisiert. Abgesehen von der Segel-Bundesliga gilt dieses Jahr die Internationale Deutsche Meisterschaft 2026 der Drachenklasse (30. September bis 4. Oktober) als sportliches Highlight. Weitere seglerische Schmankerl sind der „Starthaus-Preis“, eine der teilnehmerstärksten Breitensport-Regatten in Deutschland für Drachen, H-Boote und L-Boote sowie das Ladies Race „Woman on Water“ (23./24. Mai).
Das offizielle „Ansegeln“ beim Münchener YC ist zwar erst für den 1. Mai vorgesehen, doch der erste von insgesamt 17 Wettbewerben startet bereits eine Woche zuvor beim „Maibock J70“. Höhepunkte sind unter anderem die bayerische Opti-Meisterschaft (23. bis 25. Mai), die Drachen-Regatten „Bayerischer Löwe“ (13./14. Juni) und „Sommerpokal“ (19. bis 21. Juni), die „Inclusions Sailing Challenge“ (27. bis 28. Juni) und der beliebte „Ladies Cup“ (11. Juli).
Das „Amazonen Rennerts“ ist eine Kombination aus Regattasport und Fest nur für Frauen
Der DTYC Tutzing versteht sich seit seiner Gründung 1909 als Yacht-Klub, der möglichst viele Bereiche des Segelns anbieten möchte. Die Tutzinger haben am vergangenen Wochenende den Regatta-Saisonauftakt auf dem Starnberger See bereits hinter sich: Die Jüngsten segelten in den kleinsten Booten um das „Silberne Opti-Segel“ für Optis A/B. Nächste Regatta ist die „German Open J80“ (1. Mai) und das Ansegeln mit dem ersten von sieben „Day Race“ (8. Mai), Pfingstpreis und Süddeutsche Meisterschaft der Drachen (23. bis 25. Mai) sowie das „Amazonen Rennerts“ (1. August) – eine wunderbare Kombination aus Regattasport und Fest nur für Frauen. Abgesehen von der Segel-Bundesliga und den Mittwochsregatten hat sich der MRSV „Bayern“ in Starnberg im Segelbereich einen Namen mit Inklusionssegeln (1. Mai; 22. Mai; 10. Juli) gemacht. Beim O-Jollen-Cup geht es am 25./26. Juli auch um den bayerischen Meistertitel.

Am Ammersee ist der 1903 gegründete Augsburger Segler-Club in Utting einer der größten und traditionsreichsten Segelclubs Bayerns. Rund 20 Wettbewerbe sind beim ASC geplant, ein Schwerpunkt liegt auf den Drachen-Booten. Nach Frühlingspreis (25./26. April) und Flottenmeisterschaft (2./3. Mai) ist der „Drachenhumpen“ (11. bis 13. September) die größte Regatta. Der Diessner SC, zweitgrößter Club am Ammersee, bietet 13 Wettfahrten an. Familien und Freizeitsportler mit Regattaambitionen dürften sich beim SC Inning am Ammersee gut aufgehoben fühlen: „Espresso Race“ oder „Friday Practice“ bieten gute Chancen für ein solides Grundlagentraining.

Spannend für Freizeit-Kapitäne mit eher seltenen Bootsklassen sind die sogenannten Yardstick-Regatten: ein Berechnungssystem, das es Jollen oder Yachten unterschiedlicher Bauform erlaubt, in einer Regatta gegeneinander antreten zu können. Auch bei Oldtimer-Regatten kommt diese Berechnung zum Einsatz. Liebhabern gilt die siebenteilige Regattaserie „Starnberger See Classics“ als schönste: Hier sind von Mitte Mai bis Mitte September klassische, traditionelle Holzboote am Start, sieben Klubs am Starnberger See richten die jeweiligen Wettfahrten aus. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch 2026 wieder auf den Jugendmeisterschaften: Mit Klassen wie Opti, 29er, 420er, Teeny oder ILCA wird die Nachwuchsförderung der bayerischen Vereine sichtbar.

