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Seeshaupt:Spar-Appell vom Kämmerer

Gemeinde rechnet mit finanziellen Einbußen wegen Corona-Pandemie

Neue Besen kehren bekanntlich besser. Das scheint auch für Stefan Jocher, den neuen Kämmerer der Gemeinde Seeshaupt, zu gelten, der den Posten im Juni übernommen hat. Er legte dem Gemeinderat bereits jetzt schon die Jahresrechnung 2019 vor - das, so Jocher, sei eigentlich bis jeweils Ende September Pflicht. In den vergangenen Jahren hatten die Räte jedoch deutlich länger auf die Zusammenfassung der Einnahmen und Ausgaben des vorangegangenen Jahres warten müssen, dementsprechend zeigten sie sich erfreut.

Weniger erfreulich waren dagegen die Mahnungen des Kämmerers für die Zukunft: die Auswirkungen der Corona-Pandemie seien schon jetzt sichtbar. Die dritte Rate der Einkommensteuer-Zuweisung sei um 200 000 Euro niedriger. In 2019 waren die Steuereinnahmen noch um knapp 300 000 Euro gestiegen. Insgesamt stieg das Haushaltsvolumen 2019 um rund elf Prozent auf 11,4 Millionen Euro. Immerhin 980 000 Euro konnten am Jahresende an den Vermögenshaushalt überwiesen werden, fast 300 000 Euro mehr als geplant - diese Summe steht, so berichtete der Kämmerer, für Investitionen zur Verfügung.

Jocher mahnte mehrfach zur Sparsamkeit: Die Kreisumlage werde angesichts der Ausgaben des Landkreises sicher weiter steigen, die momentan noch stabilen Gewerbesteuereinnahmen seien in den kommenden zwei Jahren völlig unwägbar. Er appellierte an die Räte, beispielsweise im Sportzentrum für vernünftige Mieteinnahmen zu sorgen. Das ist ohnehin ein Zuschussbetrieb, der 2019 mit gut 40 000 Euro zu Buche schlug. Derzeit jedoch steht die Gaststätte leer, Pachteinnahmen fallen aus. Verhandlungen mit Interessenten laufen, laut Bürgermeister Fritz Egold (CSU) sei es in Corona-Zeiten aber ohnehin sehr schwierig für die Gastronomie.

Die Virus-Auswirkungen bekommen auch die Kegler des FC Seeshaupt zu spüren. Sie sind sportlich überaus erfolgreich - die Damen kegeln in der 2. Bundesliga Süd - die Beschränkungen machen dem Verein aber finanziell zu schaffen. Mindestens 4000 Euro weniger könne man mit Veranstaltungen oder Vermietungen einnehmen, heißt es im Zuschussantrag. Der Gemeinderat hat derartige Zuschüsse per Grundsatzbeschluss auf 3000 Euro gedeckelt, dennoch bewilligten die Räte ausnahmsweise 5000 Euro. Peter Blaut (GrAS) verwies darauf, dass die Kegler für die Anlage im Sportzentrum immerhin rund 9000 Euro Miete an die Gemeinde bezahlen. Der Beschluss fiel einstimmig.

© SZ vom 20.10.2020 / kiah

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