Das Schloss Seefeld bietet schon ein besonderes Ambiente. Weithin sichtbar thront das feudale Ensemble auf einer Anhöhe. Von den Zimmern dort oben blicken Besucher auf den Pilsensee hinunter. Auch von den Fenstern des Sudhauses aus, in dem ein rühriger Verein auf ehrenamtlicher Basis feine Konzerte und Kabarettabende organisiert. Der Raum mit einem imposanten Kreuzgewölbe wird mittlerweile auch höchsten akustischen Ansprüchen gerecht. Das zeigen spezielle Anfragen für „sehr hochwertige, audiophile Aufnahmen“. Eine Premiere gebe es dabei im Herbstprogramm, berichtet der Vereinsvorsitzende Harald Müller, der im Organisationsteam für den Bereich Jazz und die Veranstaltungstechnik zuständig ist. Dabei war das einmal ganz anders.
Da war die Akustik im Sudhaus, zumal beim Klang des Schlagzeugs oder Instrumenten wie dem Vibraphon, offenbar etwas schwierig. Und das ist noch höflich ausgedrückt, wenn man die Beschreibung der zweiten Vorsitzenden Brigitte Altenberger wörtlich nimmt, die für die Klassik zuständig ist: „Total versuppt, das war nicht zum Anhören. Das kam aus allen Ecken zurück.“ Das hat sich grundlegend geändert. Mittlerweile ist das Sudhaus sogar regelrecht begehrt bei echten Klangpuristen. Dietrich Brakemeier ist so einer. Ein Spezialist für hochwertige Plattenspieler mit einer Firma in Hofstetten bei Landsberg, wolle im Oktober in Seefeld ein Konzert des Joel-Frahm-Trios aufnehmen, kündigt Müller an.
„Mittlerweile ist der Klang in unserem Sudhaus auch in der High-End-Szene angekommen“, sagt er. Bei Leuten also, die höchste Ansprüche an Klang und Wiedergabe legen. Dazu solle per Tonband mit Röhrentechnik eine analoge Aufnahme des Live-Konzerts angefertigt werden, um mit dieser Aufnahme wiederum Vinyl-Schallplatten zu pressen: eine Premiere mit dieser Technik. Brakemeier und seine Firma Acoustic Systems hätten den etwa 150 Quadratmeter großen Raum bereits einmal für fünf Tage gebucht, um ein Album mit der Pianistin Yuwen Huang aufzunehmen.
Um die Akustik so zu optimieren, damit der Schall eben nicht mehr aus allen Ecken zurückkommt, ist im Sudhaus im Schloss Seefeld in den vergangenen Jahren einiger Aufwand betrieben worden. So ist in den großen Kronleuchter an der Decke ein Tuch drapiert, an den Wänden hängen fünf großformatige Schwarz-Weiß-Bilder von Musikern mit zehn Zentimeter tiefen Rahmen, in die schallabsorbierendes Material eingepasst ist, die Durchgänge schirmen schwere rote Vorhänge ab. Und dann gibt es da noch die „Bassfallen“; das sind etwa zwei Meter hohe, mit Stoff bespannte Säulen, die in den Raumecken aufgestellt werden, sowie acht quaderförmige Bassabsorber.

Das Konzert des Jazz-Trios im Oktober ist eine von insgesamt 14 Veranstaltungen im Herbstprogramm des Vereins „Kultur im Schloss Seefeld“, der nun schon seit 40 Jahren ein ambitioniertes Angebot organisiert. Es kommt an, so Altenberger: „Das war schon zäh nach Corona, aber jetzt hat es wieder Fahrt aufgenommen.“ Einige Veranstaltungen in den zurückliegenden Monaten seien sogar ausverkauft gewesen. Bis zu 130 Zuschauer passen in das frühere Sudhaus von Schloss Seefeld. Die Eintrittspreise liegen in der Regel bei 25 Euro, mit Ermäßigung bei 13 Euro.
Im Herbstprogramm finden sich außer Jazz-Konzerten auch Klassik, Kabarett und Kindertheater. Einige Ensembles waren schon mehrfach in Seefeld, der Verein legt immer auch Wert darauf, dass Künstler aus der Region zum Zug kommen. So hat das Kabarett-Duo Faltsch Wagoni aus Herrsching auf deren Nachfrage einen Termin bekommen. Die „Rhythmus-Poeten“, wie sie sich selbst nennen, zeigen am Samstag, 22. November, ihr Programm „Die letzten Ironesen“. Eine Familie aus der Ukraine, die in Gauting Zuflucht gefunden hat, darf am Samstag, 9. November, mit Gitarren- und Klaviermusik auftreten.

Erster Termin im Herbst ist am Freitag, 26. September, der Auftritt des Saxofonisten Jon Lloyd und des Pianisten John Law aus England. Der Kabarettist Thomas Schreckenberger kommt (3. Oktober), der Jazz-Pianist Bernd Lhotzky (19. Oktober) und das Christian-Elsässer-Quintett (16. November). Für Kinder gibt es ein Figurentheater aus Belgien (19. Oktober), und das Klexs-Theater aus Augsburg zeigt ein Weihnachtsstück. Das komplette Programm mit allen Terminen ist auf der Homepage des Seefelder Kulturvereins (kultur-schloss-seefeld.de) zu finden. Dort können auch direkt Tickets gebucht werden.

