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Seeshaupt:Workshop zum Supermarkt

Gemeinderat will mit Mediator nach Lösungen suchen

Eine Standortanalyse sollte Klarheit bringen. Klarheit darüber, wo in Seeshaupt ein neuer Supermarkt entstehen könnte. Im Januar hatte der damalige Gemeinderat nach Bürgerbefragung und Bedarfsanalyse einen entsprechenden Auftrag erteilt. Mit dem Ergebnis könne man aber nicht zufrieden sein, bemängelte nun Armin Mell (FDP): Die Analyse sei methodisch schlecht, das Punktesystem der verschiedenen Kriterien uneinheitlich und die Gewichtung deshalb unklar. Beispielsweise habe die Bahnhofsnähe einen hohen Stellenwert - er könne sich aber nicht vorstellen, dass viele Seeshaupter mit dem Zug zum Einkaufen fahren.

Die Untersuchung, so Mell, sei als Entscheidungsgrundlage für den Gemeinderat eigentlich unbrauchbar. Auf Nachfrage habe die Gesellschaft für Marktforschung GMA aus München erklärt, die Untersuchung sei abgenommen und auch schon bezahlt worden, man sehe keinen Nachbesserungsbedarf. In der Gemeinderatssitzung Anfang Juni hatte die mittlerweile zurückgetretene zweite Vorsitzende der Dorfentwicklung, Silke Berendsen, öffentlich gemacht, dass eine Analyse vorliege. Bürgermeister Fritz Egold (CSU) hatte zuvor aber auf eine Bürgerfrage gesagt, er habe noch kein Ergebnis. Bei der Suche im Rathaus fand sich der Vorgang in einer völlig anderen Bauakte. "Wir haben einen Tipp bekommen," so Egold auf Nachfrage. Der Eingangsstempel datiere auf Anfang März, bezahlt wurde die GMA offenbar am 20. März. Laut Egold hat sein Amtsvorgänger Michael Bernwieser (PfB) die Analyse abgenommen und die Zahlung freigegeben.

In der Untersuchung werden vier mögliche Grundstücke für einen Supermarkt vorgeschlagen. Die meisten Punkte erhält demnach ein Streifen neben der Tankstelle an der St. Heinricher Straße, außerdem werden ein Standort an der Seeseitener Straße neben der evangelischen Kirche, an der Penzberger Straße sowie die Brachfläche neben dem Bauhof aufgelistet. Egold gab zu bedenken, dass ein Bau dort Begehrlichkeiten auf den benachbarten Grünflächen wecken könnten. Er schlug vor, die Gemeinderäte sollten im September auf einem Workshop mit einem Mediator selbst nach Lösungen suchen.

Die Diskussion über das Thema war auch im neuen Gemeinderat lebhaft. Andi Rilk (GrAS) verwies auf das gute Wahlergebnis seiner Gruppierung, das er auch auf die klare Ablehnung eines neuen Supermarktes zurückführt. Seine Fraktionskollegin Tine Helfenbein bemängelte, dass nicht untersucht worden sei, ob der bestehende Standort in der Postkurve verbessert werden könnte. Stefan Müller (PfB) warnte davor, dass die Bürger enttäuscht seien, wenn die Entscheidung wieder aufgeschoben werde. Und Bernd Habich (PfB) wollte nicht unnötig einen freien Samstag opfern: Wenn es im Gremium ohnehin eine Mehrheit gegen einen neuen Markt gebe, brauche es auch keinen Workshop, meinte er. Max Amon (PfB) forderte das Ende der Diskussion: "Das bringt uns nicht weiter", sagte er, dann müsse man die Frage eben wieder an die Bürger zurückgeben. Am Ende beschlossen die Räte dennoch einstimmig einen Workshop.

Wenig Diskussion gab es über die Anfrage der Immobilien Bayern, eine fast 9000 Quadratmeter große Fläche hinter der Tankstelle zur Bebauung freizugeben. Das Grundstück gehört dem Freistaat, der den Wohnungsbau fördern möchte. Die Wohnbau Bayern sei aber nur an Projekten mit 30 bis 50 Wohneinheiten interessiert, hieß es. Egold warnte davor, dass die Gemeinde bei der Belegung keinerlei Mitspracherecht habe: "Da kommen dann 300 Leute, und wir haben keinen Einfluss". Das Gremium lehnte einstimmig ab.

© SZ vom 05.08.2020 / kiah

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