Wer heute den Schacky-Park in Dießen besucht, kann sich kaum vorstellen, wie er vor 20 Jahren ausgesehen hat. Damals befanden sich sämtliche Bauwerke, Statuen, Brunnen im fortgeschrittenen Stadium des Verfalls; Teiche waren trockengefallen, Wege überwuchert und im bewaldeten Teil fehlten längst notwendige Pflegeeingriffe. Inzwischen aber wartet ein landschaftliches Kleinod mit artenreichem Wald und Blühwiesen, einer Schlucht und zwei Bächlein auf Spaziergänger – erschlossen mit Holzbrücken, Stiege, Steigen und barrierefreien Wegalternativen. Über die neun Hektar große Anlage verteilt findet sich eine Reihe von restaurierten Brunnen und Statuen sowie ein Monopteros mit grandioser Aussicht. Ein wiederaufgebautes asiatisches Teehaus und ein malerisches Entenhaus stehen für Veranstaltungen zur Verfügung.
Dank des ehrenamtlichen Engagements Dießener Bürger steht dieser von 1903 bis 1913 angelegte Park allen offensteht und gilt weit über den Ort hinaus als eine Attraktion. Anfang 2006 gründeten 13 von ihnen den Förderkreis Schacky-Park, der mittlerweile mehr als 800 Mitglieder zählt. Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens fand kürzlich eine Feierstunde im Blauen Haus statt, dort, wo die Geburtsstunde des gemeinnützigen Vereins geschlagen hatte. Dabei blickten die Aktiven auf ihre erfolgreiche Aufbauarbeit im Park zurück. Hinter diesem augenscheinlichen Wunder stecken eine sechsstellige Zahl an ehrenamtlich geleisteter Arbeitsstunden und Investitionen in Höhe von mehr als einer Million Euro. Wobei diese Zahl noch gewaltig untertreibt: Die beteiligten, zumeist örtlichen Handwerksbetriebe arbeiteten oft zum Selbstkostenpreis oder gar ganz gratis.
Nur drei Beispiele zeigen, was mit maximalem persönlichem Einsatz und begrenztem Kapital geleistet worden ist: 2019 ließ der Förderkreis den 160 Meter langen, schmiedeeisernen Staketenzaun zur Weilheimer Straße sanieren und rekonstruieren. Unter strengen denkmalschutzrechtlichen Vorschriften wurden 4,5 Tonnen Stahl verarbeitet, 9000 Löcher gebohrt und 600 Pinsel für den geforderten Dreischichtanstrich verbraucht. Die dem Förderkreis angerechneten Kosten für diese Mammutarbeit betrugen gerade einmal 60 000 Euro.
Der Monopteros musste gleich zweimal zur Restaurierung eingerüstet werden: 2009, weil er einsturzgefährdet war und Risse in den Säulen mit 1500 Stahlnägeln stabilisiert werden mussten. Und 2018, als wieder ein Kupferdach aufgesetzt wurde. Das im Krieg ersatzweise installierte Blechdach war so verrostet und leck, dass die Deckenbalken verfaulten. Wie schon beim Zaun half eine Dießener Handwerksfirma und montierte unentgeltlich das Dach aus Kirchenkupfer samt Zirbelnuss auf der Spitze. Für den Förderkreis blieb eine Investition von nur 30 000 Euro, was dennoch die Kassenbestände auf null schrumpfen ließ. Das bisher aufwendigste Einzelprojekt aber war das eigentlich abbruchreife japanische Teehaus: Es konnte 2014 nach vier Jahren mit 9000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden fertiggestellt werden; die Kosten beliefen sich auf 120 000 Euro.


