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Seefeld:Ein Name verschwindet, die Welt der Innovationen kommt

Seefeld 3M

In der Innovationswelt: Christa Sieverding, Jim Ingebrand, Thomas Walz, Wolfram Gum, Christoph Winkelkötter und Georg Scheitz.

(Foto: Georgine Treybal)

Espe war lange Zeit ein Begriff für Dentaltechnik - nun nimmt Mutterkonzern 3M den Namensbestandteil weg. Und eröffnet eine Leistungsschau in Seefeld

Von Otto Fritscher, Seefeld

15 Jahre ist es nun her, dass der ehemalige Familienbetrieb Espe vom global agierenden US-Konzern 3M aufgekauft worden ist - und nun sind auch die letzten sichtbaren Zeichen von Espe getilgt: Der Espe-Schriftzug wurde entfernt von den Firmengebäuden in Oberalting, den Briefköpfen, von der Internet-Seite des Konzerns, und auch von den Schildern, die auf das zwischen Unering und Seefeld gelegene Firmengelände hinweisen. "Es ist jetzt an der Zeit, die Marke 3M für alle Geschäftsbereiche zu stärken", begründet Pressesprecher Bernd Betzold die Maßnahme. Aber er gibt zu: "Es ist natürlich immer ein bisschen Wehmut dabei, wenn ein alter Firmenname verschwindet." Espe wurde immerhin schon 1947 gegründet, und unter dem Dach des US-amerikanischen Mischkonzerns ist Espe - oder eben jetzt: der Dentalbereich von 3M - einer der großen Spieler auf dem Weltmarkt in diesem Segment. Jetzt gehört Espe zum Geschäftsbereich "Oral Care", also Mundpflege, von 3M; der Hauptsitz der Firma liegt in St. Paul, Minnesota. Der Vizepräsident von Oral Care, Jim Ingebrand, war am Montag eigens nach Seefeld gekommen, um hier ein Informationszentrum gleich neben dem Eingangsbereich zu eröffnen.

Darin präsentiert 3M seine anderen Geschäftssparten, die nichts mit Zahntechnik zu tun haben, Kunden, Geschäftspartnern, aber auch den eigenen Mitarbeitern. Denn jährlich kommen mehr als 3000 Zahnärzte und Zahntechniker zu ehemals Espe, wo der Konzern Abformmassen, Lokalanästhetika und "alles was der Zahnarzt an Material so braucht", herstellt, wie Betzold sagt. Seefeld sei der einzige Standort im Konzern, der überhaupt Betäubungsmittel produziert, das Zahnärzte auf aller Welt dann ihren Patienten verabreichen. Hier gibt es auch konzernweit das zweitgrößte Dentallabor, in dem an neuen Technologien geforscht wird. Etwa an einem Scanner, der die Abformmasse für Zahnersatz überflüssig macht, weil das Gebiss digital vermessen wird, mit einem Gerät, das an einen Kugelschreiber erinnert. In Seefeld hat 3M rund 800 Mitarbeiter, Chef hier ist Thomas Walz. Neu ist also nun die "World of Innovation" genannte Schau, die zeigt, dass 3M auch die bekannten Post-it-Haftnotizzettel, aber auch Schweißermasken, Klebebänder mit hoher Haftkraft und Reflektorfolien für Straßenmarkierungen, Verkehrsschilder "und Feuerwehrautos" herstellt, wie der stellvertretende Landrat Georg Scheitz bemerkte. Er sieht in dieser Werkschau mit der Produktpalette von 3M "ein klares Bekenntnis zum Standort hier in Seefeld."

Was auch Jim Ingebrand, der Vizepräsident der Mundpflegesparte, bestätigte. "Die Gründung von 3M Espe hat zwei Organisationen mit einer auf höchsten Standards basierenden Kultur zusammengeführt, die eine gemeinsame Leidenschaft verbindet, zahnmedizinische Forschung voranzutreiben", sagte der Amerikaner bei der Feierstunde. Und er erklärte den Grund für die Einrichtung der Innovations-Welt: "Bei 3M gibt es keine Abschottung innerhalb der Technologiebereiche." Und: "Wissenschaft ist unsere Inspiration und das Medium, das uns zu Innovationen befähigt. Durch sie können wir Probleme lösen, die niemand sonst lösen kann."

Nun, bei der Lösung eines Problems hätte Wolfram Gum, der Seefelder Bürgermeister, gerne geholfen, wie er in seinem Grußwort sagte: "Wenn es gewünscht wird, können wir den Espe-Platz schon in 3M-Platz umbenennen." Das sei nicht nötig, erklärte Vizepäsident Jim Ingebrand großmütig. Schließlich sei 3M ein Konzern, der "die Vergangenheit in Ehren hält".

© SZ vom 11.10.2016
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