Zwischendurch dürften sogar die Wohlmeinendsten schon daran gezweifelt haben, dass Besucher die Ammerlander Schlosskapelle je wieder betreten und von innen die wieder restaurierte Sternendecke sehen können. Der denkmalgeschützte Sakralbrau aus dem 17. Jahrhundert war in den1970er-Jahren bereits so verfallen, dass ein Baum aus dem Dach wuchs. Problematisch war zudem, dass der einstige Zugang auf dem Gelände der damaligen Schlosseigentümer lag.
Doch in den vergangenen beiden Jahrzehnten setzte sich vor allem der Ostuferschutzverband (OSV) mit Sitz in Münsing unter seiner langjährigen früheren Vorsitzenden Ursula Scriba unermüdlich dafür ein, die Schlosskapelle sanieren zu können. Dass dies gelungen ist, konnte der Pfarrer des hiesigen katholischen Pfarrverbands, Martin Kirchbichler, nun im September mit einem Gottesdienst feiern.
„Die Kapelle soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, bestätigt Petra Schulze, die aktuelle stellvertretende Vorsitzende des OSV. Darauf habe insbesondere Pfarrer Kirchbichler in seiner Predigt hingewiesen. Allerdings werde der Sakralbau nicht einfach jederzeit geöffnet sein. Angedacht sei, dass sich Interessenten für einen Besuch über einen Link auf der Homepage des OSV anmelden können. Als Mesnerin habe sich Regina Wagner aus Ammerland bereiterklärt.
Ihr Mann und Schreinermeister aus im Ort alteingesessener Familie fertigte die neue Holztreppe an, die es am neuen Eingang auf der Seite der nördlichen Seestraße brauchte. Denn der Boden der Kapelle befindet sich unterhalb des Fahrbahnniveaus. So kommen die Besucher nun über die Sakristei in den Kapelleninnenraum. Dort fertigte Josef Wagner auch die Holzbänke nach historischem Vorbild aus dem 19. Jahrhundert.

Wer den Kopf hebt, erblickt nun den wieder freigelegten und einst weiß übertünchten goldenen Sternenhimmel auf tiefblauer Grundierung. Mit seiner Restaurierung beauftragt waren die Mitarbeiter der Wessobrunner Werkstätte Engel & Paric. Moderne LED-Beleuchtung macht den Sternenhimmel besonders plastisch erlebbar. Farbintensiv sind auch die neu gestalten Seitenfenster mit gelben und türkisfarbenen Rauten. Von den Originalen waren nur noch Bruchstücke erhalten.
Im ebenso neu gestalteten Fenster zur Straßenseite hinter dem Hochaltar sind die Heiligen Drei Könige zu sehen, denen der Bau geweiht ist. Der Münchner Künstler Bernd Nestler, der sich dafür an einem Motiv aus dem Kölner Dom orientiert hat, ritzte die Umrisse der Heiligen zudem in ein außen vorgesetztes zweites Glas. Das soll die innere Darstellung davor schützen, zu verschmutzen. Martin Maier aus dem Münsinger Ortsteil Ambach restaurierte schließlich den Hochaltar. Noch erhaltene Teile davon waren in der Gaißacher Werkstatt Wiegerling eingelagert, wo sie erst wieder entdeckt wurden.

Die in den 1680er-Jahren errichtete Schlosskapelle zu restaurieren, glich also gewissermaßen einem Puzzle – genau wie die Finanzierung und Organisation des Projekts. Um den Sakralbau wieder instand zu setzen, hatte die Familie von Laßberg bereits in den 1980er-Jahren einen größeren Betrag gespendet. Weiteres Geld kam zusammen, weil der OSV Lesungen und andere Benefizveranstaltungen organisierte und bei Sponsoren um Unterstützung warb.
Für die Schlosskapelle spendeten Menschen aus Ammerland und die Meitinger Stiftung. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, der Bezirk Oberbayern, das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen und die Kommune Münsing beteiligten sich ebenso finanziell. Insgesamt kam so ein sechsstelliger Betrag zusammen.

SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnieren
Mehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.
Im 17. Jahrhundert ist die Kapelle einst errichtet worden – gleichzeitig mit dem näher am Ufer stehenden Ammerlander Schloss, das Werner Döttinger zwischen 1988 und 1992 umfassend sanierte. Für die Basisvoraussetzungen zur Restaurierung der Kapelle engagierte sich die Architektin und langjährige OSV-Vorsitzende Ursula Scriba viele Jahre lang. Architektin Mechtild Schönberger, die Beirätin im OSV-Vorstand ist, konnte das Sanierungsvorhaben schließlich maßgeblich abschließen.
Darüber freut sich auch die stellvertretende Vereinsvorsitzende Schulze. Sie verweist darauf, dass alles komplett in Eigeninitiative erreicht werden konnte. Gefeiert wurde diese Leistung bei einem Empfang mit etwa 60 geladenen Gästen im angrenzenden Schlossgarten.