Beim Geburtstagsfest des Förderkreises erinnerte die Vorsitzende Christine Reichert kürzlich an die Aktiven, die seit der Vereinsgründung gestorben sind. Darunter finden sich Persönlichkeiten, die in die örtlichen Annalen eingegangen sind – etwa der langjährige Heimatvereinsvorsitzende Thomas Raff als juristischer Mentor des Förderkreises oder der Gartenbauingenieur Peter Kaun senior, der ein Baumkataster erstellte. Die Förderer pflanzten insgesamt 3155 Gehölze im Park. Dem Dießener Original und Kunstschmied Walter Spensberger verdankt die Anlage 28 im Jugendstil restaurierte Leuchten. „Der große Baumeister des Parks“ aber war Reichert zufolge Emil Schmitt, der erst im Alter von 80 zum Förderkreis stieß und dort 15 Jahre lang maßgeblich mitwirkte.
Einen freudigeren Anlass zur Erinnerung bieten die vielen Veranstaltungen, die seit der Öffnung 2006 stattgefunden haben: Freiluftmalerei, Ausstellungen, Lesungen und Vorträge – aber auch die Deutschen Baumpflegemeisterschaften oder ein Freilufttheaterspiel mit einem Dreiakter zur Parkgeschichte. Das Spektrum der bislang mehr als 70 Open-Air-Konzerte am Monopteros reicht vom avantgardistischen Elektropop über die Hochzeitskapelle bis zu Folklore und Klassik.


Das Ambiente des Parks, das einen englischen Landschaftsgarten mit Elementen des Historismus und Zitaten des Jugendstils kombiniert, mag aus heutiger Sicht ein wenig kitschig anmuten – aber der Förderkreis war stets an den authentischen Originalzustand gebunden. 1992 wurde der Park in die Denkmalliste aufgenommen, da ruhte er noch im Dornröschenschlaf. Nach vielen Jahrzehnten in Privatbesitz öffnete er 2003 erstmals zum Tag des Denkmals die Tore, mehrere hundert Besucher stürmten die Anlage, bevor sie wieder verschlossen wurde. Im selben Jahr verpachtete sie die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul für 30 Jahre je zur Hälfte an den Reit- und Fahrverein und die Gemeinde Dießen. Der Orden hatte den 18 Hektar großen Park 1933 erworben und bis dahin vor allem landwirtschaftlich genutzt. 70 Jahre später übernahm die Kommune den östlichen Bereich. Die Pflege und Restaurierung hat sie seit 2006 an den Förderkreis abgegeben, noch im März des Jahres nahmen dessen Mitglieder dort die Arbeiten auf.
Von Beginn an war die Rekonstruktion der von Ludwig Freiherr von Schacky und seiner Frau Julia als Sommersitz geplanten Anlage mit viel detektivischer Recherche verbunden. Drei Jahre nach seiner Frau starb 1913 auch der reiche königliche Kämmerer. Nur sehr wenige Dokumente und Fotografien vom Originalzustand sind erhalten geblieben, viele Unterlagen dürften bei einem Brand in Schackys Villa in der Münchner Prinzregentenstraße vernichtet worden sein. Vor allem die Nutzung als Kuhweide unter der sieben Jahrzehnte währenden Obhut der Vinzentinerinnen hinterließ von den ursprünglichen Bauten, Statuen, Vasen und Leuchten nur noch Ruinen und weit verstreute Bruchstücke, der einstigen Bauten, Statuen, Vasen und Leuchten.


Nach der Restaurierung oder Rekonstruktion von Monopteros, Tee-, Enten- und Bootshaus, Fischteich, Frosch-, Apollo-, Neugierde- und Delfin-Brunnen ist im Park wohl alles wieder vorhanden, was der erste Eigentümer auf seinem Grundstück nachweislich realisiert hatte. Mehr lässt der Denkmalschutz nicht zu: Wünsche nach weiteren Bauten oder Einrichtungen, etwa einer Sauna oder ein Kinderspielplatz, bleiben nur Luftschlösser. Nicht einmal für die mündlich überlieferten Gewächshäuser und Pfauenvolieren oder eine verborgene Grotte am Ententeich finden sich Belege.
Für die Aufgaben des Fördervereins markiert das einen Wendepunkt: Anstelle des Aufbaus sind nun der Erhalt und die Bespielung des Areals in den Vordergrund getreten. Und wie alle Besucher können die Mitglieder die Früchte ihrer Arbeit genießen: Sich im Winter zum Schlittenfahren oder Eislaufen, im Sommer zum Konzertbesuch oder zur Apfelernte treffen. Nach Einschätzung der Deutscher Stiftung Denkmalschutz ist im Schacky-Park ein im Fünfseenland „einmaliger, überregional beliebter öffentlicher Volkspark“ entstanden. Das gilt zumindest für noch weitere zehn Jahre, bis 2035 der bestehende Pachtvertrag ausläuft.

