SeefeldSchöne Seelenmassage

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Überzeugten unplugged im Sudhaus (von links): Martin Kursawe (Gitarre), Stefanie Boltz (Gesang), Sven Faller (Bass).
Überzeugten unplugged im Sudhaus (von links): Martin Kursawe (Gitarre), Stefanie Boltz (Gesang), Sven Faller (Bass). Arlet Ulfers

Stefanie Boltz bezaubert mit jazzigen "Mid-winter Tales"

Von Reinhard Palmer, Seefeld

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Während die Dänen auf Hygge setzen und offiziell als die glücklichsten Menschen der Welt gelten, hadern wir hierzulande immer noch mit dem Winter und warten schon ab Weihnachten auf sein Ende. Dabei haben die langen Winterabende ihren Reiz. Vor allem eine tiefe Melancho-lie, die wir als Winterblues beklagen, statt sie als Seelenmassage zu genießen. Die Liedermacherin Stefanie Boltz hat diese Melancholie für sich entdeckt und zelebriert sie in einem Programm, das "Mid-winter Tales" heißt. Mit dem Gitarristen Martin Kursawe und dem Kontrabassisten Sven Faller profitierte es am Samstag besonders davon, dass sich der Veranstalter - der Verein Kultur im Schloss Seefeld - der Akustik im Sudhaus angenommen hat.

Ohne die Raumatmosphäre zu stören, war es gelungen, die dröhnenden Bässe herauszufiltern und eine gute klangliche Balance herzustellen. Gerade bei reduzierter Besetzung, wie im Stefanie Boltz Trio, ist die Klangechtheit von besonderer Bedeutung. Denn der gestalterische Freiraum ist dabei auf die Finessen der Musiker angewiesen. Und die brauchen wiederum den entsprechenden akustischen Rahmen dafür. Kursawe wie Faller setzten denn auch weniger auf die elektronische Verstärkung, als vielmehr auf die spiel-technischen Möglichkeiten, wie sie beim Unplugged-Spiel verzaubern.

Diese Qualitäten erzeugten vor allem im Duo besondere Sinnenfreuden, wenn sich Boltz nur von einem Instrument begleiten ließ und dabei auch mit A-Cappella-Gesang spielte oder umgekehrt dem Instrument das Feld für feinste Detailarbeit gänzlich überließ. Eine ungemein ansprechende Qualität hatte die Kombination Stimme und Kontrabass, in der etwa eine eigenwillige Interpretation von "Here comes the sun" der Beatles entstand. Keine spontane Einlage, denn als Duo Le Bang Bang feiert die Konstellation nun bereits ihr 10. Jubiläum. Im Duo Boltz-Kursawe fehlte es aber auch nicht an Homogenität. Mit Duke Elingtons "I ain't got nothin' but the Blues" ließen beide Musiker einhellige Emotionen aufkommen.

Im Trio spielten die Musiker mit allen möglichen Konstellationen, wobei eben sattere Fülle für ausdrucksstarke Momente wie in "The Sound of Silence" von Paul Simon zur Verfügung stand. Dann setzte Boltz bisweilen ihre Stimme als Instrument ein und bereicherte das Ausdrucksspektrum um imaginative Farbnuancen. Die reizvollsten Klänge entstanden daher vor allem in experimentellen Momenten, insbesondere, wenn Faller seinen klangdynamischen Kontrabass in perkussiver Weise bearbeitete. Unabdingbar war die Schlagwerkeinlage im brasilianischen "So many Stars" von Sérgio Mendes.

Es gab auch Eigenkompositionen - von Boltz, und schon mal rein instrumental von Faller. Boltz scheute nicht davor, der wintermelancholischen Thematik auch in deutscher Sprache näher zu kommen. Etwa mit Songs wie "Im Schnee verbrennen" oder "Sehnsucht". In der Zugabe dann als Live-Weltpremiere (bisher nur auf CD) mit "Narkose" zwischen Funk und Rap. In englischer Sprache ließ ihr "Adorable stupid Girls" musikalisch etwa an Eric Clapton denken, während "I want to be loved" oder als Abschiedssong in der zweiten Zugabe "Sunrise" eindeutig die Handschrift der Münchner Songpoetin trugen. Ein schöner Auftakt ins neue Konzertjahr, dem die Zuhörer reichlich Begeisterung zollten.

© SZ vom 13.01.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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