Segeln Diese Zwillinge segeln international erfolgreich - aber nie auf einem Boot

Theresa (li.) ist etwas schneller als ihre Schwester Sophie.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die 16-jährigen Theresa und Sophie Steinlein aus Wörthsee reisen vier Monate im Jahr um die Welt. Doch auf der 420er-Jolle kann es nur eine Steuerfrau geben.

Von Carina Seeburg

Wenn der Bug scharf durch die Wellen schneidet, Gischt aufschäumt und Wind in die Segel drückt, dann sind Theresa und Sophie Steinlein in ihrem Element. Die 16-jährigen Zwillinge aus Wörthsee segeln international erfolgreich - allerdings nicht im selben Boot. Am Land ein Herz und eine Seele treten die Schwestern auf dem Wasser in Konkurrenz. "Wir sind ehrlich gesagt noch nie zusammen gesegelt", stellen die Zwillinge etwas überrascht fest, blicken sich an und lachen. Theresa und Sophie Steinlein sind Steuerfrauen. Zwei davon braucht es nicht auf einem Boot.

Die Liebe zum Wasser ist den Schwestern in die Wiege gelegt. Mutter, Vater und Geschwister - die sechsköpfige Familie Steinlein ist überwiegend am und auf dem Wasser anzutreffen. Markus Steinlein, seinerzeit selbst ein wettkampferprobter Windsurfer und Segler, hat seine vier Töchter von klein auf mit aufs Wasser genommen. "Richtig angefangen zu segeln haben wir dann mit fünf oder sechs Jahren in der Segelschule am Wörthsee", erzählt Sophie. "Da waren wir noch echt klein und hatten manchmal keine Lust", erinnert sich Theresa. Mit sieben Jahren wechseln die Schwestern zum Bayerischen Yacht-Club in Starnberg und lernen ihre zwei besten Freundinnen kennen. Das Vierergespann ist bis heute unzertrennlich - und mit Lina Plettner hat Theresa in einer von ihnen sogar ihre Teampartnerin in der 420er-Jolle gefunden. "So ein Glückstreffer", schwärmt Theresa. "Aber echt" pflichtet Sophie bei, die in den letzten Jahren mit sehr guten, aber ständig wechselnden Vorschotern segelte.

Das Bild zeigt Theresa bei der WM in Australien als Steuerfrau hinten mit Vorschoterin Lina Plettner.

(Foto: privat)

In der Konkurrenz der Zwillinge hat Theresa den Bug leicht vorn: Sie hat sich zusammen mit Lina als bestes 420er-Mädchen-Team den einzigen deutschen Startplatz für die Youth Sailing Worlds in Texas ergattert und bei der Qualifikation ihre Schwester Sophie auf Rang drei hinter sich gelassen. In den USA hat Theresa dann mit Lina Platz acht erreicht. Die Youth Sailing Worlds seien eine besondere Erfahrung gewesen: "Dort gibt es gleiche Bedingungen für alle - und das bis ins Detail." Boote und Segel aller Teilnehmer seien identisch, der Wettkampf damit besonders fair, erklären die Schwestern, die ihre Boote für Regatten und Training normalerweise in Containern verschiffen lassen. Dass das auch mal schief gehen kann, haben die Steinleins bei der Weltmeisterschaft der 420er-Jollen in Fremantle (Australien) erlebt, bei der die Zwillinge in unterschiedlichen Klassen starteten. Das Boot kam stark beschädigt auf der anderen Seite der Welt an und musste provisorisch gerichtet werden. Zudem kämpften die Teilnehmer mit dem "Fremantle Doctor", ein starker Wind, der mit 25 Knoten in die Segel blies.

"Unsere Ergebnisse bei den 420er-Weltmeisterschaften 2017 und 2018 waren durchwachsen - das hätte besser laufen können", sind sich die Steinlein-Schwestern einig. "Trotzdem war Australien meine coolste Segelerfahrung", räumt Sophie ein. Das Reisen sei einer der schönsten Aspekte des Sports. "Die internationalen Freundschaften und Erfahrungen sind toll. Aber mich stresst es manchmal, so viel unterwegs zu sein. Privat verpasst man in der Heimat viel und außerdem hat man einen krassen Nachteil in der Schule", sagt Theresa. Etwa 120 bis 130 Tage im Jahr sind die Schwestern auf dem Wasser. Für nationale Wettkämpfe trainieren sie mit Ilja Wolf am Gardasee. Zum Training für internationale Regatten reisen sie zu ihrem Trainer Lorenzo de Felice an die spanische Küste oder nach Gran Canaria. An diesem Wochenende starten sie bei der Bayerischen Jugendwoche in Starnberg, kommende Woche steht in Tutzing die erste Ausscheidung für die WM in Portugal auf dem Programm.

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Bei der Menge an Fehltagen ist eine tolerante Schulleitung Voraussetzung für den Erfolg im Segeln. Die beiden besuchen eine Privatschule in München. Die Leistung leide zwangsläufig und der Lernstoff würde nicht weniger, geben die Steinlein-Schwestern zu. Das Thema werde zunehmend präsenter, denn das Abitur rückt beständig näher - und beide wollen studieren. Darunter solle aber wiederum das Segeln nicht leiden. "Das Ziel ist definitiv weiterzumachen", sagt Sophie. "Vielleicht ist aber irgendwann automatisch Schluss - unser Körperbau ist nicht für olympische Spiele gemacht. Wir sind einfach zu leicht", sagen die 163 Zentimeter großen Jugendlichen. "Wir werden aber immer segeln, wenn vielleicht auch nicht immer professionell." Die Frage, ob sie dann auch gemeinsam in ein Boot steigen werden, löst eine enthusiastische Diskussion um die Aufgabenverteilung an Bord aus. "Dann müsste ich wohl oder übel schoten - ich hab das bessere Gleichgewicht, die bessere Koordination", erklärt Sophie und blickt herausfordernd zu ihrer Schwester. Die lacht zustimmend. Vielleicht wären die beiden nicht nur an Land, sondern auch auf dem Wasser ein Herz und eine Seele.

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