Kultur im Landkreis StarnbergSwingendes Europa in Seefeld

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Beschwingter Jazz mit optimierter Akustik: Die Band "The Three Wise Men" bei ihrem Auftritt im Sudhaus in Seefeld.
Beschwingter Jazz mit optimierter Akustik: Die Band "The Three Wise Men" bei ihrem Auftritt im Sudhaus in Seefeld. Nila Thiel

Die international besetzte Band "The Three Wise Men" überzeugt mit ihren heiteren Jazz-Interpretationen.

Von Reinhard Palmer, Seefeld

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Jazz gänzlich ohne Strom - wo kann man das noch erleben? Eine Möglichkeit: das Sudhaus im Schloss Seefeld. Die Optimierung der Akustik hat nicht nur für die nötige Tragweite gesorgt, sondern auch für eine Klangreinheit von Seltenheitswert. Schon deshalb war der Auftritt von "The Three Wise Men", dem international besetzten Jazztrio, ein musikalisches Erlebnis der besonderen Art. Aber auch das aktuelle Programm "The European Songbook" als Antwort aufs "American Songbook", die Quelle für im Prinzip fast alle sonstigen Jazzkonzerte, sorgte für Einzigartigkeit.

Anders als bei der amerikanischen Variante ist die europäische Version kein feststehender Begriff, sondern mit uneinheitlichem Repertoire besetzt. Der niederländische Frontmann und Bandgründer Frank Roberscheuten an den Saxophonen und der Klarinette, der in den USA lebende Italiener Rossano Sportiello am Flügel und der Österreicher Martin Breinschmid am Schlagwerk samt Xylophon und Flaschenspiel haben ihre eigene Variante als Reise durch europäische Länder - "Moskauer Nächte" ohne Ansage - zusammengestellt. Populäre Stücke waren durchaus auch dabei, etwa "Bei mir bist du schön" in Klezmer-Sound mit Klarinette, Ennio Morricones romantische Melodie zum Film "Cinema Paradiso", von Jack Judge "It's a long, long way to Tipperary" als ausgelassener Dixie oder von Franz Dölle der verspielt verarbeitete Evergreen "Wenn der weiße Flieder wieder blüht".

Der Fokus der drei Musiker lag vor allem auf einem eigenen Zugriff

Doch bestimmend fürs Programm waren Kompositionen ernster Musik, die sich jedoch nicht immer im Originalcharakter präsentierten. So kam der Gefangenenchor "Va, pensiero" aus Verdis Oper "Nabucco" leicht und beschwingt daher. Aber auch ohne getragene Feierlichkeit, vielmehr mit heiterem Drive, bestand die Melodie als Jazz-Standard. Das Vilja-Lied aus "Die lustige Witwe" von Franz Lehár etwa verwandelte sich so in eine unbeschwert-warmtonige Narration. Einen leicht orientalisierenden Touch bekam ein Zwischenspiel der Jazzvariante eines Themas aus Rachmaninows 2. Klavierkonzert, bekannt als "Full Moon and empty Arms".

Doch ganz gleich, aus welcher Quelle die Musiker ihr Material schöpften: Thema war vor allem ein eigener Zugriff. Man könnte ihn als minimalen Einsatz bei maximalem Effekt umreißen. Auf die geradezu klassische Präzision kam es an. Roberscheuten nutzte die Unplugged-Gelegenheit für feinste Klangdifferenzierung. Ähnlich Breinschmid, der schon mal mit Tricks am Trommelfell Melodien kreierte. Das Ergebnis: ein euphorisches Publikum und zwei Zugaben.

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