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Kunst im öffentlichen Raum:"Die Liegende" bleibt liegen

Schondorf:  Skulptur 'Liegende' von Matthias Rodach

Mathias Rodachs Skulptur am Ammerseeufer wechselt dank einer großzügigen Spende für knapp 20 000 Euro in den Besitz der Gemeinde Schondorf.

(Foto: Nila Thiel)

Der Schondorfer Gemeinderat entscheidet sich doch noch für den Kauf der Bronzeskulptur am See.

Von Armin Greune

Dank eines anonymen Spenders bleibt der Uferpromenade "Die Liegende" von Matthias Rodach erhalten. Mit der denkbar knappen Mehrheit von neun gegen sieben Stimmen hat der Schondorfer Gemeinderat nun entschieden, die Bronzeskulptur zu erwerben, nachdem sich ein Sponsor zuvor bereit erklärte, die Hälfte des Preises von knapp 20 000 Euro zu übernehmen. Der Ankauf einer weiteren Skulptur, die als Relikt des Ende 2019 aufgegebenen Skulpturenwegs in der Parkanlage am Ammersee steht, wurde jedoch bei Stimmengleichheit abgelehnt. Dabei hätte sich für Thomas Lenharts "Großer Fadenschein" ein anderer Spender gefunden, der 5000 Euro zum Kaufpreis von 16 000 Euro beisteuern wollte.

Matthias Rodach nahm die Nachricht, dass seine "Liegende" nun doch von der Gemeinde gekauft wird, begeistert auf: "Großartig, oh wie schön", freute sich der Künstler. Zunächst wollte der Gemeinderat Bürgermeister Alexander Herrmann mit dem renommierten Dießener Bildhauer nachverhandeln lassen, um den Kaufpreis zu drücken. Doch da wäre kein Spielraum mehr gewesen, erläutert Rodach: "Allein die Gusskosten betrugen 8000 Euro, dazu kamen 2000 Euro für die Silikonform und den Gipsmantel." Etwa ein halbes Jahr Arbeit stecke in der Skulptur - auch wenn er "Die Liegende" schon als Betonguss für seine Diplomarbeit angefertigt hatte: Mit ihr wurde er als Meisterschüler bei Professor Christian Höpfner angenommen.

Aus der nachbearbeiteten Steinfigur wurde extra für Schondorf ein Bronzeguss angefertigt. Dafür erhielt Rodach ein Stellgeld, das er bereits vom Preis der Skulptur abgezogen hat: "Eigentlich hätte sie 24 000 Euro kosten sollen". Streng genommen sei "Die Liegende" kein Unikat: Rodach besitzt eine Kopie, die für weitere Güsse dienen könnte. Der Bildhauer der auch den "Diez" für Dießen geschaffen hat, ist mit seinen Arbeiten weit über den Ammerseeraum hinaus bekannt: In München etwa steht von Rodach ein Galilei-Denkmal, in Hamburg eine Bronzebüste Tycho Brahes, in Lindau ein Porträt des Grafen Lennart Bernadotte und am Rothenburger Galgentor die Kalksteinstatue "Hängender".

Im Ringen um "Die Liegende" hat Rodach Solidarität von Künstlern aus dem Landkreis Landsberg erfahren: So kritisierten der Denklinger Bildhauer Josef Lang und die Dießener Malerin Annunciata Foresti öffentlich den geringen Stellenwert der Kunst im Schondorfer Gemeinderat. Dort war der Skulptur-Ankauf - wie viele Themen - zum Spielball im kommunalpolitischen Grabenkampf der Fraktionen geworden: Vor allem den CSU-Vertretern war die Kunst zu teuer.

Darunter muss nun Thomas Lenhart leiden. Für den Schondorfer Künstler war es "keine Überraschung", dass der "Große Fadenschein" doch nicht angekauft wird. Dabei hatte sich in der ersten Gemeinderatsdebatte noch Wolfgang Schraml (FW) für das Gespinst aus quadratischen Rahmen und Stahlseilen stark gemacht. Am Skulpturenweg hatte Lenhart auch seine "Eisentür" aus zehn schwenkbaren Stahlrahmen postiert: Inzwischen hat er das 350 Kilogramm schwere Objekt mit dem Gabelstapler aus dem Wald in den eigenen Garten versetzt. Im April will Lenhart beide Skulpturen am Kulturpfad Bad Schachen am Bodenseeufer präsentieren.

Vom Weg zwischen Schondorf und Eching sind inzwischen die meisten Kunstwerke abgebaut worden. Vier oder fünf der dort beteiligten Bildhauer sind bereit, mit diesen oder neu angefertigten Werken an den Wörthsee umzuziehen. Mit Sicherheit werde dort am neuen Skulpturenweg der "Durchblick" von Gerhard Gerstberger aufgestellt, der aus zwei im stumpfen Winkel gefalteten Stahldreiecken bestehtt, sagt Juliane Seeliger-von Gemmingen, Kulturbeauftragte der Gemeinde. Auch Axel Wagner habe zwei Objekte in Aussicht gestellt, mit Hannes Kinau und Franz Hartmann werde noch verhandelt.

"Ich freue mich, dass auch Wörthsee jetzt so etwas macht", sagt Joachim Dürler, einer der drei Initiatoren des Schondorfer Skulpturenwegs. Er selbst hat daraus eine der überdimensionalen Wäscheklammern von Hartmann für seinen Garten erworben. Im Gemeinderat seines Heimatorts entschied man erst, dass 11 000 Euro für den Fadenschein zu teuer seien - und spendierte unmittelbar darauf der Schützengesellschaft "Diana" 10 000 Euro für neue elektronische Schießstände.

© SZ vom 18.01.2020

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