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Vogelschutz:Sorge um Kiebitz-Kolonie im Aubachtal

Seefeld

Pulli werden die Kiebitz-Küken genannt. Dass sich im Aubachtal eine Kiebitz-Kolonie niedergelassen hat, galt als Sensation.

(Foto: Bund Naturschutz/oh)

Das Projekt steht offenbar vor dem Scheitern, weil Vereinbarungen zwischen Naturschützern und dem Landwirt, auf dessen Feld die Tiere brüten, nicht eingehalten wurden.

Kiebitze sind monogam und ortstreu. Sie kehren gern an den Ort ihrer Geburt zurück. Mehr als 20 Küken sind in den vergangenen drei Jahren im Aubachtal in Hechendorf geschlüpft und flügge geworden, weil sich dort eine kleine Kiebitz-Kolonie angesiedelt hatte. Bund Naturschutz, Vogelschützer, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Untere Naturschutzbehörde, Regierung von Oberbayern und nicht zuletzt der Landwirt, der einen Hektar seines Ackers zur Verfügung stellte, arbeiteten zusammen, um die Population des geschützten Vogels im Aubachtal zu stabilisieren. Ein Leuchtturmprojekt.

Das jetzt offensichtlich zu Ende ist. Der Acker, auf dem die Kiebitze gebrütet hatten, sei "dicht mit einer Grasmischung eingesät", schreibt Günter Schorn, Vorsitzender des Bundes Naturschutz, in einer Pressemitteilung. Große, offene Bodenflächen, die der Kiebitz zum Brüten braucht, gebe es nicht.

Constanze Gentz ist betrübt. Die Vorsitzen des Seefelder Bundes Naturschutz und Hüterin der Kolonie seit 2017 befürchtet, dass die Kiebitze verschwinden, wenn sie heuer keinen Platz zum Brüten finden. Umziehen könne man sie nicht. "Wenn sie weg sind, sind sie weg." Normalerweise kommen die Vögel im Februar aus dem Süden zurück. "Aber ein Kollege von mir hat schon in der zweiten Januarwoche einen gesehen", sagt Gentz, die in unmittelbarer Nähe des "Kiebitz-Ackers" wohnt. Sie hofft immer noch auf ein Einsehen des Landwirts. Von der Schutzgemeinschaft Aubachtal habe er pro Gelege eine Prämie erhalten. Für den Ernteausfall, den er durch das Herrichten des Ackers für die Kiebitze erlitten habe, sei er außerdem "vollständig entschädigt" worden, schreibt Günter Schorn.

Das sieht Landwirt Johann Hirschvogel anders. "Ich bin nicht so entschädigt worden wie ausgemacht", sagt er zur SZ. Dass er im Herbst auf dem Acker unterhalb des Bahnhofs Hechendorf Wickroggen angesät habe, habe damit zu tun, dass er Futter für seine Tiere brauche. Hirschvogel betreibt in Hechendorf eine Rinderzucht und stellt hochwertiges Fleisch her. Den Mais habe es ihm Pfingsten 2019 verhagelt, außerdem habe er zehn Hektar Pachtfläche verloren. Aber es gab wohl auch Differenzen zwischen ihm und den Naturschützern. Vereinbarungen seien nicht eingehalten und die Forderungen immer mehr geworden, sogar Drohungen habe er erhalten. Den Zeitaufwand für "stundenlange Telefonate" wolle er nicht mehr aufbringen. Darum habe er den Roggen gesät, aber Streifen für die Kiebitze freigehalten. "So wie früher", sagte der Landwirt. Kiebitze nämlich hätten immer wieder auf dem Acker gebrütet. Hirschvogel: "Es sind schöne Vögel, die geschützt sind. Wir achten auf sie."

In der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Starnberg weiß man um das Problem. Das Brutgebiet in Hechendorf sei das einzige im Landkreis, auf dem eine Kolonie niste, sagte Sprecher Christian Kröck. Man sei in Kontakt mit der Regierung von Oberbayern und warte auf deren Stellungnahme. Kröck: "Wir wollen den Kiebitz auf alle Fälle schützen."

Auch BN-Vorsitzender Schorn erhofft sich Zusagen der Regierung und ein Einlenken des Landwirts. "Unabhängig von Gesetzen und Richtlinien sollten die Kiebitz-Paare auch dieses Jahr im Aubachtal einen geeigneten Platz finden und ihre Brutpflege erfolgreich betreiben können." Nach der Vogelschutzrichtlinie dürfen die europäischen Vogelarten nicht gestört werden. Eine erhebliche Störung liege vor, wenn sich dadurch "der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert". Eine Landwirtschaft "nach guter fachlicher Praxis" sei erlaubt. Laut Schorn ist es sogar möglich, behördliche Bewirtschaftungsvorgaben zu verhängen.

Die Regierung von Oberbayern will sich im Moment nicht äußern. Über eventuelle Verhandlungen auf örtlicher Eben sei man nicht informiert, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei keine weitere Auskunft möglich.

© SZ vom 07.02.2020
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