Ammersee:Ein Unikat zum Baden

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Ammersee: Frisch renoviert zeigt sich das Strandbad Forster in Schondorf am Ammersee jetzt von seiner schönsten Seite.

Frisch renoviert zeigt sich das Strandbad Forster in Schondorf am Ammersee jetzt von seiner schönsten Seite.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Kabinen wie die im Strandbad Forster in Schondorf gibt es nur noch selten. Badbesitzer Anton Ernst wird für die vorbildliche Renovierung der historischen Umkleiden ausgezeichnet.

Von Renate Greil

Nur noch wenige Strandbäder im alten Stil mit hölzernen Umkleiden gibt es im Fünfseenland. Eines davon ist das in Familienbesitz befindliche Strandbad Forster in Schondorf am Westufer des Ammersees, in dem seit fast einhundert Jahren Badebetrieb stattfindet. Zur Straße "An der Point" hin wird das Bad von einer Reihe hölzerner Umkleidekabinen eingerahmt, die 1926 von Anton Forster eigenhändig gebaut wurden. Dieser war der Großvater von Anton Ernst, der das Geschäft von seinem Vater übernommen hatte. Seit 1984 betreibt er sowohl das Bad als auch das Seerestaurant sowie das "Café Forster". Und auch die nächste Generation steht schon bereit. Für Konditormeister Anton Ernst ist das Gesamtkonzept nur mit Bad und Gastronomie stimmig. Denn das Gelände mit Bad ist in Privatbesitz, und bis heute komme man ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand aus. Für Ernst ist es selbstverständlich, die charakteristischen Kabinen zu erhalten, auch wenn kontinuierlich etwas zu machen ist. "Das ist so, wie wenn man einen Oldtimer fährt", schmunzelt Ernst.

Ammersee: Anton Ernst ist der Chef des Strandbads Forster.

Anton Ernst ist der Chef des Strandbads Forster.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Etwa alle zehn Jahre müssen die Holzkabinen gestrichen werden, vor allem Spritzwasserschäden durch vorbeifahrende Autos nehmen zu. Als Farbton hat der Konditormeister nun aber nicht mehr die historische Farbe, ein fast schwarzes Dunkelgrün, gewählt, sondern einen helleren Grünton. Dazu gibt es, wie bisher, markante gelbe Farbbänder. Im vergangenen Jahr und heuer im Frühjahr wurden diese zuletzt gestrichen. "Wir haben das diesmal selbst gemacht", berichtet Ernst. Noch nicht auf allen Kabinen liegt jedoch das neue Blechdach: Aufgrund eines heftigen Hagelunwetters an Pfingsten 2019 wurde eine neue Abdeckung fällig. Statt Dachpappe gibt es nun aber stabileres Eisen. Auch wurden bereits vor einigen Jahren Holzfundamente durch Metallfundamente ersetzt. Da das Holz - verwendet wird überwiegend Fichte - arbeite, gibt es immer wieder etwas zu tun, erzählt Ernst. 64 Kabinen sind es insgesamt. Einige werden an Tagesgäste vermietet, aber die meisten werden inzwischen über die ganze Saison vergeben. Es gibt eine Warteliste für die - vor allem auch bei Schondorfer Familien gefragten - Kabinen.

Ammersee: Vor allem bei Dauergästen im Schondorfer Strandbad sehr beliebt: Die in frischem Grün gestrichenen Umkleidekabinen.

Vor allem bei Dauergästen im Schondorfer Strandbad sehr beliebt: Die in frischem Grün gestrichenen Umkleidekabinen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

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Ammersee: Der "Schondorfer Kreis für Kultur und Landschaftspflege" erachtet die Arbeiten für gelungen: "Auszeichnung der Familie Ernst für die sorgsame Restaurierung des Strandbades Forster von 1929/30" steht auf der Plakette

Der "Schondorfer Kreis für Kultur und Landschaftspflege" erachtet die Arbeiten für gelungen: "Auszeichnung der Familie Ernst für die sorgsame Restaurierung des Strandbades Forster von 1929/30" steht auf der Plakette

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Für die Renovierung der Kabinen bekam der Familienbetrieb kürzlich einen Anerkennungspreis. Denn mit der Medaille "Gelungen" zeichnete der Verein "Schondorfer Kreis für Kultur- und Landschaftspflege" die Familie Ernst für die stilgerechte Renovierung der hölzernen Umkleidekabinen aus den 1920er Jahren aus. Nun schmückt die Plakette den Kiosk des Strandbades, dass insgesamt etwa 4000 Quadratmeter groß ist. Flächen im Uferbereich sind dazu gepachtet, erläutert Ernst. Das heutige Restaurant und Café wurde 1964 gebaut und bietet derzeit außen und innen insgesamt etwa 140 Gästen Platz. Es gibt auch einen langen Steg, der mit Booten angesteuert werden kann.

Im Familienbetrieb arbeiten auch Barbara Rank, Schwester von Anton Ernst, und sein Sohn Andreas Ernst mit. Dieser ist Küchenmeister und Fachwirt der Gastronomie, aber auch Fischermeister. Die Familie fischt selbst, der Kahn liegt im historischen Boots- und Badehaus, ebenfalls in Familienbesitz, ein paar Schritte weiter die Seestraße hinauf. Dieses wurde seinerzeit vom Schondorfer Architekten und Jugendstil-Künstler Max Joseph Gradl 1928 gestaltet. Der Schondorfer Kreis vermutet hier einen Zusammenhang mit den hölzernen Umkleidekabinen im Bad, aber Ernst hat keinen Beleg dafür, dass der Architekt, der sich 1920 in Schondorf niederließ, beauftragt war. Am Seeufer stand früher nur ein kleiner Biergarten mit Kiosk, und anstelle des jetzigen Saales gab es für die sonnenhungrigen Badegäste ein Sonnenliegerbrett. Die Gastronomie mit einem Veranstaltungssaal war in einem weiter obenstehenden Gebäude untergebracht. Wie Ernst erzählt, war dort auch "der erste Nachtclub am See", das "Black Cat", den die Amerikaner betrieben. In der Nachkriegszeit hatten diese den Betrieb besetzt. Heute wird ein Teil des Gebäudes als Klassenzimmer vom Landheim Schondorf genutzt. Viele Jahre war das Strandbad Forster auch der Platz, wo das Musik-Festival "Sammersee" stattfand. Heuer werden dort klassische Klänge erklingen: Der örtliche Richard-Wagner-Verband plant im Juli die Aufführung der Oper "Der fliegende Holländer".

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