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Flächenfraß:Bürgermeister will Gutachten über Gewerbegebiet im Aubachtal

Seefeld Dellinger Höhe, Aubachtal mit TQ

Noch wird auf dem Acker im Aubachtal ökologischer Landbau betrieben. Einige Seefelder könnten sich dort ein Gewerbegebiet vorstellen.

(Foto: Georgine Treybal)

Wolfram Gum prescht zum Erstaunen der Gemeinderäte vor - verborgen unter dem Tagesordnungspunkt "Sonstiges". Er zweifelt jedoch an der Größe des Vorhabens.

Von Christine Setzwein

Unter "Sonstiges" ein Gutachten über ein mögliches Gewerbegebiet im Aubachtal zu beschließen, das ging den Seefelder Gemeinderäten dann doch zu weit. Den Vorstoß machte Bürgermeister Wolfram Gum (CSU). Man könne doch schon mal prüfen, ob ein Gewerbegebiet bei Gut Delling überhaupt in Frage käme, meinte er und gab auch gleich die Antwort: "Wahrscheinlich nicht."

Der Vorschlag, zwischen der Eichenallee, der Kastanienallee und dem Aubach etwa 15 Hektar für die Ansiedlung von Gewerbe auszuweisen, kam von Firmenchef Detlef Schneider. Sein Unternehmen TQ Systems hat den Hauptsitz auf Gut Delling. Schneider, selbst Hechendorfer, begründete seine Anregung damit, dass die Gemeinde Seefeld kein Geld mehr habe und Gewerbesteuereinnahmen brauche.

Martin Dameris (SPD) fand Gums Vorpreschen "unmöglich", auch wenn die Idee von einem "intelligenten Unternehmer" komme. Was Seefeld brauche, seien "Visionen". Immer mehr Wachstum ziehe immer mehr Ausgaben nach sich. Dameris: "Davon müssen wir uns verabschieden." Außerdem sei Seefeld nicht klamm. "Wir haben Einnahmen von 14 Millionen Euro, die Gemeinde gibt nur zu viel Geld aus." Wenn der Vorschlag Schneiders im Lenkungskreis der Ortsentwicklung und mit den Bürgern diskutiert werde - "ja, aber nicht unter Sonstiges".

"Mit Visionen kommen wir nicht weiter", meinte Johanna Senft (BVS). Im Rahmen der Ortsentwicklung müssten Grundstücke gesucht und verglichen werden, wo Gewerbe möglich sei. Ein Gutachten über gesagte 15 Hektar Gelände, auf dem die Stadt München als Gutseigentümerin ökologischen Landbau betreibt, findet Senft allerdings "nicht verkehrt". Über Visionen nachdenken würde Peter Schlecht (FWG) schon, aber in einer Sondersitzung. Nur der Ortsentwicklung dürfe man das Thema nicht überlassen. Schließlich hänge die Gemeinde "am Tropf der Gewerbesteuer". Fakten statt Visionen forderte auch Oswald Gasser (FDP). Und zu den Fakten gehöre auch ein naturschutzfachliches Gutachten.

Ute Dorschner (SPD) gab zu bedenken, dass ein Gewerbegebiet dieser Größenordnung eine ganzen Rattenschwanz nach sich ziehe. "Wir brauchen dann Parkplätze, Wohnungen und Kitaplätze." Mit der Ortsentwicklung hat Martin Dosch (CSU) offensichtlich wenig am Hut. Nach den Bürgerwerkstätten in den Ortsteilen macht der Prozess nun wegen des Kommunalwahlkampfs Pause bis zum Frühjahr 2020. "Wir kommen nicht vorwärts", schimpfte Dosch. Am Gemeinderat liege es, Entscheidungen zutreffen, nicht an der Ortsentwicklung. "Warum also kein Gutachten?" Weil, so drückte es Robert Benoist (Grüne) aus, die Gemeinderäte nicht "wie die Aufziehmanschgerl" springen sollten, nur weil ein Unternehmer etwas vorschlage.

Schneider hatte seine Vorstellung von einem Gewerbegebiet im Aubachtal in der Hechendorfer Bürgerversammlung öffentlich gemacht und damit viel Applaus geerntet. Bürgermeister Gum zeigte sich überrascht und wollte sich dazu nicht äußern. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag überraschte er nun seinerseits die Gemeinderäte mit seinem Vorschlag, ein naturschutzfachliches Gutachten in Auftrag zu geben. Ein 15 Hektar großes Gewebegebiet hält aber auch Gum für viel zu groß. "Das passt nicht nach Seefeld", sagte er am Mittwoch.

© SZ vom 14.11.2019

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