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Sanierung Kientalweg:Auf Umwegen zum Kloster Andechs

Einer der beliebtesten Wanderwege im Fünfseenland ist gesperrt. Bis Mitte August wird der Kientalweg saniert - wer zum Kloster Andechs möchte, muss Umleitungen in Kauf nehmen.

Einer der meistfrequentierten Wanderwege im Fünfseenland ist seit dieser Woche komplett gesperrt. Der Staatsforstbetrieb München muss drei Brücken auf dem als Fahrstraße ausgebauten Weg im Kiental sanieren lassen, um sie für den Schwerlastverkehr in Notfällen zu rüsten. Auch hat das Hochwasser vor fünf Wochen stellenweise die Straße abgesenkt und einen Hang ins Rutschen gebracht. Voraussichtlich bis Mitte August müssen Fußgänger und Radfahrer die mit roten Pfeilen gekennzeichneten Umleitungen benutzen.

Andechs Kloster

Der Kientalweg zum Kloster Andechs ist seit dieser Woche wegen Sanierungsarbeiten komplett gesperrt.

(Foto: region.sta)

Von Herrsching aus können sie entweder den Steig am Steilhang zum Kloster Andechs oder den Fahrweg am Westhang des Kienbachs über das Hörndl benutzen. Auf der etwa 1,5 Kilometer langen Strecke direkt am Bach sind an drei der insgesamt vier Brücken teilweise die Fundamente unterspült und die Stahllager korrodiert.

Dies führt dazu, dass die Forststraße für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen nicht mehr befahren werden darf. Der Staatsforst habe als Alternative zur Sanierung auch einen Rückbau zum reinen Fuß- und Radweg erwogen, sagt Betriebsleiter Wilhelm Seerieder: "Wir brauchen die Straße definitiv nicht." Holztransporte finden dort keine mehr statt, denn im idyllischen Schluchtwald des Kientals herrsche "absolute Hiebsruhe". Einzelne abgestorbene Bäume lasse man an Ort und Stelle; größere Kalamitäten seien nicht zu befürchten, weil der Wald fast nur aus Laubbäumen besteht.

Den Ausschlag für einen erneuten Ausbau zur "Schwerlastfähigkeit" gaben die Rettungsdienste und der Abwasserzweckverband. Unter der Forststraße verläuft ein Kanal, der möglicherweise einmal instandgesetzt werden muss. Und Feuerwehr und Krankenwagen sind vor allem deswegen auf den Rettungsweg angewiesen, weil sich auf den steilen Steigen im Kiental immer wieder schwere Unfälle ereignet hatten. Der letzte von zwölf tödlichen Abstürzen liegt zwar schon fünf Jahre zurück, doch auch 2009 verunglückten zwei junge Männer und verletzten sich.

Rücksicht auf Wallfahrten

Deshalb hat die Gemeinde Andechs heuer im Frühjahr die Steige saniert und Trampelpfade verbaut. Dass der Staatsforst seine Arbeiten ausgerechnet in der Hauptsaison und den Sommerferien vornimmt, sei in Absprache mit dem Kloster Andechs geschehen, sagt Seerieder. Dessen Verwaltung habe um Rücksicht auf zwei große Wallfahrten gebeten, die bis Mitte Juni stattfanden.

Wenig später kam an einem Steilhang ein großer Ahorn ins Gleiten und riss großflächig Erdreich mit sich. Nun wird unterhalb der Lehm- und Sandrutschung die Böschung gesichert und der Hang erneut verbaut. Die Stahlträger als Anker im Boden können weiter verwendet werden, sie halten starke Lärchenstämme, die wie in einem Blockhaus verschränkt werden. Forstarbeiter schneiden die Stämme passgenau mit der Motorsäge zu, auch das Holz stamme aus dem eigenen Betrieb, sagt Seerieder.

Deshalb koste die Beiseitigung der Hochwasserschäden einschließlich Drainage und Tragschichtbau an einer halbseitig abgesackten Straßenpartie nur 45.000 Euro. Für die Brückensanierungen, in deren Verlauf auch Geländer erneuert werden, sind 105.000 Euro veranschlagt. An den Kosten beteiligt sich der Abwasserverband mit 20.000 und die Gemeinde Andechs mit 10.000 Euro. Auf eine diesbezügliche Anfrage bei der Klosterverwaltung kam nicht einmal eine Antwort.