Talentiade 2019 Siegertyp mit Racket

Der elfjährige Lieven Mietusch aus Seefeld gehört zu den besten deutschen Tennisspielern seiner Altersklasse, sein Bruder Noel kämpft sich gerade an die Spitze zurück. Die Mutter organisiert das Turnierleben ihrer Söhne.

Von Carolin Fries

Starke Rückhand: Tennisspieler Lieven Mietusch beim Training in Seefeld.

(Foto: Nila Thiel)

Einen Plan B hat Lieven Mietusch nicht. Der Elfjährige aus Seefeld will Tennisprofi werden. Über Alternativen denkt er gar nicht erst nach, pure Verschwendung. An diesem Montagmorgen lungert er zusammen mit seinem Bruder Noel, 14, auf dem Sofa im Wohnzimmer herum. In wenigen Stunden werden die beiden zur Deutschen Jugendmeisterschaft nach Ludwigshafen aufbrechen. Für Tennisspieler in Lievens Altersklasse gibt es dieses Turnier noch gar nicht, weshalb er einfach eine Klasse höher spielt, U13. Seine Mission ist klar: Bis ins Halbfinale will es der blonde Junge schaffen. Oder weiter.

Trophäen en masse: eine Auswahl der Pokale, die der Elfjährige bisher gewonnen hat.

(Foto: Nila Thiel)

Lieven hat auf dem Tennisplatz schon viel erreicht. Sieben Mal wurde er Oberbayerischer Meister, zwei Mal Bayerischer Meister (U11 und U12). Heuer hat er bereits etliche internationale Turnieren gewonnen oder erst im Finale verloren. Laut DTV-Rangliste ist er der beste Tennisspieler seines Jahrgangs in ganz Deutschland - für dieses Jahr uneinholbar", wie seine Mutter Melanie Mietusch, 41, sagt. Sie koordiniert das Trainings- und Turnierleben ihrer beiden Söhne. Denn auch Noel ist im Kader des Landesverbandes. Er ist gerade dabei, sich nach einer schweren Rückenverletzung zurück unter die Besten in seiner Altersklasse zu arbeiten. Der kleine Bruder behauptet frech, aktuell stärker auf dem Platz zu sein. Noel widerspricht. Die Mutter lässt das Kräftemessen unkommentiert. Sie hat ganz andere Dinge im Kopf, etwa: Wann kommen die Jungs aus Ludwigshafen zurück, wohin geht es das Wochenende darauf, wer bucht die Unterkunft für das Turnier Mitte Juni im bosnischen Prijeder, sind noch Schulbefreiungen zu beantragen? Durchschnittlich fehlt der Fünftklässler jeden Monat eine Woche in der Schule. Nachgelernt wird zuhause . "Ich organisiere den ganzen Wahnsinn", sagt die alleinerziehende Krankenschwester.

Dafür legt sie ihre Schichten in der Klinik extra so, dass sie die Kinder zweimal in der Woche nachmittags zum Stützpunkt-Training nach Taufkirchen fahren kann. Die anderen Tage trainieren sie beim TC Seefeld am Jahnweg unter Zeljko Cica. Meistens gleich nach der Schule, jeder eine Stunde. Melanie Mietusch bucht und zahlt die Einzelstunden, es fließt viel Geld in das Hobby ihrer Söhne. "So lange es geht und die Jungs es wollen, machen wir es." Seit Kurzem hat Lieven einen Sponsor, der ihn komplett mit Schuhen, Schlägern, Taschen und Shirts versorgt - "das hilft schon sehr", sagt Melanie Mietusch. Anstatt Urlaube im Ausland zu buchen, reist die Familie inzwischen mit dem Sport durch die Welt. Mal geht es nach Mallorca, mal nach Paris oder Montenegro.

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Mit dem Tennis begonnen hat die Familie Mietusch nebenbei. Ein Freund von Noel suchte einen Trainingspartner für die Einzelstunden, Noel hatte Lust. Und Lieven musste mit, "er ist halt dann auch auf dem Platz rumgesprungen", erzählt Melanie Mietusch. Lievens Trainer schwärmen von seiner Celverness auf dem Platz und seinem Blick. Zudem habe er sich eine gute Technik erarbeitet, "er arbeitet viel aus dem Unterarm", sagt Melanie Mietusch. Lieven selbst sagt, seine Stärke sei das Gewinnen. "Ich messe mich gerne." Wenn es mal nicht läuft wie geplant, dann schimpft der Elfjährige lautstark auf dem Platz und hackt mit dem Schläger frustriert auf den Boden ein. Meistens aber gibt es dafür keinen Grund. Dafür gewinnt Lieven viel zu oft.

Bewerbungen für die SZ-Talentiade sind noch bis 18. Juni unter sz.de/talentiade2019 möglich.