Historisches Gebäude in SeefeldAlter Bahnhof sucht neue Besitzer

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Das alte Bahnhofsgebäude in Hechendorf ist generalsaniert und wartet auf einen neuen Eigentümer.
Das alte Bahnhofsgebäude in Hechendorf ist generalsaniert und wartet auf einen neuen Eigentümer. (Foto: Nila Thiel)

Ein Maklerbüro aus Luxemburg bietet das Bahnhofgebäude im Seefelder Ortsteil Hechendorf für  1,5 Millionen Euro zum Verkauf an. Bürgermeister Klaus Kögel hofft, dass in dem Gebäude auch wieder ein Lokal eröffnet wird.

Von Christian Deussing, Seefeld

Was wird aus dem alten Bahnhofsgebäude in Seefeld-Hechendorf?  Eigentümerin Caroline Mühlfenzl, die in Luxemburg lebt, will das Anwesen schon seit einiger Zeit verkaufen. Sie hatte vor zehn Jahren mit ihrer inzwischen verstorbenen Mutter Isabel –  die mit dem früheren BR-Chefredakteur Rudolf Mühlfenzl verheiratet war und in Hechendorf lange Zeit gelebt hat – das marode Gebäude aus dem Jahr 1903 von der Gemeinde Seefeld erworben und es somit wohl vor dem Abriss bewahrt. Die Frauen machten mit einer langwierigen und kostspieligen Sanierung ein Schmuckstück aus dem Haus.

Doch seit einem Jahr gibt es in dem ehemaligen Wartesaal an der S-Bahn nach Herrsching kein Lokal mehr, nur die weiteren Räume werden noch von einem Praxisteam und weiteren Mietern genutzt. Ein Maklerbüro aus Luxemburg bietet nun die historische Immobilie mit der Nutzfläche von rund 441 Quadratmetern für 1,5 Millionen Euro zum Verkauf an.

Es hätten sich bereits mehr als zehn Interessenten aus der Region gemeldet, sagt Roswitha Lenhart vom Büro „Fare Real Estate S.A.“ in Luxemburg. Die Bewerber dieses besonderen „Liebhaber-Objektes“ würden gewissenhaft und sorgfältig ausgewählt, betont die Maklerin. Die Eigentümerin habe den Auftrag erteilt, weil sie zu weit von Hechendorf entfernt wohne und sich nicht mehr um das Anwesen kümmern könne, erläutert Lenhart.

Die Mietverhältnisse in dem Bahnhofsgebäude blieben bestehen, zudem sei das gesamte Inventar aus dem geschlossenen Lokal im Kaufpreis eingeschlossen. Die Betreiber des Restaurants Feinkochwerk-Eatery hatten aufgegeben, weil ihnen die Corona-Zeit, Inflation und der Personalmangel zu schaffen gemacht hatten. Nun könne aber ein neuer Gastronom angesichts der noch vorhandenen Einrichtung im Prinzip sofort loslegen, sagt die Maklerin. Denkbar seien jedoch auch andere Konzepte, nämlich die Räumlichkeiten zum Beispiel als Atelier oder Architekturbüro zu nutzen.

Auch die Gemeinde Seefeld hat Interesse daran, dass das ortsprägende Relikt einer alten Zeit wieder in gute Hände kommt. Für ihn wäre eine „funktionierende Gastronomie“ wünschenswert, sagt der Seefelder Bürgermeister Klaus Kögel (CSU). Man sei mit Speiselokalen in der Gemeinde nicht gesegnet. Ein Lokal in dem Bahnhofsgebäude wäre ein schöner Treffpunkt und ein „Belebungsmomentum“ im Ort, so Kögel. Andererseits gebe es sicher auch die Option, diesen großen Raum in Wohnungen umzuwandeln. Einer Nutzungsänderung stehe wohl nichts im Wege, ergänzt der Bürgermeister, der mit dem Maklerbüro aus Luxemburg in Kontakt steht.

Im ehemaligen Wartesaal befand sich ein  Speiselokal, dessen Inventar noch vorhanden ist und das ein neuer Gastwirt übernehmen könnte.
Im ehemaligen Wartesaal befand sich ein  Speiselokal, dessen Inventar noch vorhanden ist und das ein neuer Gastwirt übernehmen könnte. (Foto: Nila Thiel)

Angepriesen wird das Bahnhofsgebäude als „beeindruckendes historisches Wohn- und Gewerbeobjekt“, das durch die umfassende Sanierung von 2016 bis 2018 einen „einzigartigen Charme“ ausstrahle. Zu verdanken ist dies vor allem dem Engagement von Isabel und Caroline Mühlfenzl, die sich trotz Kostenexplosion und unerwarteter technischer Probleme beim Umbau seinerzeit nicht entmutigen ließen. Für den Erwerb und die Renovierung des Gebäudes hatten sie insgesamt 1,3 Millionen Euro veranschlagt, mussten aber am Ende mehr als zwei Millionen Euro in das Projekt investieren.

Und es gab einen weiteren Dämpfer: Denn eine Hälfte des Gebäudes inklusive vier unbebauter Flurstücke des Areals kamen vor vier Jahren unter den Hammer. Die Zwangsversteigerung hatte das zuständige Amtsgericht Weilheim angesetzt und den Verkehrswert der Bahnhofshälfte auf 705 000 Euro taxiert. Das Verfahren richtete sich gegen die Mühlfenzl-Tochter als Miteigentümerin, weil ein privater Gläubiger gegen sie einen Antrag auf Zwangsvollstreckung gestellt haben soll.

Unter Vorbehalt erhielt schließlich ein Feldafinger Makler damals mit dem Höchstgebot von 517 000 Euro den Zuschlag, doch mit der Zahlung einer Sicherheitsleistung an die Landesjustizkasse konnte Caroline Mühlfenzl die Zwangsversteigerung noch abwenden – worüber die Gemeinde noch heute sehr froh ist.

Noch ist aber unklar, wer der neue Eigentümer des Hechendorfer Bahnhofs wird. „Wir sind noch in der Findungsphase“, sagt Maklerin Lenhart.

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