Schondorf Dem Gemeinwohl verschrieben

Die Veranstalter werten ihren Premierenauftritt als großen Erfolg: Mehr als 60 Interessierte fanden sich zum ersten Infonachmittag der Regionalgruppe "Ammersee West" über Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ein. Deren Ziel ist, möglichst viele Unternehmen, Organisationen und Kommunen dafür zu gewinnen, ihre Betriebe nicht nur am kommerziellen Gewinn zu orientieren. Sie sollen sich auch nach Kriterien wie Respekt für Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmung und ökologische Nachhaltigkeit bewerten lassen.

Bei der Veranstaltung in der Aula der Schondorfer Grundschule stellte Wilfried Knorr, Vorstand der Herzogsägmühle, seine Erfahrungen mit einer Zertifizierung nach den GWÖ-Kriterien vor. "85 Prozent der Deutschen halten unser Wirtschaftssystem für ungerecht - aber nur 15 Prozent glauben, dass man daran etwas ändern kann", sagte Knorr. Als soziale Einrichtung der Diakonie stellt Herzogsägmühle Wohnraum für 900 Dorfbewohner und Arbeitsplätze für 1500 Beschäftigung zur Verfügung. Der zweite Referent, Wessobrunns Bürgermeister Helmut Dinter, erinnerte an Artikel 151 der bayerischen Verfassung, der mit folgenden Worten beginnt: "Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesondere der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle." Auch Wessobrunn strebe eine Zertifizierung an, viele Entscheidungen würden bereits nach Gemeinwohl-Gesichtspunkten getroffen. So vergebe man Aufträge regional, das führe zu höherer Zufriedenheit von Mitarbeitern und Bürgern, zu kurzen Wegen und größerer Transparenz der Leistungen einer Gemeinde.

In der Infoveranstaltung formierten sich vier Gesprächsgruppen zu den Themen "Gemeinde", "Wirtschaft", "Bildung" und "Einzelperson". Die Gruppen sollen sich künftig regelmäßig treffen, sie stehen nicht nur Kommunalpolitikern und Firmeninhabern, sondern allen Bürgern offen. Weitere Informationen dazu sind im Internet unter www.bayern.ecogood.org/ ammersee-west zu finden.