Seeshaupt Blick auf das Licht

Ob auf Korsika oder am Starnberger See: Wie Cézanne fängt Martin Wagner Stimmungen und Schatten durch seine Atelierfenster ein. Ohne Sentimentalität fügt er Natur und Landschaft in gründlich komponierte Bildwelten

Von Katja Sebald, Seeshaupt

Als "Maler in zwei Welten" bezeichnet sich Reiner Wagner in seiner aktuellen Ausstellung, die noch bis Mitte Januar in der Seeresidenz Alte Post in Seeshaupt zu sehen ist. Seine neuen Bilder sind im Alpenvorland und auf Korsika entstanden. Diese Gegenüberstellung macht den Reiz dieser Ausstellung aus - "Zwei Welten" sind die unterschiedlichen Landschaften allerdings nur auf den ersten Blick.

Auf den zweiten Blick aber geht es hier wie dort um das Licht. Reiner Wagner, der 1942 in Hildesheim geboren wurde, studierte Malerei in München bei Hermann Kaspar und in Berlin bei Heinz Trökes. Seit 1965 lebt er abwechselnd in Pischetsried am Südwestende des Starnberger Sees oder auf Korsika. Ausstellungen in der renommierten Münchner Galerie Günther Franke machten ihn in den Siebziger Jahren als Landschaftsmaler weithin bekannt, Wagners Bilder waren in ganz Deutschland zu sehen. Auch in der Seeresidenz Seeshaupt ist er ein gern gesehener Gast, auf dessen Bilder sich viele Bewohner das ganze Jahr über freuen.

In zwei Welten daheim: Wagner hat Ateliers im Fünfseenland und auf Korsika. In "Landschaft bei Iffeldorf" zeigt er das Voralpenland.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Ist er am Ostufer des Starnberger Sees beim Malen oder am Walchensee, in Kochel oder in Habach, dann fängt Reiner Wagner einerseits die satten Grüntöne und die dahinter blau aufragende Kulisse der Berge ein - vor allem aber das besondere Licht, das schon vor hundert Jahren die Maler des "Blauen Reiters" faszinierte. Im Winter ist es dann das sanfte Grauweiß und das eigenartige Blauweiß der schneebedeckten Wiesen und Hügel vor dem tiefgründig-kühlen Blaugrau der Berge am späten Nachmittag.

In seinen Bildern ("Olivenbäume") gelingt es dem Maler Reiner Wagner meisterlich, das Spiel von Licht und Schatten authentisch einzufangen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Während der sommerlichen Aufenthalte in der mediterranen Landschaft verändert sich die Palette des Malers. Es gibt nun ein unglaublich türkisgrünes Meer, warme Ocker- und Terrakottatöne, es gibt Macchia oder mattgrün erscheinende Wiesen und es gibt im "Letzten Sonnenlicht", so der Titel eines Bildes, einen milchigen Himmel über violettgrauen Felsen an der Küste. Immer aber sind es Lichtstimmungen und vor allem Schatten, die den Maler interessieren. Fast möchte man bei diesen neuen Bildern an Cézanne denken, der die Landschaft - und zwar immer wieder die gleiche Szenerie - in Farb- und Lichtflächen zerlegte. Für Cézanne war es der Mont Saint Victoire, den er vor seinem Atelierfenster sah und den er immer und immer wieder malte. Auch bei Reiner Wagner ist es gleichsam der Blick aus dem Atelier, der ihn jedes Mal wieder neu inspiriert: "Blaues Land" oder mediterrane Landschaft, See oder Meer, Berg oder Hügel, Weg oder Straße, Haus oder Hütte - das alles dient ihm als Ausgangspunkt für die Darstellung des Lichts. Mal sind es die Lichtreflexe auf dem Wasser oder helle und dunkle Partien im Laub der Bäume. Mal ist es ein südlicher Himmel, der so blau ist, dass er ohne jede malerische Geste auskommt. Und manchmal braucht der Maler die Landschaft gar nicht mehr, um das Licht zu malen: Eines der neuen Bilder zeigt ein geöffnetes Fenster und draußen nichts als Helligkeit.

Niemals aber lässt Reiner Wagner sich von der Großartigkeit der Natur zu Sentimentalitäten hinreißen. Stets schafft er sorgfältig komponierte Bildwelten, die eine geheimnisvolle Geschlossenheit, Ordnung und Ruhe ausstrahlen.