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Starnberger See:Abschied von einer Prinzessin

Die Schwestern Margarete und Antonia von Thurn und Taxis verbrachten ihr ganzes Leben zusammen in Seeshaupt. Die schillernde Gloria nannte die beiden wegen ihres modernen Lebens "cool". Nun ist Margarete gestorben.

In den vergangenen 83 Jahren hat sich vieles verändert. Ein Krieg kam und ging, dann das Wirtschaftswunder, die Wiedervereinigung. All das erlebten Margarete und Antonia Prinzessinnen von Thurn und Taxis gemeinsam. Die 83 Jahre seit der Geburt der Jüngeren lebten die Schwestern aus dem Adelsgeschlecht - mit kurzen Unterbrechungen - zusammen am Starnberger See. Doch am 29. Dezember starb Margarete, die ältere, mit 86 Jahren.

Es ist ein ungewöhnliches Schwesternpaar, das das ganze Leben miteinander verbracht hat. Das macht schon der Name. In einer Traueranzeige der Familie wird Margarete "Ihre Durchlaucht" genannt. Geboren wurden die beiden auf Schloss Hohenberg in Seeshaupt, Margarete 1933, Antonia drei Jahre später. Auf dem Anwesen lebten sie, bis sie es 1999 einem Neffen überließen, als ihnen das Schloss zu groß geworden war. Ganz in der Nähe bauten sich die Schwestern ein Holzhaus, ihr "Austragshäusl", ihr Alterssitz, wie Antonia von Thurn und Taxis es nennt.

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Margarete (links) und Antonia von Thurn und Taxis bei den Schlossfestspielen 2005 auf Schloss Emmeram in Regensburg.

(Foto: Franziska Krug/Getty Images)

Anfang der Sechzigerjahre war Margarete zwar ein paar Monate lang verlobt, geheiratet aber haben die beiden Frauen nie. In einem Gespräch mit dem SZ-Magazin begründete Margarete das 2011 so: "Weil alle anders waren. Alle nicht so wie wir." Damals war es durchaus ungewöhnlich, als Frau unverheiratet zu bleiben, besonders im Adel.

Stattdessen erlernten beide einen Beruf. Antonia wurde Damenschneidermeisterin, Margarete Säuglingsschwester. Nachdem ihr Vater gestorben war, kümmerten sie sich um den Wald südlich des Starnberger Sees, den sie geerbt hatten. "Ich habe den Forst übernommen, meine Schwester die Jagd", sagt Antonia. Die schillernde Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis lobte Margaretes und Antonias "moderne Haltung" in einem Interview mit der schweizerischen Zeitung Tages-Anzeiger einmal als "cool".

Untereinander nannten sie sich Daisy und Toni

Ihre Schwester sei sehr beliebt gewesen, sagt Antonia von Thurn und Taxis. "Sie war ein ganz hilfsbereiter Mensch." Als die Großeltern alt und krank waren, hätte sie sich gekümmert, die Schwestern pflegten am Ende auch die Eltern. Außerdem half Margarete bei vielen Geburten in der Familie - Kinder auf die Welt zu bringen, hatte sie schließlich gelernt. Dann übernahm sie auch die Wochenbettpflege. "Sie war bereit, jeden zu unterstützen, der es brauchte", sagt Antonia.

Im Haushalt teilten sie sich die Arbeit auf. "Wir sind immer gut miteinander ausgekommen", erzählt die 83-Jährige. Wenn es doch einmal Unstimmigkeiten gegeben habe, hätten sie stets über alles miteinander sprechen können. "Dann haben wir uns auch wieder verstanden." Anders ist es wohl auch nicht zu erklären, dass die Schwestern so lang zusammen lebten. Auch wenn eine hin und wieder für eine Zeit nicht da war, wie Antonia während ihrer Zeit als Schneiderin, als sie in München arbeitete - stets fanden sie schnell wieder zueinander, so erzählt es Antonia.

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Toni und Daisy, so nannten sich die Schwestern untereinander. Daisy ist der englische Name der Margarite, daher der Spitzname. Und: Zeitlebens sprachen sich die Schwestern in der dritten Person an - als Überbleibsel höfischer Umgangsformen sozusagen. Gemeinsame Hobbys hätten sie nicht gehabt, sagt Antonia. Es war ein unauffälliges, fast zurückgezogenes Leben, das die beiden Damen am Starnberger See führten. Schlagzeilen machten sie nicht, im Gegensatz zu anderen Familienmitgliedern. Solange Margarete dazu in der Lage war, gingen sie jedoch gern aus, etwa zu Veranstaltungen auf dem Schloss der Familie in Regensburg. "Wir hatten und haben glücklicherweise viele Freunde", sagt Antonia.

Ihre Schwester holte Margarete vor Heiligabend aus der Klinik nach Hause

Doch Margarete ging es mit den Jahren immer schlechter. Eine Darmkrebserkrankung 2004 war der Anfang, schließlich kamen immer mehr Probleme hinzu. Ende vergangenen Jahres verbrachte Margarete acht Wochen in einer Klinik. Sie habe sehr gelitten, erzählt Antonia.

Vor Heiligabend wollte sie ihre Schwester dann nach Hause holen, ins Holzhaus am Wald. "Ihr letztes Weihnachten hat sie hier noch erleben können", sagt Antonia. Kurz danach starb Margarete. Sie habe zwar einige Zeit gehabt, sich darauf vorzubereiten, sagt Antonia. "Aber natürlich ist das ein merkwürdiges Gefühl, jetzt allein zu sein." Die Trauerfeier für Margarete Prinzessin von Thurn und Taxis findet am Samstag um 11 Uhr in St. Michael in Seeshaupt statt.

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