„Das Ortsbild ist uns ein Anliegen“, sagt Dorothee Mayer-Tasch, die Vorsitzende des Vereins Schorndorfer Kreis für Kultur und Landschaftspflege. Seit 2017 vergibt der Verein den Gestaltpreis „Gelungen“ an Häuser, die im positiven Sinne ortsbildprägend sind. Es geht, wie Künstler Andreas Kloker erläutert, um Gebäude, die in einer Weise besonders sind, ohne aufdringlich zu sein, und sich in die Umgebung einfügen, ohne langweilig zu sein. In diesem Jahr wird das erste Mal eine Wohnsiedlung prämiert: Das Wohnquartier, das unter der Bezeichnung „A Riva“ vermarktet wurde, ist im Ort als ehemaliges Prix-Gelände bekannt, und konnte sich unter acht Mitbewerbern durchsetzen.
Mit dem Gestaltungspreis wurden unter anderem bereits eine Villa in der Seestraße, die Umkleidekabinen des Strandbades Forster sowie ein Wohngebäude an der Sonnleite ausgezeichnet. Zur Aufstellung der von Andreas Kloker gestalteten wertigen Plakette auf einer kleinen Grünfläche an der Ecke „Alter Anger“ und Ringstraße war aber trotz achtzig Einladungen, die in die Briefkästen im neuen Wohnquartier gesteckt wurden, nur eine Neubürgerin gekommen.
Die war aber umso mehr angetan von ihrem neuen Zuhause in einem der Reihenhäuser der Siedlung. Zur Fertigstellung 2022 war Gabrielle Wendt aus Norddeutschland zugezogen, wegen des „bayerischen Lebensgefühls“ und weil sie einen biografischen Bezug zu Bayern hat. Ihr Quartier hat für sie Dorfcharakter und die Architektur findet auch sie gelungen.
Auf einer ehemaligen Industriebrache hat die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH sechzehn Reihenhäuser und neunundfünfzig Wohnungen sowie zwei Tiefgaragen und einen Kinderspielplatz gebaut. Die dort umgesetzten Pläne des vom Bauherrn beauftragten Münchner Architekturbüros Knoop & Rödl Architekten und des Landschaftsarchitektenbüros Mahl-Gebhard- Konzepte hatten den ersten Platz beim Realisierungswettbewerb gewonnen. Beim Verkauf des Areals hatte die Gemeinde mit der Investorin vereinbart, 30 Prozent der neuen Wohnungen und Reihenhäuser an „die ortsverbundene Bevölkerung mit besonderem Bedarf“ vergünstigt abzugeben.
Dabei ging es um sechs Reihenmittelhäuser und siebzehn Wohnungen mit zwei bis vier Räumen. Die zwei Mehrfamilienhäuser sind dreistöckig gebaut, das langgezogene Objekt, das erst als „Aal“ und später dann als „Welle“ bezeichnet wurde, schirmt das Quartier zur Bahnlinie und der Durchgangsstraße hin ab. „Selbst der Aal wirkt nicht monströs“, sagt Kloker. Überzeugt habe die Jury „die freundliche lichte Stimmung, die zurückhaltende Farbigkeit ohne nur langweilig weiß zu sein, die Formate, die sich leicht unterscheiden, der fein gestrichene Putz.“ Eine Siedlung zu planen, sei schon eine große Aufgabe.

Zu der auch die Gemeinde Schondorf beigetragen hat, wie Bürgermeister Alexander Herrmann (Grüne) berichtete. 2014 sah eine mögliche Bebauung des Areals noch einen Bebauungsplan vor, der „so simpel war, wie man es sich nur vorstellen kann“. Statt Einfamilien- und Doppelhäuser wurden aber vor allem kleine Wohnungen gebraucht. Der Gemeinderat nahm sich viel Zeit, um einen neuen Bebauungsplan zu entwickeln. Angrenzend befindet sich ein Schulcampus mit Realschule und Grundschule, auch eine neue Dreifachturnhalle wurde inzwischen gebaut. Interimsmäßig befindet sich gerade eine Kinderbetreuungseinrichtung, die in Containern untergebracht ist, auf dem Gelände.
Das gesamte Areal zwischen Bahnlinie, Ringstraße und Schulstraße umfasst rund 5,5 Hektar, davon 1,3 Hektar für Wohnen. Verkauft wurden die Wohnungen als Eigentumswohnungen, die wohl überwiegend selbst bewohnt werden. Für die vergünstigten Objekte ist dies verpflichtend, es gab ein Punktesystem und Losverfahren. Beim Durchgang durch das Quartier wirkt alles aufgeräumt, die Dichte an Wall-Boxen in den Carports ist hoch. Der Kinderspielplatz in der Mitte lag am Samstagvormittag verweist da, wirkt aber einladend. „Wir haben auch Klagen gehört“, merkt Mayer-Tasch an. Das Innere der Häuser könne indes nicht bewertet werden, wenn von außen begutachtet werde. Und von außen mache das Quartier einen fröhlichen Eindruck.


