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Seebad Starnberg:Barriere im Bad

Starnberg Seebad Andreas Brückel

Nicht unbedingt behindertengerecht ist nach Ansicht von Andreas Brückel das neue Starnberger Seebad gebaut. Die Stadt verweist indes darauf, dass bei Planung und Bau alle Vorschriften eingehalten worden sind.

(Foto: Nila Thiel)

Rollstuhlfahrer Andreas Brückel ärgert sich über einen kaputten Aufzug im modernisierten Wasserpark und andere Mängel. Die Stadt erklärt, dass auf alle Belange der Inklusion geachtet worden sei

Schwimmgäste und Saunaliebhaber freuten sich über die Eröffnung des Starnberger Seebades, nachdem das Hallenbad neu saniert worden war. Doch nicht jeder Badegast ist begeistert - Andreas Brückel zum Beispiel, der dem Starnberger Inklusionsbeirat angehört.

Der Rollstuhlfahrer ist auf den Aufzug angewiesen. Er drückt bei seinem ersten Besuch auf die Knöpfe, doch nichts geschieht. Einen zweiten Aufzug besitzt das Seebad nicht, weswegen ihn das Personal ausnahmsweise durch den Gastronomiebereich in den Aufzug für Warenlieferungen lässt. Das sei der dritte technische Defekt des Aufzugs in 14 Tagen, wurde ihm gesagt. "Ich verstehe nicht, warum das Hallenbad keinen zweiten Aufzug für Fälle wie diese besitzt", ärgert sich Brückel. Seiner Meinung nach müsse ein zweiter Aufzug draußen auf der Seeseite des Schwimmbads vorhanden sein, um auch von dort entspannt auf die Terrasse des Cafés zu gelangen. Denn Menschen mit Gehbehinderung können die dazugehörige Treppe nicht benutzen und müssen dafür den einzigen Aufzug zu den Schwimmbädern nehmen.

Somit müssten sie das komplette Gebäude durchqueren, um das Restaurant zu erreichen. Zudem empfindet Brückel den Aufzug als sehr schmal. "Zwar erfüllt er die DIN-Norm mit den Maßen 1,10 Meter mal 1,40 Meter, doch Personen mit einem breiten oder Elektrorollstuhl können nicht mit dem Aufzug fahren", sagt er. Außerdem fragt er sich, wie Sanitäter Verletzte auf einer Trage im Aufzug transportieren sollen.

Stadt-Sprecherin Lena Choi erklärt jedoch, dass ein zweiter Aufzug nicht notwendig sei, da der bereits vorhandene Aufzug der DIN-Norm entspricht. Der Inklusionsbeirat habe die gesamten Baumaßnahmen begleitet und darauf geachtet, dass sich Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen barrierefrei vom Eingang bis zum Schwimmbecken fortbewegen können, sagt sie. Die Anforderungen für Rollstuhlfahrer sind somit in die bauliche Umsetzung direkt eingeflossen worden, so Choi.

Zudem sei der Aufzug nicht drei-, sondern zweimal kaputt gewesen.

Das lasse keine besondere Häufigkeit erkennen. Beim Rückenschwimmen bleibt Brückel am Markierungsseil hängen, da es nur knapp über dem Wasser hängt. Nach seiner Runde Schwimmen, steht er vor den Behindertenumkleiden, drückt den Kopf zum Öffnen der Tür, doch wieder geschieht nichts. Daher musste der Bademeister die Tür eigenhändig aufsperren, damit Brückel die Umkleidekabine nutzen konnte. Es war wohl ein Defekt in der Technik des Türknopfes. "Das Starnberger Seebad prahlt immer mit ihrer Barrierefreiheit, doch einen Monat nach der Neueröffnung sollten solche Fehler nicht mehr auftreten", sagt Brückel. Bei technischen Problemen, wie auch beim Aufzug, steht das Seebad-Personal vor Ort zur Hilfe, sagt Choi. Das Markierungsseil jedoch hat sich seit der Eröffnung des Seebades tatsächlich ausgehangen, weshalb das Seebad-Personal auch in Kürze das Seil kürzen und neu spannen wird.