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Seefeld:Das Aubachtal kommt für ein Gewerbegebiet nicht in Frage

Die Idee einer Bebauung auf Gut Delling im Landschaftsschutzgebiet hat die Bevölkerung gespalten. Nun will die Gemeinde drei andere Standorte entwickeln.

Von Christine Setzwein

Jetzt ist es amtlich: Für ein Gewerbegebiet ist die umstrittene Ackerfläche auf Gut Delling aus dem Rennen. Der Standort ist laut Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum für die Ansiedlung von Gewerbe, aber auch für jede andere Bebauung "nicht genehmigungsfähig und nicht geeignet". Größtes Potenzial als Gewerbestandorte sehen die Behörden am Oberfeld in Hechendorf und an der Jahnstraße in Oberalting.

Den "Tag der gewaltfreien Kommunikation" am Dienstag haben sich die Seefelder Gemeinderäte zu Herzen genommen. Sie mussten auch gar nicht streiten, denn das, was ihnen Oliver Prells vom Planungsverband vorsetzte, kannten sie schon. War das Ergebnis der Fachbehörden doch schon in den zwei nichtöffentlichen Klausuren vorgestellt und fraktionsübergreifend für gut befunden worden.

Insgesamt wurden sieben Standorte unter die fachliche Lupe genommen. Gut Deling, Gewerbepark Seefeld, Oberfeld und Kammerloher Stadl waren vom Gemeinderat vorgeschlagen, die Flächen zwischen Ulrich-Haid-Straße und Hartstraße, zwischen Uneringer Straße und Stampfgasse sowie der westliche Ortsrand von Hechendorf waren von Bürgern im Rahmen des Ortsentwicklungsprozesses vorgeschlagen worden. Alle wurden von der Landesplanung, der Regierung von Oberbayern, dem Kreisbauamt, der Unteren Natur-, Immissionsschutz- und Wasserrechtsbehörde und dem Wasserwirtschaftsamt begutachtet. Als geeignet für die Ansiedlung von Gewerbe blieben das Oberfeld, der Gewerbepark am Jahnweg und das kleine Areal an der Uneringer Straße übrig.

Alle Behörden - bis auf den Immissionsschutz - sind gegen ein Gewerbegebiet auf Gut Delling, das im Übrigen der Stadt München gehört. Der Standort liege mitten im regionalen Grünzug und im Landschaftsschutzgebiet und verstoße gegen das Anbindegebot, erläuterte Prells in der Sitzung am Dienstag. Den Acker zwischen Eichenallee, Kastanienallee und dem Aubach hatte Detlev Schneider, Chef der auf Gut Delling beheimateten Firma TQ Systems, Ende 2019 ins Gespräch gebracht. Der Vorschlag spaltete den Gemeinderat und die Bevölkerung. Ortwin Gentz, Mitbegründer der Bürgerinitiative Eichenallee und jetzt Gemeinderat der Grünen/BI, konnte es sich nicht verkneifen zu sagen, dass die Haltung der BI gegen weiteres Gewerbe im Aubachtal damit voll bestätigt worden sei.

Martin Dameris (SPD) lobte den Gemeinderat und die Bürger, die neuen Ideen und die Begleitung der Fachleute bei der Beurteilung der verschiedenen Standorte: "Wir haben einen sehr guten Kompromiss gefunden, ich habe ein sehr gutes Gefühl." Johanna Senft (BVS) sagte, dass "viel Kraft und Hirnschmalz" nötig gewesen sei bei der Abwägung. Sie appelliert daran, auch das Modell Handwerkerhöfe in den kleinen Ortsteilen weiterzuverfolgen.

Auch die CSU ist zufrieden. Ihr Fraktionsvorsitzender Arnulf Daxer sagte: "Wir haben jetzt klare Aussagen bezüglich der Machbarkeit und sollten somit auch intensiv und zeitnah in die entsprechenden Planungen einsteigen." Vize-Bürgermeister Thomas Zimmermann (Grüne/BI) drückte es so aus: "Wir müssen jetzt Gas geben."

Die drei geeigneten Standorte sollen nun "bedarfsgerecht, ortsverträglich und schrittweise" entwickelt werden. Bei der Ausweisung neuer Gewerbegebiete seien ein "moderates Vorgehen geboten" und die Eigentumsverhältnisse zu berücksichtigen, sagte Bürgermeister Klaus Kögel (CSU). Vorhandene Betrieb müssten unterstützt werden, dass sie in der Gemeinde bleiben und maßvoll erweitern könnten. Kommende Gewerbeansiedlungen müssten nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch verträglich umgesetzt werden. Die Gemeinde braucht jedenfalls mehr Einnahmen. Für Oswald Gasser (FDP) steht fest, dass die jetzt für gut befundenen Standorte auf Dauer zu wenig seien. "Die lösen unsere Probleme nicht", sagte er. Mit der Verwaltung im Technologiepark belege die Gemeinde selbst einen Gewerbestandort.

Der sei wieder freizumachen, forderte Gasser und meinte damit den Bau eines neuen Rathauses. Ein Thema, das sicher wieder auf die Tagesordnung kommt.

Aber als Nächstes geht es um das Seefelder Krankenhaus, das nicht in der Ortsmitte bleiben kann. Auch hierbei soll ein Fachbehördengespräch helfen, einen geeigneten Standort zu finden, auf dem die Seefelder und Herrschinger Klinik in einem Neubau zusammengelegt werden können. Das ist laut Kögel für Mitte, Ende November geplant. Im Januar oder Februar könnten dann mögliche Standorte vorgestellt werden.

© SZ vom 08.10.2020

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