Schulen im Landkreis Starnberg geschlossen Hurra, schneefrei!

Tausende Kinder jubeln. Alle Schulen im ganzen Fünfseenland und im Würmtal bleiben auch am Freitag geschlossen. Viele Eltern und Großeltern müssen sich frei nehmen und fragen sich: Was unternehmen mit den Kleinen?

Von Sabina Zollner und Michael Berzl

Das gab es seit ziemlich genau 13 Jahren nicht mehr: Tausende Kinder und Jugendliche im Landkreis haben schneefrei. Am Donnerstag blieben alle Schulen geschlossen, auch an diesem Freitag wird das wieder so sein. Nach dem Landkreis Starnberg ziehen auch die Kreise Landsberg und München mit - damit jubeln wirklich alle Kinder im Fünfseenland und im Würmtal schulfrei. Sie können ausschlafen, Schneemänner bauen oder Schlitten fahren. Für Eltern heißt schneefrei jedoch nicht gleich stressfrei, denn viele müssen sich Urlaub nehmen, um ihre Kinder zu bespaßen.

So auch Hans Schöpf. Er betreibt ein Briefmarkengeschäft in Starnberg. Für seine zwölfjährige Tochter Emily muss er umdisponieren. Vormittags konnte Emily allein zu Hause bleiben, mittags besucht Emily ihren Papa im Laden und die beiden gehen gemeinsam zur Post. Für seine Tochter nimmt er sich gerne frei. Auch heute wird es kein Problem für ihn. "Wir kriegen den Tag schon wieder rum", sagt Schöpf. Dass Emily nicht in die Schule muss, findet sie nicht nur erfreulich. Sie hätte in Englisch eine Schulaufgabe geschrieben und hatte sich gut darauf vorbereitet. Trotzdem freut sie sich über den freien Tag. Statt Religion und Kunst steht Mittagessen mit Papa im Restaurant "Zeitlos" auf dem Stundenplan. Nachmittags übernimmt Mama die Betreuung und die beiden gehen Schlitten fahren.

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Statt mit Oma und Opa zu Hause zu sitzen, hätte die Grundschülerin Charlotte Gehrmann heute lieber im Handwerksunterricht gebastelt. Keine Schule hat für sie aber auch einen großen Vorteil - es gibt keine Hausaufgaben. Die Großeltern, Gerhard Fichtl und Christl Kolodziej, nehmen den Wintereinbruch gelassen. Sie hätten so oder so auf die Enkelin aufgepasst. Mama ist im Urlaub. Statt Schachteln zu basteln darf sich Charlotte auf Brathähnchen und Kartoffelsalat von Oma freuen.

Der Tagesplan von Dieter Müller wird durch das Wetter aus der Bahn geworfen. So muss der Arzt seinen Dienst im Krankenhaus absagen. Gleich drei Söhne zwischen einem und sechs Jahren betreut er zu Hause. Krippe, Hort und Schule blieben alle geschlossen. Morgens musste der Familienvater erst einmal das Auto freischaufeln, weil ein Sohn zum Kinderarzt muss. Zum Glück kann ein Kollege für den Arzt einspringen. Sonst hätte Oma auf die Kinder zu Hause aufpassen müssen.

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Auch Immobilienmaklerin Marion Gödel muss sich für ihren neunjährigen Sohn John-Louis freinehmen. Als Geschäftsführerin ist das aber kein Problem. Die Immobilienmaklerin nutzt den freien Tag, um zum Hautarzt zu gehen. Da darf John-Louis natürlich mit, das ist viel spannender als der Unterricht. Nachmittags geht es zusammen zur Maisinger Schlucht zum Schlitten fahren. Für seine Mutter ist der Schulausfall schön, wer sitzt nicht lieber auf dem Schlitten als im Büro?

Sophie Traumann geht es genau wie ihrem siebenjähriger Sohn Oskar. Auch für sie ist der Unterricht ausgefallen. Die Kindergärtnerin macht gerade eine Weiterbildung zur Erzieherin. Ihre Fachakademie blieb witterungsbedingt geschlossen. Statt die Schulbank zu drücken, kann Oskar mit Mama die Bibliothek in Starnberg durchforsten. "Wir wollten schon lange hin, aber es hat sich leider nie zeitlich ergeben," sagt Sophie Traumann.

Nicht alle Eltern haben es so einfach. Für Kinder, die nicht zu Hause bleiben können, gibt es in verschiedenen Schulen ein Notprogramm. In der Arnoldus-Grundschule in Gilching sind zum Beispiel 20 Schüler gekommen. Diese können sich mit Lernprogrammen im Computerraum oder in der Bücherei beschäftigen. Lehrer nutzen die Zeit, um Aufgaben zu erledigen, die im Schulalltag auf der Strecke bleiben, so Konrektorin Annette Gamber. In der Grundschule in Starnberg sieht es anders aus. Von insgesamt 420 Schülern ist niemand gekommen. Zwei Elternteile brachten ihre Kinder morgens zwar zur Schule, nahmen sie aber schnell wieder mit nach Hause, als sie das leere Schulhaus vorfanden, erklärt die Konrektorin Friederike Dyszak.

Für Eltern steht fest, ob Schlitten fahren oder ein Ausflug in die Bücherei: Es ist Kreativität gefragt.