SeefeldGeplatzte Politikmesse

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Im Pfarrsaal von St. Peter und Paul sind politische Veranstaltungen nicht erlaubt. Gestattet sind dagegen Bürgerversammlungen oder Bürgerdialoge.
Im Pfarrsaal von St. Peter und Paul sind politische Veranstaltungen nicht erlaubt. Gestattet sind dagegen Bürgerversammlungen oder Bürgerdialoge. Arlet Ulfers

Gemeinde zieht die Zustimmung zu einer Kandidaten-Vorstellung im Pfarrsaal Peter und Paul zurück

Von Christine Setzwein, Seefeld

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Wähler, die sich selbst ein Bild der Bürgermeisterkandidaten und Gemeinderatsbewerber machen wollen, sind ganz schön unterwegs. Heute die SPD, morgen die CSU, übermorgen die Grünen, und dann sind da ja auch noch die Parteifreien. So gesehen hatte die Idee des Seefelder FDP-Gemeinderats Oswald Gasser, am 2. Februar eine "Kandidaten-Messe" im Pfarrsaal von St. Peter und Paul zu veranstalten, durchaus Charme. Aber daraus wird nichts. Die Gemeinde Seefeld und der Kirchenvorstand von St. Peter und Paul haben ihre Zustimmung zur Nutzung des Saals zurückgezogen. Dafür verantwortlich gemacht wird die Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN).

Eigentlich sind politische Veranstaltungen im Pfarrsaal - wie auch im Bürgerstadl Hechendorf - nach einer Widmung verboten. Darum wurde auch der Antrag des Bundes Naturschutz, am 16. Februar dort eine Podiumsdiskussion mit den vier Bürgermeisterkandidaten zum Thema Natur- und Klimaschutz in Seefeld veranstalten zu dürfen, negativ beschieden. Der Hinweis, dass der BN ja keine Partei sei, nutzte nichts, da führende Köpfe der Ortsgruppe auf der Grünen-Liste für den Gemeinderat kandidieren.

Bei der Kandidaten-Messe mit allen vier Bürgermeisterkandidaten und allen Gemeinderatskandidaten von sechs Listen dagegen könne man von einer überparteilichen Veranstaltung sprechen, Gemeinde und Kirche wollten eine Ausnahme machen - wenn auch mit "Bauchschmerzen", wie Rathaus-Geschäftsleiter Fritz Cording einräumte.

Eine Anfrage von Ildiko Gaal-Baier veranlasste die politische und katholische Gemeinde, ihr Einverständnis zurückzunehmen. Die Vizevorsitzende wollte von Cording wissen, ob der BN nun auch den Pfarrsaal nutzen dürfe, da die Widmung des Raumes faktisch geändert worden sei. Wegen der Absage mussten die Naturschützer ins Sudhaus von Schloss Seefeld ausweichen, das zum einen höchstens 120 Personen fasst, zum anderen 250 Euro Miete kostet, "die wir aus Spenden finanzieren müssen".

Wegen dieser "Intervention des Bundes Naturschutz", wie es Oswald Gasser nennt, wurde die Kandidaten-Messe abgesagt. Zum Bedauern aller Bewerber - und der Naturschützer. "Es ging uns nicht darum, die politische Veranstaltung verhindern zu wollen", versichert Gall-Baier. "Wir sind nicht schuld, wir wollten lediglich eine Gleichbehandlung." Eine Absage sei nicht nötig gewesen.

"Fast untröstlich" fühlt sich Gasser ob der Absage. "Wir haben alles versucht." Johanna Senft, Bürgermeisterkandidatin des BVS, findet es nicht schön, dass nun "alle mundtot" gemacht worden seien. Die Messe wäre eine gute Gelegenheit gewesen für die Wähler, die Bewerber kennenzulernen und sich in lockerer Atmosphäre mit ihnen zu unterhalten. "Schade", sagt auch Thomas Zimmermann, Bürgermeisterkandidat der Grünen und der Bürgerinitiative Eichenallee.

Er hätte sich einen Kompromiss gewünscht, etwa, dass die Messe doch im Pfarrsaal Peter und Paul hätte stattfinden können und die Gemeinde dafür dem BN die Raummiete für das Sudhaus als Spende überwiesen hätte. Petra Gum, Bürgermeisterkandidatin der FWG, hätte die Messe "ganz toll gefunden, weil alle Kandidaten auf Augenhöhe gewesen wären und nicht aufeinander losgehetzt worden wären".

Nun gibt es keine Kandidaten-Messe, und auch die Podiumsdiskussion des Bundes Naturschutz wird anders ausfallen als geplant. Weil die notwendige Neutralität beim BN nicht gegeben sei, haben Petra Gum und Johanna Senft ihre Teilnahme abgesagt. Zugesagt haben Thomas Zimmermann von den Grünen und Klaus Kögel von der CSU. "Das ist schon ein trauriges Bild, das wir in Seefeld abgeben", meint Kögel.

© SZ vom 31.01.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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