bedeckt München 11°

Seefeld:Wandelbares Paar

Pianistenclub München überrascht im Schloss Seefeld

Von Reinhard Palmer, Seefeld

Mit dem Thema "Magie und Rausch" eine Konzertsaison im Schloss Seefeld zu beenden, verspricht über die Ferienzeit in guter Erinnerung zu bleiben. Zumal sich das Programmkonzept des Pianistenclubs München über so einige Gestaltungskonventionen hinwegsetzte. Susanne Absmaier griff mutig in die Musikliteratur, und entzog damit den gängigen, allzu vordergründigen Assoziationen zu den Begriffen Magie und Rausch den Boden. Eine Überraschung gelang hier insofern, da sich beide so emotionsgeladene Begriffe in der musikalischen Umsetzung als eng verwandt erwiesen, sich gegenseitig ergänzten, ineinander changierten oder sich aber auch schroff kontrastierten. Ein wandelbares Paar also, das sich in den jüngeren Kompositionen in dieser Besonderheit am deutlichsten offenbarte. Tessa Catchpole stürzte sich in den Tanzrausch von 1937 der "Danzas argentinas" op. 2 von Alberto Ginastera. Diese leidenschaftliche Musiken - mal nervös flirrend, mal melancholisch singend, dann auch schon unter aggressiver Hochspannung - waren folkloristisch untermauert. Und gerade diese Ursprünglichkeit darin wirkte magisch und berauschend, zumal mit konzentrierter Intensität und feurigem Temperament vorgetragen. Das Element der Folkloristik sollte in reinster Form schließlich - aufgrund einer krankheitsbedingten Programmänderung - mit dem Pianisten und Komponisten Hans Wolf sowie dem Geiger Winny Matthias improvisatorisch zum Thema werden, wobei auch rituelle Praktiken mit hypnotischen Wirkungen zumindest zu Sprache kamen.

Soweit sollte das Konzept von Absmaier ursprünglich aber nicht reichen. Mit den "Magic Pieces" von 2001 des in Würzburg lehrenden Ungarn András Hamary (geb. 1950) ging Sylvia Dankesreiter den Weg weiter zur reinen Ausdrucksform, die der Komponist hier mit fünf programmatischen Stücken bedacht hatte. Dankesreiter - nebenbei rhetorisch gewandte Moderatorin - erschloss die Magie, aber auch in der Monotonie der minimalistischen Wiederholung den Rausch darin vor allem mit Klangräumlichen Wirkungen, die Hamary unter Nutzung des gesamten Tonraums des Flügels kompromisslos angelegt hatte. War Dankesreiter zuvor schon darauf bedacht, mit der Sturm-Sonate von Beethoven einen opulenten, nahezu orchestralen Klangkörper zu modellieren, so rückten hier eher kantig-spartanische, aber auch flächig wirkende Elemente in den Vordergrund. Und irgendwo dazwischen positionierte Catchpole die "Ungarische Rhapsodie" Nr. 2 von Liszt. Magisch ist das Werk schon alleine in seiner reichen Erzählung, die Catchpole mit extrem emotionaler Ausformung gänzlich dem rhapsodischen Gedanken unterstellte. Temperamentvoll, leidenschaftlich und mit starkem Rubato hielt sie den interpretatorischen Bogen bis zum letzten Ton unter Spannung. Begeisterte Ovationen gab es auch zum Schluss.

© SZ vom 16.08.2016

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite