Der Verein Seebühne Utting entführt seine Gäste in diesem Sommer ins Italien des 18. Jahrhunderts. Denn in der diesjährigen Spielzeit steht das Stück „Der Fächer“ von Carlo Goldoni auf dem Programm, in einer Fassung von Florian Münzer. „Die Stücke von Goldoni, dem italienischen Shakespeare, passen gut zu uns“, sagt Anna Theresa Münzer, die Inszenierung und Regie übernimmt. Die 40-Jährige traut sich dies in diesem Jahr erstmals selbst zu, auch weil sie mit ihrem Vater Florian Münzer einen Dramaturgen an der Seite hat, „auf den sie sich sehr verlassen kann“, wie sie sagt.
Anna Theresa Münzer hat Betriebswirtschaft studiert und arbeitet in Teilzeit bei der Volksbühne München als Verwaltungsangestellte, aber mit einem künstlerischen Einschlag. Nun Regie zu führen, sei keine spontane Entscheidung gewesen, erzählt sie am Telefon. Mit 17 Jahren fing sie bei der Seebühne als Souffleuse an, dabei habe sie im Laufe der Zeit gemerkt, dass sie auch Ideen habe, die sie gerne umsetzen möchte. Sie habe inzwischen großen Spaß an der Probearbeit. Jetzt wollen Tochter und Vater sich als Team ausprobieren, Florian Münzer hat auch die Spielfassung des Stücks geschrieben. Im vergangenen Jahr übernahm die Münchnerin Christine Koch die Regie bei der Shakespeare-Komödie „Was ihr wollt“ in der Übersetzung von August William Schlegel.
Goldoni ist für die Seebühne Utting kein Neuland. Die Erfolgsgeschichte des Theaters am Ammersee begann 1997 schließlich auch mit einem Stück des Venezianers, das in Florian Münzers Fassung „Krach am See“ heißt. Seither spielt die Freilichtbühne am Ufer im Uttinger Summerpark Stücke mit Leichtigkeit und Humor sowie einer gewissen Tiefe. Das Ensemble besteht von Anfang an aus Laiendarstellern und Profis, in diesem Jahr wirken Afra Walecki und Klaus Kohler mit. Die Musik komponiert Michael Bauer. Anna Theresa Münzer hat voriges Jahr das Amt der Vorsitzenden im Verein von ihrem Vater übernommen, der sich in die zweite Reihe zurückzog.
In der Komödie „Der Fächer“, die von den Liebeswirren einer Witwe und ihrer Nichte in einem Dorf bei Mailand handelt, wird es wieder gewohnt turbulent zugehen auf der temporär in den See gebauten Bühne. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes München, die Klage eines Bürgers abzuweisen, setzte im April 2025 auch dessen Bestrebungen ein Ende, aus Lärmschutzgründen juristisch gegen die traditionsreichen Veranstaltungen im Summerpark vorzugehen. Allerdings ist dadurch die Anzahl der Aufführungen von zwanzig auf sechzehn gesunken. Deshalb können keine Ersatzvorstellungen mehr angeboten werden, sollte das Wetter nicht mitspielen. „Wir haben uns auch dafür entschieden, die Eintrittspreise nicht zu erhöhen“, sagt Anna Theresa Münzer.
Einen kleinen Ausgleich gibt es nun in der Form von Kulturförderungen, die für die Vorsitzende eine gewisse Sicherheit darstellen. Die Tribüne mit 372 Sitzplätzen wird ähnlich wie im vergangenen Jahr wieder direkt am Ufer stehen. Die Zuschauer, im Sommer 2025 waren es rund 5600, kommen aus einem Umkreis von etwa 100 Kilometer zur Seebühne, berichtet sie. Neu ist, dass der Online-Vorverkauf diesmal schon am 1. Juni starten wird. Das Stück feiert dann am 24. Juli Premiere, die letzte Vorstellung findet am 14. August statt.

