Seefeld Mehr Bürgerbeteiligung

Die geplante Aufstockung der Alten Fabrik in Hechendorf spielt auch eine Rolle beim Thema Ortsentwicklung. Für Bürgermeister Gum kommt sie nicht in Frage, weil sie für die Nachbarn zu belastend wäre.

(Foto: Georgine Treybal)

Seefelds Gemeinderäte gehen in Klausur und diskutieren über die Zukunft ihrer Kommune

Von Christine Setzwein, Seefeld

Sich nicht länger treiben lassen von Bauwerbern und Bürgerwünschen, sondern selbst aktiv werden, das war der Hauptgrund, warum sich der Gemeinderat Seefeld zu einer zweitägigen Klausurtagung zurück gezogen hat. Ein weiterer war die Einsicht, dass die Bürger künftig besser informiert und mehr beteiligt werden müssen. "Wir wollen Ideen für die Zukunft sammeln, dann darüber entscheiden und sie schließlich umsetzen", sagte Bürgermeister Wolfram Gum am Mittwoch in einer Pressekonferenz.

17 von 20 Gemeinderäten, der Bürgermeister und drei Verwaltungsangestellte hatten sich Ende April auf den Weg nach Thierhaupten gemacht, um an zwei Tagen in aller Ruhe an der Zukunft von Seefeld zu arbeiten. Dabei war die Begeisterung für eine Klausur zum Thema Ortsentwicklung anfangs eher gering. Und auch von mehr Bürgerbeteiligung halten manche Gemeinderäte nicht besonders viel, halten sie eher für Einmischung in ihre Arbeit. "Doch die Begeisterung ist gewachsen", sagte Gum. Auch die Moderatorin, Stadtplanerin Vera Winziger, lobte am Mittwoch die "konstruktive und dynamische" Diskussion im Seminar.

Eine Bestandsaufnahme, die Entwicklung von Zielen und das Erarbeiten von Strategien waren die Hauptpunkte der Tagung, erläuterte Rathaus-Geschäftsführer Fritz Cording. "Ortsentwicklung ist mehr als nur Bauen", erläuterte er. Am Ende der Klausur hatten sich die Teilnehmer auf vier Blocks geeinigt: öffentlicher Raum mit dem Thema Verkehr, Wohnen und Arbeiten, Finanzen sowie Bürgerbeteiligung. Bei allen Themen müsse der Umweltschutz eine große Rolle spielen, sagte Cording. "Wir sind hier in einem landschaftlich schönen Bereich", sagte Winzinger. Die Frage sei, was zu erhalten sei, was umstrukturiert oder aufgegeben werden könne.

Viele Jahre lang hatte Seefeld Geld im Überfluss. Es wurde gebaut, was möglich war. Jetzt ist ein großer Teil der Gewerbesteuer weggebrochen, aber die Unterhaltskosten sind da - zum Beispiel für den Bürgerstadl in Hechendorf, für Sportanlagen und Kitas. "Im kommenden Jahr werden wir die Rücklagen aufbrauchen müssen, und 2020 brennt's", sagte Gum. Umso wichtiger sei die Bürgerbeteiligung. "Erhöhen wir die Gebühren bis zum Anschlag oder generieren wir mehr Einnahmen?" Wie sieht der Haushalt aus? Wie funktioniert eine Gemeinde? "Der Bürger muss wissen, wo uns der Schuh drückt", sagte Cording. "Eine Gemeinde ist wie eine große Familie", meinte Winzinger. Alle Mitglieder müssten eingebunden werden, das mache das Zusammenleben "lebendig". Sie wird nun die Information und Beteiligung der Bürger, der "Betroffenen", vorbereiten.

In einer Bestandsaufnahme sollen bis Ende Juni alle Flächen in der Gemeinde aufgelistet werden, bebaute und unbebaute, um die Möglichkeiten für Gewerbeansiedlung oder Wohnen auszuloten. Im Herbst soll das Thema in den Gemeinderat. Für Bürgermeister Gum heißt das Ideal "Wohnen und Arbeiten am Ort". Für die Einheimischen, nicht für Münchner. "Wir sind nicht der Dienstbringer für eine Großstadt", meinte er. "Es wird jedenfalls ein spannender Weg", freut sich Winzinger.

Am Rande äußerte sich Gum zu dem Vorhaben, die Alte Fabrik in Hechendorf als Hotel auszubauen. "Nicht mit mir", sagte er. Zu gigantisch und den Nachbarn nicht zuzumuten.